19. August 2026 | Presseinformationen:

TU Braunschweig: Luftfahrtforschung erhält Millionenförderung Emissionen reduzieren durch praxisnahe Simulationsplattform

Im Forschungsprojekt „Vlame“ des Instituts für Flugantriebe und Strömungsmaschinen (IFAS) und des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen und Brennstoffzellen (IVB) entwickelt die TU Braunschweig eine praxisnahe Simulationsplattform. Mithilfe dieser Plattform können Emissionen unter Start- und Reiseflugbedingungen verlässlich prognostiziert werden, sodass die Luftfahrtindustrie diese senken kann. Am 19. August 2026 übergab Matthias Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus dem VIP+-Programm.

Projektleiter Dr.-Ing. Jan Göing stellt das TU Braunschweig Projekt Vlame vor. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Im Flugverkehr tragen insbesondere Nicht-CO₂-Emissionen zur Erderwärmung bei. Dabei handelt es sich um andere klimawirksame Stoffe als Kohlendioxid: Kohlenmonoxid, Stickoxide, Partikel wie Ruß und Wasserdampf. Gemeinsam mit Partnern aus der Luft- und Raumfahrtindustrie arbeitet die Technische Universität Braunschweig daran, das Verständnis für diese Emissionen zu verbessern.

Der Parlamentarische Staatssekretär Matthias Hauer hob bei seinem Besuch hervor, dass die vielfältigen BMFTR-Programme optimale Voraussetzungen schaffen, um Forschungsergebnisse in praxisrelevante und gesamtgesellschaftlich nützliche Anwendungen zu transformieren: „Die Hightech Agenda Deutschland steht für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Souveränität – durch Forschung und Technologie. Die Luft- und Raumfahrt ist dabei ein strategisches Forschungs- und Anwendungsfeld der Hightech Agenda mit dem Ziel, die Zukunft der umweltverträglichen Luftfahrt weltweit mitzugestalten und zugleich Wachstumschancen und Wertschöpfung zu erhalten. Das BMFTR-Programm für die Validierungsförderung VIP+ schafft eine verlässliche Brücke zwischen Forschung und Wertschöpfung – und das themen- und verwertungsoffen. Das VIP+-Förderprojekt Vlame zeigt dies eindrucksvoll und wird mit seiner innovativen Simulationsplattform für Emissionen in der Luftfahrt einen wichtigen Beitrag zu einer wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Mobilität der Zukunft leisten. Ich wünsche dem Projektteam größtmöglichen Erfolg.“

Staatssekretär Mathias Hauer im Gespräch mit dem Vlame Projektleiter Dr.-Ing. Jan Göing und Jun.- Prof. Federica Ferraro. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig.

Einmalig in Europa

Das Forschungsprojekt „Vlame“, kurz für „VaLidation of an Aircraft engine emission Model for low-Emission fleet management“, baut eine realitätsnahe Simulationsumgebung auf. Dabei werden Flugprofil- und Triebwerksleistungsmodelle mit einem integrierten Emissionsmodul verknüpft, gestützt auf hochauflösende numerische Simulationen und umfangreiche Triebwerkstests.

Als einzige Universität in Europa besitzt die TU Braunschweig hierfür ein High-Bypass-Turbofan-Triebwerk. Darin erzeugt ein großer Turbofan bis zu 85 Prozent des Schubs, was dazu führt, dass nur ein kleiner Teil der Luft durch den heißen Kern strömt und der Großteil außen vorbeigeführt wird. Dieses Prinzip senkt sowohl den Treibstoffverbrauch als auch die Lärmemission deutlich.

Projektleiter Dr.-Ing. Jan Göing sieht großes Potential in dem Projekt: „Mit Vlame setzen wir neue Maßstäbe in der Emissionsforschung der Luftfahrt: Die Branche verursacht erhebliche Emissionen – zugleich ist das Reduktionspotenzial groß. Genau hier setzt unsere Forschung an. Unsere praxisnahe Simulationsplattform quantifiziert Emissionen entlang realer Einsatzprofile und gibt Fluggesellschaften konkrete Hebel an die Hand, gegenzusteuern und Emissionen messbar zu senken. Auch Triebwerks- und Kraftstoffhersteller können die gewonnenen Daten nutzen, um ihre Entwicklung zielgerichtet auszurichten und emissionsärmere Produkte schneller zur Marktreife zu bringen.“

Ziel des Forschungsprojekts ist, unter Start- und Reiseflugbedingungen die Emissionen von NOₓ, CO, CO₂ und Rußpartikeln verlässlich zu prognostizieren und thermodynamische Kenngrößen für verschiedene Triebwerkstypen, Betriebszustände und Kraftstoffe – einschließlich nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) – zu analysieren.

Plattform schafft Grundlage für Emissionseinsparungen im Flugverkehr

Auf Basis der durch die Simulationen gewonnen Daten können Fluggesellschaften ihre Flottenemissionen senken, Emissionshandelskosten reduzieren und CO₂-Strategien optimieren. Triebwerks- und Kraftstoffhersteller erhalten fundierte Entscheidungsgrundlagen für die Produktentwicklung. Eine spätere Lizenzierung der Plattform an Airlines und Regulierungsbehörden würde die Emissionsvorhersage und ‑minderung fest in der Praxis verankern.

Über VIP+

Das Programm „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung“ unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen dabei, Forschungsergebnisse auf ihre Praxisfähigkeit hin zu prüfen und den Weg in die Anwendung zu ebnen. Die Förderung von bis zu 1,5 Millionen Euro über bis zu drei Jahre schafft die Voraussetzungen für die Weiterentwicklung von Forschungsergebnissen zu innovativen Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen. Gleichzeitig wird das Risiko für Dritte, in die weitere Entwicklung zu investieren, verringert.

https://www.validierungsfoerderung.de/validierungsprojekte/vlame