Fulbright-Stipendiatin bringt frischen Wind und neue Ideen Mia Kantarovich verstärkt das Team der Life Sciences an der TU Braunschweig
In der Forschungsgruppe von Professorin Melanie Brinkmann an der TU Braunschweig untersucht Fulbright-Stipendiatin Mia Kantarovich, wie ein bestimmtes Protein unser Immunsystem gegen Corona- und Herpesviren stärken könnte. In Braunschweig hat sie den idealen Ort gefunden, um die deutsche Wissenschaft und Kultur kennenzulernen, mit Partnern der TU Braunschweig Ecoversity zusammenzuarbeiten und spannende Forschungserfahrungen zu sammeln.

Mia Kantorovich bei der Arbeit im Labor des Biozentrums an der TU Braunschweig. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig.
In dem geräumigen, lichtdurchfluteten Labor, inmitten von Promovierenden, die über Pipetten, Mikrozentrifugenröhrchen und Laptops gebeugt sind, bekommt eine Schülerpraktikantin von einem örtlichen Gymnasium einen ersten Einblick in die Forschung auf Universitätsniveau. Direkt neben ihr steht Fulbright-Stipendiatin Mia Kantorovich und zeigt ihr, wie man ein Experiment aufbaut. Im Labor im dritten Stock des Biozentrums der TU Braunschweig wird deutlich, dass Professorin Melanie Brinkmann sich leidenschaftlich für die Förderung künftiger Generationen von Wissenschaftler*innen einsetzt. Mia, die ihren Bachelor-Abschluss in Biologie an der Brown University in Rhode Island, USA, erworben hat, kam im September 2025 zum Labor für Virologie und angeborene Immunität an der Fakultät für Lebenswissenschaften der TU Braunschweig. Ihre Faszination für die Virologie begann während eines Immunologiekurses im Grundstudium. „Ich erinnere mich, dass ich dachte: ‚Wenn unser Immunsystem so gut darin ist, Krankheitserreger zu bekämpfen, warum werden wir dann trotzdem krank?‘“, sagt sie. Diese Frage prägte sowohl ihre Bachelorarbeit als auch ihre spätere Entscheidung, vor Beginn eines Promotionsstudiums nach Forschungsmöglichkeiten im Ausland zu suchen.
Genau richtig in Braunschweig
Nachdem sie sich über mehrere europäische Virologie-Teams informiert hatte, deren Projekte ihren Interessen entsprachen, kontaktierte Mia Professorin Brinkmann. Von Mias Interesse an der Virologie, ihrer Zielstrebigkeit und ihrem Tatendrang beeindruckt, lud Professorin Brinkmann sie in ihre Arbeitsgruppe ein. Beide waren sich einig, dass Mia sich um ein Fulbright-Stipendium bewerben sollte. Als Mia erfuhr, dass sie das Stipendium erhalten hatte, freuten sich beide riesig. Im vergangenen Herbst stieg Mia dann voller Vorfreude mit ihrem Koffer in der Hand am Hauptbahnhof in Braunschweig aus dem Zug.
„Ich liebe es in Braunschweig. Es ist eine kleinere Stadt, aber perfekt für mich. Sie ist nicht zu groß oder überwältigend, und es war einfach, Leute kennenzulernen.“
Vom ersten Tag an empfand Mia die Atmosphäre im Labor als herzlich und einladend. Besonders gefiel ihr die offene Raumaufteilung, bei der jeder Arbeitsplatz von großzügigen Fenstern eingerahmt ist, die den Innenraum mit Tageslicht durchfluten. „Ich komme jeden Tag gerne hierher. Das Labor ist als kollaborative Arbeitsumgebung konzipiert und fördert den ungezwungenen Austausch mit Kollegen. Das trägt wirklich zu der Offenheit und der einladenden Atmosphäre bei, die ich hier erlebt habe.“
Forschen mit Ausblick und frischer Luft
Als gebürtige Coloradierin genießt sie besonders den Blick auf das Grün rund um die Universitätsgebäude. Auch die deutsche Gewohnheit des „Lüftens“ gefällt ihr sehr. Im Herbst belebte die frische Luft sie während der Lernpausen, obwohl sie zugibt, dass es ihr im Winter manchmal schwerer fiel, die Begeisterung ihrer deutschen Kollegen für diese Praxis zu teilen.
Während ihres Forschungsaufenthalts in Braunschweig konzentriert sie sich auf ein bestimmtes hochkomplexes zelluläres Protein, das mit vielen Viren interagiert. Insbesondere untersucht sie, ob dieses Protein dem Immunsystem helfen kann, sich gegen Coronaviren wie SARS-CoV-2 und Herpesviren zu verteidigen. Mithilfe der CRISPR-Cas9-Technologie entfernt sie das Protein aus den Zellen, um zu untersuchen, ob Zellen ohne dieses Protein anders reagieren, wenn sie mit Viren infiziert werden. Diese Forschung trägt zu einem tieferen Verständnis unseres Immunsystems im Zusammenhang mit Virusinfektionen bei. Das kooperative und unterstützende Umfeld sowie die Möglichkeit, mit verschiedenen Partnern und in unterschiedlichen Labors– wie denen am Campus Süd des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) – zu arbeiten, sind große Pluspunkte für ihre Arbeit mit diesen Viren.
Ein lebendiges Netzwerk
Mia schätzt insbesondere die unkomplizierte Zusammenarbeit innerhalb des Brinkmann-Labors sowie universitätsweit und mit Partnern. Das geht auch über die Laborarbeit hinaus. Es fällt ihr leicht, ihre Kollegen kennenzulernen, die ihre Begeisterung für die Wissenschaft teilen. Gemeinsam erkunden sie die Stadt, kochen und nutzen das Bahnnetz, um andere Städte in Deutschland und Europa bequem zu erreichen. Das Fulbright-Netzwerk bietet ihr die ideale Gelegenheit, mit anderen Fulbright-Stipendiaten in Deutschland in Kontakt zu treten, mehr über die breite Palette der behandelten Forschungsthemen zu erfahren und neue Freunde zu finden, die sie in Städten wie Berlin, Leipzig, Hamburg und Freiburg im Breisgau besuchen kann.
„Was mich am meisten beeindruckt, ist, wie willkommen ich mich in Braunschweig gefühlt habe. Sowohl meine Kollegen als auch die Freunde, die ich außerhalb des Labors gefunden habe, waren sehr freundlich zu mir. Ich bin sehr dankbar dafür, wie sehr sich die Leute bemüht haben, mich kennenzulernen und mich in ihre Gemeinschaft aufzunehmen. Das war das absolute Highlight meiner Zeit hier.“
Wenn sie in die USA zurückkehrt, um an der Washington University in St. Louis ihren Doktor in Molekularer Mikrobiologie und Mikrobieller Pathogenese zu machen, nimmt sie nicht nur die experimentellen Erkenntnisse mit, die sie unter der Anleitung von Professor Brinkmann gewonnen hat, sondern auch eine neue Wertschätzung für Zusammenarbeit und neue Perspektiven sowie für die Schönheit Deutschlands und Europas – ganz zu schweigen von der wichtigen Rolle regelmäßigen Lüftens (was übrigens auch sehr wirksam gegen virale Atemwegsinfektionen ist!).
