20.02.2018 | Presseinformationen:

Uljana Wolf erhält die Ricarda Huch Poetikdozentur 2018 Verwirrendes Switchen zwischen den Sprachen

Die Lyrikerin und Übersetzerin Uljana Wolf erhält für ihr bisheriges Werk den Preis der Ricarda Huch Poetikdozentur für Gender in der literarischen Welt 2018. Der Preis wird von der Stadt Braunschweig, der Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, dem Braunschweiger Zentrum für Gender Studies (BZG) und dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte gestiftet und umfasst ein Preisgeld von 7.000 Euro sowie einen dotierten Lehrauftrag im Sommersemester 2018.

Die Verleihung des Preises an Uljana Wolf sowie der Auftakt zu den öffentlich zugänglichen Vorlesungen findet am 27. Juni 2018 im Roten Saal, Schlossplatz 1, 19 Uhr, statt.

Weitere Vorlesungen:

  • am 28. Juni „Schreiben zwischen Sprachen“ (Aula, Haus der Wissenschaft),
  • am 29. Juni „Sprachverlust und Muttersprache“ (Aula, Haus der Wissenschaft),
  • am 5. Juli „Das Lallen der Übersetzung“ (Aula, Haus der Wissenschaft),
  • am 12. Juli „Gender und Unübersetzbares“ (Aula, Haus der Wissenschaft).

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Uljana Wolf

Die im Jahre 2006 mit dem renommiertesten deutschen Lyrikpreis, dem Peter-Huchel-Preis, für ihr Debüt „kochanie ich habe brot gekauft“ ausgezeichnete Dichterin ist mit ihrem Schreiben wie prädestiniert für die Poetikdozentur: War ihr Debütband noch den Begegnungen zwischen deutscher und polnischer Sprache bzw. Kultur vorbehalten, so ging sie in den Folgebänden „falsche freunde“ (2009) und „meine schönste lengevitch“ (2013) entsprechend ihres neuen zweiten Lebensortes New York dem oft verwirrenden wechselseitigen Switchen zwischen deutscher und amerikanisch gefärbter englischer Sprache nach. Aus diesem experimentellen Crossover zwischen Sprachen und den aus ihnen sprechenden Kulturen gehen nicht nur verblüffende neue lyrische Bilder und Formen hervor, sondern auch neuartige, offene Identitäten, die die bestehenden Bedeutungen und Schemata bspw. von männlich/weiblich in Frage stellen. Die ’neue Sprache zwischen den Sprachen‘, die Uljana Wolfs Gedichte generieren, wird in Bezug auf die Möglichkeit eines originär weiblichen Sprechens bzw. Schreibens jedoch zur durchaus existentiell gemeinten Spielwiese. „Heldinnen“ von Uljana Wolfs Gedichten sind oft Frauen wie die eigenen Großmütter, denen „meine schönste lengevitch“ gewidmet ist, die Autorin Ilse Aichinger, die von Freud porträtierte „Anna O.“ oder ein Ich, das mit der Vereinbarkeit von „auf einer insel sitzen, ein kind haben, schreiben, kind haben“ ringt.

Der ihr Werk charakterisierende Bezug zwischen Gender, Mehrsprachigkeit und poetischem Experiment wird auch im Zentrum ihrer Braunschweiger Vorlesungen stehen. Sie wird dabei eine Annäherung versuchen, wie „das Unterwandern oder Durchkreuzen von Sprachgrenzen eine produktive poetische oder politische Unruhe auslösen kann“.

Vita

Uljana Wolf, geboren 1979 in Berlin, Studium der Germanistik, Kulturwissenschaft und Anglistik in Berlin und Krakau, lebt als Lyrikerin, Übersetzerin, Essayistin und Dozentin in Berlin und Brooklyn. Sie ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie erhielt 2010 ein Autorenstipendium der Villa Aurora in Los Angeles, 2013 den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis, 2015 den Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung sowie 2016 den Adelbert-von-Chamisso-Preis und lehrte u.a. am Pratt Institute Brooklyn, der New York University, der Schule für Sprachkunst in Wien und der Humboldt Universität zu Berlin. Gegenwärtig ist sie Stipendiatin der Villa Massimo (Rom).