01.06.2018 | Magazin:

Bild des Monats: Die Mutter aller Kräuterbücher Aus der Universitätsbibliothek der TU Braunschweig

So ein Werk traut man sich kaum anzufassen: handgeschöpftes Büttenpapier aus dem 15. Jahrhundert, per Hand kolorierte Zeichnungen, am Rand Anmerkungen eines Nutzers aus einer längst vergangenen Zeit. Es ist das älteste Buch in der Universitätsbibliothek Braunschweig: der „Gart der Gesundheit“ von 1485, aus dem wir einen Ausschnitt in unserem Bild des Monats zeigen.

Der „Gart der Gesundheit“ zählt zu den wichtigsten spätmittelalterlichen Werken zur Naturkunde. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Der „Gart der Gesundheit“ ist so etwas wie die „Mutter aller Kräuterbücher“. Es zählt zu den wichtigsten spätmittelalterlichen Werken zur Naturkunde. 382 Pflanzen, 25 Drogen aus dem Tierreich und 28 Mineralien werden dort aufgeführt und vor allem ihre medizinische Verwendung beschrieben. Ergänzt werden die Texte in deutscher Sprache durch mehr oder weniger  naturgetreue Illustrationen, wie die Abbildung der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus) im Bild des Monats Juni zeigt.

Bestseller aus dem Spätmittelalter

Das Werk, verlegt von Peter Schöffer in Mainz, wurde zum Bestseller und war Grundlage vieler weiterer Kräuterbücher. Etwa 1.000 Exemplare wurden Ende des 15. Jahrhunderts gedruckt, vermutet Stefan Wulle, zuständig für die Bestandserhaltung in der Universitätsbibliothek der Carolo-Wilhelmina. Die Publikation ist nicht mehr komplett im Original erhalten. Einige Seiten mussten bereits durch Kopien ersetzt werden, auch der Einband ist neu. Im so genannten Braunschweig-Zimmer wird der „Gart der Gesundheit“ unter besonderen klimatischen Bedingungen aufbewahrt. So wie weitere rund 3.000 Raritäten, die vor 1800 erschienen sind. Die Bücher des Braunschweig-Zimmers können unter Aufsicht eingesehen werden. Viele Werke sind bereits digitalisiert.