18. August 2026 | Magazin:

Von der GAIN an die TU Braunschweig Ein Gespräch über Rückkehr und Perspektiven in Deutschland

Das German Academic International Network (GAIN) veranstaltet jedes Jahr eine Jobmesse für Wissenschaftler*innen in den USA. Auch dieses Jahr im August präsentiert sich die Technische Universität Braunschweig auf dem Talent Fair, in Fachforen sowie bei verschiedenen Workshops und Diskussionsrunden in San Francisco. Wir haben mit Dr. Stephan Steinke vom Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik gesprochen, der nach einigen Jahren in den USA nach Deutschland zurückgekehrt ist und nun an der TU Braunschweig forscht.

Dr. Dominik Baumgarten berät Dr. Stephan Steinke am Stand der TU Braunschweig auf der GAIN 2024. Bildnachweis: Barack Shrama/GAIN

Dr. Steinke, Sie waren von 2024 bis 2026 in den USA als Postdoc tätig. Was hat Sie bewogen, wieder nach Deutschland zurückzukehren?

Für meine Rückkehr gab es sowohl persönliche als auch berufliche Gründe. Zum einen wollte ich wieder näher bei meiner Familie sein. Zum anderen waren mir eine bessere Work-Life-Balance und verlässliche Rahmenbedingungen und Langzeitplanung für die Forschung wichtig. Auch die aktuellen politischen Entwicklungen in den USA, insbesondere die Kürzungen im Forschungsbereich, haben meine Entscheidung bestärkt.

In unserem Magazin ist ein Foto von Ihnen am Stand der TU Braunschweig auf der GAIN 2024 in San Francisco abgebildet. Welchen Eindruck hat das Angebot bei Ihnen hinterlassen, und inwiefern haben sich Ihre Erwartungen an Ihre weitere Karriere an der TU Braunschweig erfüllt?

Dr. Stephan Steinke im Gespräch mit TU Präsidentin Prof. Angela Ittel am Stand der TU Braunschweig bei der GAIN 2024. Bildnachweis: Dominik Baumgarten/TU Braunschweig

Das Gespräch am Stand der TU Braunschweig habe ich als sehr offen und aufschlussreich erlebt. Besonders hilfreich war der Überblick über die vielfältigen Unterstützungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Postdocs sowie über die jeweiligen Anlaufstellen. Dieser positive Eindruck hat sich bestätigt: Auch heute erlebe ich die TU als ein gut vernetztes Umfeld, in dem Postdocs Orientierung finden und ihre wissenschaftliche Karriere gezielt weiterentwickeln können.

Ausgehend von Ihren Erfahrungen im US-amerikanischen Wissenschaftssystem: Wie schätzen Sie die Attraktivität der deutschen Universitätslandschaft – insbesondere der TU Braunschweig – für Forschende aus den USA ein?

Die deutsche Universitätslandschaft ist für Forschende aus den USA aus meiner Sicht durchaus interessant. Die TU bietet sowohl Rückkehrenden als auch internationalen Forschenden viel Unterstützung, etwa beim Ankommen, bei administrativen Fragen und bei der Vernetzung. Hinzu kommen eine gute Work-Life-Balance und ein offenes, internationales Arbeitsumfeld. Diese Stärken machen die TU Braunschweig international sehr attraktiv.

Welche Empfehlungen würden Sie der TU Braunschweig geben, um sich auf Veranstaltungen wie der GAIN optimal zu präsentieren und junge Forschende in den USA von einem Wechsel nach Braunschweig zu überzeugen?

Viele Postdocs in den USA beschäftigen sich früh mit der Frage, wie sie ihre Forschungsergebnisse und Ideen über Spin-offs oder Spin-outs in die Anwendung bringen können. Auf Veranstaltungen wie der GAIN könnte die TU Braunschweig deshalb ihre Angebote zu Transfer, Gründung und Kooperation mit der Industrie noch stärker hervorheben. Zum Beispiel die Möglichkeiten im Umfeld der iTUBS. Die ausgeprägte Gründungskultur ist aus meiner Sicht eine besondere Stärke des US-amerikanischen Wissenschaftssystems. Auch in Deutschland und Europa sollten wir Strukturen weiter ausbauen, die den Weg von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu marktfähigen Produkten und Anwendungen erleichtern. Damit kann die TU gerade für international orientierte Nachwuchsforschende ein starkes Signal setzen.

Wenn Sie Ihren ehemaligen Kolleg*innen in den USA von Ihrer heutigen Arbeits- und Forschungsumgebung in Braunschweig berichten, welche Aspekte heben Sie besonders hervor?

Wenn ich mich mit meinen ehemaligen Kollegen unterhalte, hebe ich vor allem die gute Work-Life-Balance, die verlässlichen Arbeitsbedingungen, gerade in Bezug auf Kinderbetreuung und die deutlich mehr als 15 Urlaubstage hervor. Ebenso wichtig ist mir das inklusive und vielfältige Arbeitsumfeld. An der TU Braunschweig erlebe ich, dass unterschiedliche Perspektiven willkommen sind und alle die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Meiner Meinung nach, schafft das sehr gute Voraussetzungen für gemeinsames Forschen und Arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch.