Messballon steigt über Forschungskreuzung auf Braunschweig: Kombinierte Untersuchung von Feinstaub und Mobilität an Forschungskreuzung gestartet
Am 20. April startete die Technische Universität Braunschweig die erste große Messkampagne im Forschungsprojekt KoFeMo am Langen Kamp in Braunschweig. Ungewöhnlich an den Feinstaubmessungen: Ein weithin sichtbarer, rund drei Meter großer Messballon in TU-Farben wird während der Messtage in Höhen zwischen fünf und 150 Metern über dem Gelände nahe der Forschungskreuzung schweben – vorausgesetzt, die Wetterbedingungen lassen es zu. Ergänzt wird die Kampagne durch weitere Messsysteme, die direkt an der Kreuzung installiert sind.
Ein Fesselballon mit umfangreicher Sensorik misst vom 21. bis 24. April im Rahmen des Projekts KoFeMo atmosphärische Parameter wie Druck, Temperatur, Feuchte sowie Partikelgrößen von 10 Nanometern bis 100 Mikrometern. Durch kontinuierliche Auf- und Abstiege erfasst das Institut für Flugführung vertikale Profile der Messgrößen. Insgesamt sind vier einwöchige Messkampagnen geplant, wobei die erste Woche der Erprobung des Systems in niedrigen Höhen dient. Der innerstädtische Betrieb gilt als besonders sicher, wurde umfassend genehmigt und durch technische Maßnahmen sowie behördliche Auflagen abgesichert.
Feinstaub und Ultrafeinstaub gelten als Luftschadstoffe mit den größten Auswirkungen auf unsere Gesundheit und zudem auch als klimaschädlich. In dem Forschungsprojekt untersucht die Technische Universität Braunschweig die zeitliche und räumliche Feinstaubbelastung und ihre Dynamik an der Forschungskreuzung am Braunschweiger Innenstadtring (Ecke Hagenring/Rebenring) und dem angrenzenden Stadtquartier. So können Methoden zur verbesserten Beschreibung der Luftqualität in urbanen Regionen entwickelt und Maßnahmen zur Verbesserung über intelligente Verkehrsflusssteuerungen abgeleitet werden.
Stationäre und mobile Messdaten
Basierend auf skalierbaren und mobilen Luftqualitätsmesssystemen werden horizontale und vertikale Messungen zur Feinstaubbelastung und beeinflussender Umweltfaktoren durchgeführt. Neben den bereits kontinuierlichen messenden Systemen des DEUS-Konsortiums werden etwa 80 Feinstaubsensoren des Instituts für Partikeltechnik (iPAT) der TU Braunschweig die Feinstaubbelastung hochaufgelöst im Kreuzungsbereich erfassen, wobei ein Testfahrzeug der IAV, ebenfalls mit Sensoren ausgerüstet, während der Kampagne zusätzliche, mobile Messdaten liefert.
Daten dienen zur Verbesserung des Verkehrsflusses
Mit einem parallel entwickelten Simulationsframework sollen so die Feinstaubdynamik vorhergesagt und zusammen mit der Verkehrsflussmodellierung an der Forschungskreuzung effiziente Maßnahmen zur Verkehrsflusssteuerung abgeleitet werden. Die aufgenommenen und erzeugten Daten werden frei verfügbar auf öffentlich zugänglichen Plattformen, z.B. der Mobilithek, abgelegt.
Kraftfahrzeuge sind mit ihren Emissionen durch Abgase, Bremsen und Reifen ein Hauptverursacher für die Feinstaubbelastung, die zudem durch Umweltfaktoren wie Wind, Temperaturschichtung, Niederschlag etc. beeinflusst wird. Es besteht also großer Bedarf, diese Feinstaubbelastung zu erfassen und in Abhängigkeit von Verkehr und Wetter vorhersagen zu können.
Projektdaten
Das Forschungsverbundprojekt „Kombinierte Untersuchung von Feinstaub und Mobilität“ (KoFeMo) startete am 1. Juli 2024 und endet am 30. Juni 2027 und wird vom Institut für Partikeltechnik der TU Braunschweig koordiniert. Zum Projektteam gehören außerdem folgenden Einrichtungen: TU Braunschweig – Institut für Flugführung und Institut für Rechnergestützte Modellierung im Bauingenieurwesen, DLR – Institut für Verkehrssystemtechnik, IAV GmbH und DEUS-Konsortium: Füllner & Partner GmbH, Novel Sense UG, Industrieelektronik Brandenburg GmbH. Das Projekt „KoFeMo“ wird im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND mit insgesamt 2.930.803 Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert.
Über den mFUND:
Im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND fördert das BMDV (heute BMV) seit 2016 datenbasierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte für die digitale und vernetzte Mobilität der Zukunft. Die Projektförderung wird ergänzt durch eine aktive fachliche Vernetzung zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Forschung und durch die Bereitstellung von offenen Daten auf der Mobilithek. Weitere Informationen finden Sie unter www.mFUND.de.