3. Juni 2026 | Magazin:

Analytik für die Ernährung der Zukunft Prof. Dr. Marina Creydt ist seit April 2026 Professorin für Instrumentelle Analytik in der Lebensmittelchemie

Wie lassen sich Lebensmittelbetrug aufdecken und die Auswirkungen des Klimawandels auf pflanzliche Lebensmittel wissenschaftlich untersuchen? Im Interview spricht Prof. Dr. Marina Creydt über interdisziplinäre Forschung an der TU Braunschweig, moderne massenspektrometrische Analytik und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis.

Prof. Dr. Marina Creydt mit Prof. Dr.-Ing. Manfred Krafczyk, Hauptberuflicher Vizepräsident für Digitalisierung und der Nachhaltigkeit, sowie Prof. Martin Korte, Dekan der Fakultät für Lebenswissenschaften (r.). Bildnachweis: Silja Klemenz/TU Braunschweig

Warum haben Sie sich für die TU Braunschweig entschieden?

Die TU Braunschweig bietet hervorragende Bedingungen für eine interdisziplinäre und anwendungsorientierte Forschung. Zudem sind in der Region viele weitere Forschungseinrichtungen vertreten – ideal für fachübergreifende Kooperationen und einen engen wissenschaftlichen Austausch. Dadurch entstehen optimale Voraussetzungen, um Forschungsergebnisse nicht nur wissenschaftlich weiterzuentwickeln, sondern sie auch gezielt in die praktische Anwendung zu überführen.

Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?

Im Mittelpunkt meiner Forschungsgruppe stehen zwei zentrale Themenbereiche: Zum einen entwickeln wir analytische Methoden zur Aufdeckung von Lebensmittelbetrug, zum anderen untersuchen wir die Auswirkungen erhöhter CO₂-Konzentrationen und von Trockenstress auf pflanzliche Lebensmittel. Ziel ist es, diese häufig sehr komplexen Fragestellungen mithilfe massenspektrometrischer und bioinformatischer Verfahren objektiv und wissenschaftlich belastbar zu untersuchen.

Bei der Aufdeckung von Lebensmittelbetrug prüfen wir beispielsweise, ob „deutscher“ Spargel oder Erdbeeren tatsächlich aus Deutschland stammen oder ob die Herkunft verändert wurde, um höhere Preise zu erzielen. Solche Manipulationen gefährden zwar meist nicht direkt die Gesundheit, führen jedoch zu einer Täuschung der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie zu Nachteilen für ehrliche Erzeugerinnen und Erzeuger. Da Betrugsmethoden immer raffinierter werden, entstehen fortlaufend neue analytische Herausforderungen.

Eine weitere Forschungsrichtung von uns beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf pflanzliche Lebens- und Futtermittel. Dabei untersuchen wir vornehmlich, wie sich Trockenstress oder erhöhte CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre auf den Stoffwechsel und das Nährstoffprofil von Pflanzen auswirken. Unser Ziel ist, solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen, wissenschaftlich zu erklären und daraus Erkenntnisse für die zukünftige Produktion pflanzlicher Lebensmittel abzuleiten.

Mit welchen Forschungsschwerpunkten und Projekten werden Sie sich an der TU Braunschweig auseinandersetzen?

Die Komplexität globaler Handelsketten stellt die Lebensmittelsicherheit ständig vor neue Herausforderungen. Trotz technologischer Fortschritte werden Methoden der Lebensmittelverfälschung kontinuierlich raffinierter und schwieriger nachweisbar – beinahe wie in einem fortwährenden Katz-und-Maus-Spiel. Vor diesem Hintergrund möchte ich meine Forschung an der TU Braunschweig gezielt weiterentwickeln. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der besseren Vergleichbarkeit von non-targeted-Datensätzen zwischen unterschiedlichen analytischen Geräten, um die Standardisierung und Übertragbarkeit moderner Methoden zu verbessern und ihre Anwendung in Forschung und Routineanalytik zu stärken

Ein weiterer Fokus liegt auf dem Einsatz nachhaltiger und ressourcenschonender analytischer Verfahren. Insbesondere Methoden, die perspektivisch nicht nur in der Forschung, sondern auch in Handelslaboren und Lebensmittelüberwachungsämtern eingesetzt werden sollen, müssen effizient, reproduzierbar und gleichzeitig möglichst sicher für die Anwenderinnen und Anwender sein.

Auch Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel werden künftig eine zentrale Rolle spielen, da diese erheblichen Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und Qualität von Lebens- und Futtermitteln sowie auf die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen haben kann. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwiefern der Einsatz von Biostimulanzien dazu beitragen kann, Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber herausfordernden Wachstumsbedingungen zu machen.

Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Bereich zu forschen?

Sowohl die Aufdeckung von Lebensmittelbetrug als auch die auch die Auswirkungen des Klimawandels auf pflanzliche Lebens- und Futtermittel sind sehr aktuelle Themen mit einer hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Relevanz. Die Bearbeitung dieser Themen erfordert eine stark interdisziplinäre Herangehensweise, bei der instrumentelle Analytik, Bioinformatik sowie lebensmittel- und pflanzenwissenschaftliche Expertise eng miteinander verknüpft werden. Besonders spannend ist dabei der direkte Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die praktische Anwendung, wodurch ein intensiver Austausch zwischen Forschungseinrichtungen, Behörden und Unternehmen entsteht, von dem alle Beteiligten profitieren können.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten aus?

leidenschaftlich, lösungsorientiert und leicht überkoffeiniert

Vielen Dank!

Text: Lea Hülsen/TU Braunschweig