10.01.2014 | Presseinformationen:

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Eckart Voigts 1984+30

Prof. Dr. Eckart Voigts, Institut für Anglistik und Amerikanistik der Technischen Universität Braunschweig, hält seine Antrittsvorlesung „1984+30“ am

Mittwoch, 15. Januar 2014, um 17.00 Uhr
in der Aula, Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11, 38106 Braunschweig.

Der Vortrag analysiert die zeitgenössische Relevanz des dystopischen Klassikers Nineteen Eighty-Four (1949) von George Orwell. Nach Edward Snowdens Veröffentlichungen zur NSA und ihrem Spähprogramm Prism sowie der Affäre um das abgehörte Handy der Bundeskanzlerin hat Orwells Zukunftsvision eines totalitären Überwachungsstaates ungeahnte Aktualität erfahren. Begriffe wie ‘Big Brother is watching you’, ‘Newspeak’, ‘thoughtcrime’ oder ‘doublethink’ sind jenseits jeglicher Sprachgrenzen ohnehin seit langem zu globalen Schlagwörtern geworden. Der Vortrag wirft jedoch auch kritische Fragen zu Relevanz und Rezeptionsgeschichte von Nineteen Eighty-Four auf: Finden wir in Orwells Roman wirklich adäquate Analysen zur globalen Situation nach dem Fall der Mauer, zu den Folgen von 9/11 oder zu den drängenden ökologischen Fragen zu Beginn des 21. Jahrhunderts? Ist Nineteen Eighty-Four, Orwells Vision eines totalitären Staates, also weiterhin prägender Stichwortgeber für die dystopische Literatur oder stehen in der zeitgenössischen Anti-Utopie nicht ganz andere Fragen im Vordergrund?

Zur Person

Eckart Voigts ist seit April 2013 Professor für Anglistik/Literaturwissenschaft an der TU Braunschweig. Er promovierte 1994 an der Universität Gießen über den britischen Fernsehspielautor Dennis Potter und habilitierte sich dort 2003 mit einer Arbeit über Technikbewertung in viktorianischen Industrieromanen und Proto-Science Fiction. Von 2006 bis 2014 war er Professor für Englische Literatur­wissenschaft an der Universität Siegen. 2007 lehnte er einen Ruf auf die W3-Professur an der TU Chemnitz ab. Er ist Honorary Visiting Professor am Centre for Adaptations, DeMontfort University, Leicester, und war 2010 Leverhulme Gastprofessor an der School of Performance and Cultural Industries der University of Leeds. Weitere Gastprofessuren hatte er an den Universitäten Wien sowie Milwaukee und Madison, Wisconsin, inne. Seit 2010 ist er gewählter Präsident der Deutschen Gesellschaft für das englischsprachige Drama und Theater der Gegenwart (CDE). Er ist Co-Editor des neu gegründeten Journal of Contemporary Drama in English (JCDE, DeGruyter).

Seine Forschungs­schwerpunkte sind Inter­medialität und Adaption, Partizipationskultur und Mashup, Neovictorian Studies, Heritage Studies, Theater, Drama und Performance, sowie Literatur und Lebenswissenschaften. Zuletzt ist von ihm erschienen: Reflecting on Darwin (Mitherausgeber, Ashgate 2014), Adaptations: Performing across Media and Genres (Mitherausgeber, WVT 2009), The New Documentarism (Mitherausgeber, Sonderband ZAA 2008), Introduction to Media Studies (Uni-Wissen, Klett 2005). Ein Handbuch zur zeitgenössischen Dystopie erscheint 2014 in der Reihe WVT Handbücher (Vera und Ansgar Nünning).