26.02.2015 | Magazin:

Promotionsfeier mit Goldener Promotion der Fakultät für Lebenswissenschaften der TU Braunschweig

Seit über einem Jahrzehnt verabschiedet die Fakultät für Lebenswissenschaften der Technischen Universität Braunschweig ihre Promovierten der Fächer Biologie, Biotechnologie, Chemie, Lebensmittelchemie, Pharmazie und Psychologie einmal im Jahr feierlich. In diesem Jahr fand die Feier zur Verabschiedung der 106 Promovierten des Jahrgangs 2014 am 23. Januar 2015 mit knapp 200 Gästen in der Aula des Hauses der Wissenschaft statt. Die Grußworte sprach der Vizepräsident der TU Braunschweig, Prof. Dr. Dieter Jahn.

Die Goldene Promotionurkunde erhielt die Apothekerin Dr. Chrisitane Rogge (l.). Ihr Doktorvater Prof. Dr. Hermann Josef Roth hielt den Festvortrag.

Die Goldene Promotionsurkunde erhielt die Apothekerin Dr. Christiane Rogge (l.). Ihr Doktorvater Prof. Dr. Hermann Josef Roth hielt den Festvortrag.

 

Bei der Feier ragte in diesem Jahr das 50jährige Promotionsjubiläum der Apothekerin Dr. Christiane Rogge heraus. Dr. Rogge (damals Schwenke) studierte in Bamberg und Würzburg Pharmazie und begann im Januar 1963 mit der Anfertigung einer Doktorarbeit an der TH Braunschweig unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Josef Roth, der damals Privatdozent in Braunschweig war und am Anfang seiner herausragenden akademischen Karriere stand. Frau Dr. Rogge wurde am 2. Dezember 1964 nach nur zwei Jahren intensiver wissenschaftlicher Arbeit promoviert. Sie war die erste Frau, die in seiner Arbeitsgruppe eine Dissertation anfertigte. Der Titel ihrer Arbeit lautete „Synthesen mit Mannich-Basen“. Mannich-Basen stellen in der Wirkstoffforschung wichtige Zwischenprodukte dar. Die Ergebnisse ihrer Arbeit waren die Grundlage für zahlreiche weitere chemische Synthesen mit Mannich-Basen und erschlossen damit vielfältige Möglichkeiten für die Gewinnung potenzieller Wirkstoffe.

Der zweite Höhepunkt dieses Abends war der Festvortragende, der damalige Mentor von Dr. Rogge, Prof. Hermann J. Roth, der zu einem der einflussreichsten pharmazeutischen Chemiker in Deutschland zählt. Er wurde 1956 zum Dr. rer. nat. in Würzburg promoviert, wo er sich auch 1961 am Pharmazeutischen Institut für das Fach Pharmazeutische Chemie habilitierte und zum Privatdozenten ernannt wurde. Danach folgte er seinem Doktorvater als Privatdozent nach Braunschweig von wo er bereits 1965 im jungen Alter von 36 Jahren auf einen Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der Universität Bonn berufen wurde. Im Jahr 1983 wechselte er auf einen Lehrstuhl der Universität Tübingen, dort wurde er Jahr 1994 emeritiert. Prof. Roth hat 120 Doktoranden, davon 21 Frauen zur Promotion geführt, über 300 experimentelle Arbeiten veröffentlicht sowie zahlreiche Aufsätze, Fach- und insbesondere Lehrbücher geschrieben. Am Lehrbuch für „Medizinische Chemie“ ist er bis heute beteiligt. Ganze Generationen von Apothekerinnen und Apothekern sind mit seinen Lehrbüchern durch das Studium gegangen.

Prof. Roth hielt den Festvortrag zum Thema „Chiralität, interdisziplinär und therapeutisch betrachtet“. Unter Chiralität (Händigkeit) versteht man das Phänomen, dass bestimmte Moleküle gleich aufgebaut sind, sich aber wie Bild und Spiegelbild zueinander verhalten. So wie es bei Händen, Füßen, Handschuhen und Schuhen ein rechts und links gibt, so gibt es auch bei chiralen Molekülen zwei Formen. Chiralität spielt in der Natur eine große Rolle. Die linke Hand passt zum linken Handschuh und nur wesentlich schlechter in den Rechten. Ähnlich ist es bei Arzneistoffen und deren Rezeptoren. Auch hier gibt es bei chiralen Arzneistoffen vielfach eine bevorzugte Form, die den Rezeptor aktiviert oder blockiert. Im besten Fall ist die andere Form inaktiv, im schlimmsten Fall ist sie toxisch oder übt die entgegengesetzte Wirkung aus. Prof. Roth, der sich seit Jahrzehnten als Künstler betätigt, hatte als ein Beispiel chiraler Kunst handsignierte Grafiken seiner Plastik „Twistan“ mit Glückwünschen für die Promovierten im Gepäck. Seine Rede endetet mit einem von ihm selbst eingespielten chiralen Musikstück, der Krebskanon von J. S. Bach.

Nach dem Festvortrag wurden die Promovierten durch den Dekan Prof. Mark Vollrath und den „Promotionsdekan“ Prof. Matthias Tamm geehrt. Neben der Überreichung der Promotionsurkunden und der Preisverleihung des „E.G. Rochow Family Trust“ für zwei Promovierte des Faches Chemie hielt Dr. Fabian Utesch (Psychologie) aus den Reihen der Promovierten einen Vortrag mit dem Thema „Mehr sehen beim Fahren – Visuelle Fahrerassistenz im Auto“.

Kontakt
Prof. Dr. Knut Baumann
Institut fuer Medizinische und Pharmazeutische Chemie
Tel.: 0531/3912750
E-Mail: k.baumann@tu-braunschweig.de