28.10.2010 | Presseinformationen:

Heinrich-Büssing-Preis 2010: Die Preisträger

v.l.: Dr. Michael Flagmeyer, Dr. Erik Heim, Prof. Jürgen Hesselbach, Dr. Sven Simon, Dr. Oliver Nowak

v.l.: Dr. Michael Flagmeyer, Dr. Erik Heim, Prof. Jürgen Hesselbach, Dr. Sven Simon, Dr. Oliver Nowak

Dr. Michael Flagmeyer
Die Architekturen der Deutschen Arbeitsfront

In seiner in zwei Buchbänden gedruckte Dissertation von insgesamt 863 Seiten analysiert und dokumentiert Flagmeyer die Bauten der Deutschen Arbeitsfront (DAF) von 1933 bis 1944. Es wird nicht nur die Übernahme von Neoklassizismus, Teil-Moderne und Siedlungsbau am konkreten Beispiel dargelegt, sondern auch das gesamte ideologisch-politische Umfeld, die Biografien von Beteiligten und die Organisationsformen der DAF. Der zweite Band enthält eine fast detektivisch akribische Dokumentation der Aufzeichnung und Spurensuche von 50 Bauobjekten vom Siedlungsbau bis zu Ordensbürgern. Das Fazit des Architekten lautet in seiner Dissertation: „Die DAF baute nicht nach einem eigenen, ideologisch geformten Stil, sondern bediente sich selektiv historischer Vorbilder.“

„Eine Dissertation mit beeindruckender Qualität. Sie hat einen wesentlichen Beitrag zur NS-Forschung in der Architekturgeschichte geliefert und hat eine gravierende Lücke geschlossen“, lobt Prof. Karin Wilhelm, Institut für Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Braunschweig, ihren Doktoranden.

Thema der Dissertation: „Die Architekturen der Deutschen Arbeitsfront – Eine nationalsozialistische Kontrollorganisation als Planungsinstrument“

Zur Person: Michael Flagmeyer hat an der Bauhaus-Universität-Weimar Architektur studiert und arbeitet als freischaffender Architekt und Geschäftsführer eines Büros für visuelle Kommunikation in Nordhausen. Er hat die Dissertation als Externer, als freischaffender Architekt erstellt.

 

Dr. Erik Heim
Laborgerät für die Anwendung von magnetischen Nanopartikeln in der Medizin

Magnetische Nanopartikel werden in den Bereichen der Medizin und Biotechnologie eingesetzt. Die bekanntesten Anwendungen sind der Einsatz als Kontrastmittel in der Kernspintomografie und zur Separation und Aufreinigung von Biomolekülen. Für alle Anwendungen werden spezialisierte Nanopartikel benötigt. Erik Heim entwickelte, erprobte und entwarf bis zur Praxisreife ein neues Messverfahren für den Nachweis kleinster Mengen von Biomolekülen. Das von ihm entwickelte Verfahren arbeitet im Sekundenbereich – und im Gegensatz zu Vorgängern – bei Raumtemperatur. Das Laborgerät ermöglicht die kostengünstige Qualitätssicherung und Anwendung von magnetischen Nanopartikeln in der Forschung und Industrie. Seine Arbeiten sind international stark beachtet worden.

„Herr Heim hat gezeigt, wie souverän er dieses interdisziplinäre Forschungsthema unter Beteiligung von Biologie, Chemie, Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Elektrotechnik und Physik bearbeiten kann,“ betont der Betreuer der Dissertation, Prof. Meinhard Schilling vom Institut für Elektrische Messtechnik und Grundlagen der Elektrotechnik der TU Braunschweig.

Thema der Dissertation: „Fluxgate-Magnetrelaxometrie magnetischer Nanopartikel in der Bioanalytik“

Zur Person: Erik Heim wurde in Koblenz geboren und studierte an der Universität Hamburg Physik und Betriebswirtschaftslehre. Seit 2001 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Messtechnik und Grundlagen der Elektrotechnik der TU Braunschweig und arbeitet freiberuflich in der Industrie.

 

Dr. Oliver Nowak
Kleinste Quadrate Interpolation

Oliver Nowak entwickelte ein neues numerisches Lösungsverfahren in Form finiter Differenzen für partielle Differenzialgleichungen, insbesondere 3D hyperbolischen Typus. Die gitterfreie Methode setzt für die Interpolation „bewegte“ kleinste Quadrate an. Die Methoden können in vielen Anwendungsbereichen, wie in der Chemie, in den Ingenieurwissenschaften und in der Computergrafik eingesetzt werden, und ermöglichen dort neue Lösungsverfahren.

„Die Dissertation hat brillante Ergebnisse hervorgebracht. Sie stellt in mehr als einer Hinsicht einen überaus glanzvollen Höhepunkt in der numerischen Analysis dar,“ so sein Gutachter, Prof. Thomas Sonar, Institut für Computational Mathematics der TU Braunschweig.

Titel der Dissertation: „Exakte kleinste Quadrate Interpolierende. Konvergenzresultate vom Korovkin-Typ und Anwendungen im Kontext der numerischen Approximation von Erhaltungsgleichungen“

Zur Person: Der gebürtige Helmstedter studierte an der TU Braunschweig Mathematik und Informatik. Von 2005 bis 2009 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts Computational Mathematics der TU Braunschweig und seit 2009 Postdoktorand an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

 

Dr. Sven Simon
Erkundung des Saturn-Monds Titan

Der Saturn-Mond Titan ist in mehrfacher Hinsicht ein äußerst interessantes kosmisches Objekt. Zum einen besitzt er eine dichte Atmosphäre mit hohem Stickstoffanteil, was einen Vergleich mit der Erde nahe legt, und zum andern bewegt er sich fast ausschließlich in der Magnetosphäre des Saturn und bildet durch seine Wechselwirkung mit dieser Magnetosphäre eine Submagnetosphäre aus, die ein besonderes plasma-physikalisches Weltraumlabor darstellt. Mit der 1994 gestarteten Cassini-Huygens-Mission der NASA und ESA, die Mitte 2004 den Saturn erreichte, wurde dieses Weltraumlabor für in situ Beobachtungen erschlossen. In dieses Umfeld ordnet sich die Dissertation von Sven Simon ein. Die Arbeit widmet sich der Erforschung des Wechselwirkungsprozesses von Titan mit dem von der Saturn-Magnetosphäre gebildeten umgebenden Plasma mit Methoden der Computersimulation. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde er schon sehr jung Mitglied der internationalen Cassini-Mission.

„Das von Sven Simon entwickelte Modell ist gegenwärtig das leistungsfähigste für die Simulation von Titan mit seiner hoch variablen Plasmaumgebung. Es hat ihm bereits zahlreiche internationale Anerkennung und Wertschätzung eingebracht,“ urteilt Prof. Uwe Motschmann, Institut für Theoretische Physik der TU Braunschweig.

Titel der Dissertation: “Titan´s highly variable plasma environment: A 3D hybrid simulation study“

Zur Person: Sven Simon ist in Goslar geboren und hat dort sein Abitur gemacht. Er absolvierte an der TU Braunschweig ein Doppelstudium in Physik und Mathematik. Bis 2007 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theoretische Physik der TU Braunschweig. Danach war er Post-doc an der TU Braunschweig und an der Universität Köln und ist seit 2009 Habilitand am Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität Köln.