Braunschweig präsentiert sich als innovatives Entwicklungslabor für die Luftfahrt der Zukunft
Wie sieht die Luftfahrt der Zukunft aus? Wie kann sie nachhaltiger und klimafreundlicher werden? Wie verändert unbemannte Flugtechnik unsere Zukunft und welche Rolle spielen Drohnen in der zivilen Nutzung und beim Schutz kritischer Infrastruktur? Das waren einige der Themen, mit denen sich der Innovationsstandort Braunschweig beim gestrigen Parlamentarischen Abend in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin vor über 200 geladenen Gästen präsentierte.
Im Zentrum dabei immer: Der Research Airport, ein europaweit einmaliges Cluster an Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen mit Schwerpunkt Mobilität, Luftfahrt und Energie. Neben zahlreichen Mitgliedern des Bundestags nahmen auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens an der von der Stadt Braunschweig und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Braunschweig Zukunft GmbH organisierten Veranstaltung teil.
Stellvertretend für die über 40 Institutionen und Unternehmen am Research Airport gaben das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Technische Universität Braunschweig sowie die Aerodata AG, spezialisiert auf Systeme für Flugvermessung und luftgestützte Überwachung, Einblick in aktuelle Forschungen und Entwicklungen. Dabei wurde deutlich: Mit der Fortentwicklung unbemannter Luftfahrttechnologien werden sich die Einsatzgebiete für UAS (Unmanned Aircraft Systems) unterschiedlicher Größen in den kommenden Jahren noch einmal vervielfachen. Luftfahrttechnik wird deutlich agiler und flexibler, um noch mehr Aufgaben etwa in der Beobachtung und Aufklärung an Land und auf See, beim Frachttransport, aber auch im Bereich Sicherheit und Verteidigung zu übernehmen. Diese Entwicklung bietet nicht zuletzt große wirtschaftliche Chancen.
Der Standort Braunschweig bietet mit dem Research Airport ein bereits etabliertes und europaweit hoch renommiertes Mobilitätscluster, dessen enge Verzahnung von bedeutender Luftfahrtforschung und unternehmerischer Expertise in diesem Bereich hervorragende Bedingungen für innovative Entwicklungen bietet.
Von diesem Innovationspotential zeugten die Präsentationen im Foyer der Niedersächsischen Landesvertretung. So präsentierte die TU Braunschweig mit „Clime“ ein skaliertes Model eines der Referenzflugzeuge, die sie im Exzellencluster SE2A zur nachhaltigen Luftfahrt entwickelt hat. Mithilfe dieses Versuchsflugzeuges können Flugeigenschaften der neuartigen Konfiguration gemessen werden.
Wie zukünftige Triebwerke aussehen können, zeigten die TU-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem „INFRA“-Versuchsträger. Dieses Testrig wurde in Zusammenarbeit mit dem DLR speziell für den Zweck konstruiert und gebaut, um die für alle zukünftigen Antriebe extrem wichtige aerodynamische und aeroelastische Wechselwirkung zwischen dem Triebwerkseinlauf und dem rotierenden Fan experimentell untersuchen zu können.
Das DLR demonstrierte mit seinen Exponaten zu unbemannten Luftfahrtsystemen, dem Digitalen Tower sowie dem Verkehrsflugzeug der Zukunft, wie innovative Technologien die Luftfahrt von morgen prägen werden. Im Mittelpunkt standen dabei Lösungen für eine starke, wirtschaftliche, sichere und zugleich klimaverträgliche Luftfahrt – sowohl für zivile als auch für wehrtechnische Anwendungen.
Aerodata stellte mit der AeroForce® X ein unbemanntes Luftfahrzeug für komplexe Aufklärungsmissionen vor. Das System gehört zur Klasse unbemannter Plattformen mit besonders langer Ausdauer und kann einen wesentlichen Beitrag zur technologischen Souveränität leisten, da in dieser Kategorie bislang keine marktreife europäische Lösung verfügbar ist. Der erste Prototyp soll bereits im Herbst seinen Erstflug absolvieren.
Zu Beginn des offiziellen Teils des Abends begrüßte Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum die Gäste. Es folgten Grußworte von Boris Pistorius und Daniela Behrens. Die Eröffnungskeynote hielt Klaus-Peter Willsch, Vorsitzender der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt im Deutschen Bundestag, bevor mehrere Fachvorträge folgten.
Zunächst von Dr.-Ing. Andreas Bierig, Komm. Direktor des DLR-Instituts für Flugsystemtechnik, zu „Unbemannte Systeme – Innovative Forschung für zivile und hoheitliche Anwendungen“, Prof. Dr.-Ing. Jens Friedrichs, TU Braunschweig, Sprecher des Exzellenzclusters SE²A, zu „Luftverkehr – zukunftsfähig und nachhaltig“ sowie Neset Tükenmez, Vorstandsvorsitzender der Aerodata AG, zu „Luftgestützte Aufklärung mit modernster Technologie aus Deutschland: AeroForce® X – die unbemannte Plattform der Zukunft“. Den Ausblick gaben in einer Gesprächsrunde Prof. Dr. Angela Ittel, Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig, Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR, Neset Tükenmez sowie Dr. Thorsten Kornblum.
Statements
Dr. Thorsten Kornblum, Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig: „Braunschweig ist eine der forschungsintensivsten Regionen Europas. Veranstaltungen wie diese dienen dazu, die Stärken Braunschweigs überregional sichtbar zu machen. Ich freue mich, dass die Resonanz auf den Parlamentarischen Abend auch seitens der Berliner Politik so groß ist und wir dadurch die Möglichkeit erhalten, Braunschweig bundesweit als Innovationsstandort mit maßgeblichen Zukunftsfeldern zu positionieren. Der Research Airport, ein multimodales Mobilitätscluster von internationalem Rang, bietet Antworten auf die Fragen der Zukunft. Über 3.700 Arbeitsplätze in Forschungseinrichtungen und Unternehmen sind dort mittlerweile angesiedelt. Kompetenz, Innovation und Experimentierfreude ist für jeden zu greifen, der sich vor Ort in Braunschweig informiert, was ich nur empfehlen kann.“
Prof. Dr. Angela Ittel, Präsidentin der TU Braunschweig: „Braunschweig hat, was moderne Luftfahrtforschung braucht: exzellente Wissenschaft, starke Partner und kurze Wege. Hier wird aus Nähe Tempo – und aus Kooperation Innovation. Dieses Potenzial werden wir gezielt nutzen und den Standort als Zentrum für Forschung, Erprobung und Zertifizierung weiter stärken. Genau das ist Ecoversity: Kapazitäten vernetzen, Umsetzung beschleunigen, Wettbewerbsfähigkeit sichern.“
Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR: „Unsere zielorientierte Forschung hat das gesamte Ökosystem der Luftfahrtwirtschaft und -industrie im Blick. Das DLR überführt Innovationen durch digitale und experimentelle Erprobung in hohe Reifegrade und damit direkt in die Nutzung. Wir arbeiten zudem mit unseren öffentlichen Stakeholdern zusammen und stehen als neutraler Partner für intensiven Wissensaustausch, um verlässliche, faktenbasierte Entscheidungen für eine sichere und zukunftsfähige Luftfahrt zu ermöglichen. Entscheidende Impulse dafür kommen auch von den Instituten und Einrichtungen des DLR am Standort Braunschweig.“
Neset Tükenmez, Vorstandsvorsitzender der Aerodata AG: „Regionale Ökosysteme wie der Research Airport Braunschweig leisten einen entscheidenden Beitrag zu Innovation und technologischer Entwicklung. Ihr volles Potenzial entfalten Innovationen jedoch nur, wenn die bundespolitischen Rahmenbedingungen stimmen. Gerade mittelständische Verteidigungsunternehmen sind auf Aufträge angewiesen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Damit technologisches Know-how im Land bleibt, braucht es daher eine Beschaffung, die europäische Lösungen gezielt priorisiert. Genau für solche Debatten ist der Austausch in Berlin essenziell – umso mehr freue ich mich über die positive Resonanz auf den Parlamentarischen Abend.“
Stichwort: Research Airport
Der Research Airport im Norden Braunschweigs ist eines der wichtigsten Zentren für Mobilitätsforschung in Europa. Das in dieser Form einzigartige Mobilitätscluster umfasst zahlreiche international angesehene Forschungszentren und Bundesforschungsinstitute wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Luftfahrt-Bundesamt und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sowie das Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik und das Niedersächsische Forschungszentrum für Luftfahrt. Gemeinsame Forschungsfelder verbinden: Künftige soll ein autonomes Shuttle zwischen den Einrichtungen am Research Airport verkehren.
