30.08.2018 | Magazin:

Vom Windkanal zum Mond und zurück in die Forschungswohnung Europaministerin Birgit Honé startet Sommerreise in Braunschweig

Der Auftakt für ihre Sommerreise durch das Land Niedersachsen war der Forschungsflughafen in Braunschweig. Birgit Honé, niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und regionale Entwicklung, besuchte am 28. August 2018 zunächst das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Niedersächsische Forschungszentrum für Luftfahrt (NFL). Die Ministerin beendete den Tag in Braunschweig mit einem Besuch der Forschungswohnungen.

Ministerin Birgit Honé im Tower-Simulator des DLR. Bildnachweis: Marisol Glasserman/TU Braunschweig

Der Forschungsflughafen im Norden der Stadt ist seit der Gründung 2006 zu einem der wichtigsten Mobilitätscluster Europas gewachsen. Mehr als 40 Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt sowie der Verkehrstechnik haben sich hier neben Forschungseinrichtungen angesiedelt – für Ministerin Honé ein „Idealtypus von Forschung und Anwendung“.

Das DLR zeigte, wie Bauteile für Leichtbaustrukturen im Flug- als auch im Fahrzeugbau kosteneffektiv in Serie umsetzbar sind, und stellte im Projekt „Lilly“ einen neuen Tragschrauber vor. Im Tower-Simulator und Tower-Lab  konnte sich Frau Honé von Lotsenarbeitsplätzen überzeugen, an denen Assistenz- und Automatisierungssysteme getestet werden.

Leisere und sparsamere Flugantriebe

Die nächste Station der Ministerin war das Niedersächsische Forschungszentrum für Luftfahrt (NFL), das die luft- und raumfahrttechnischen Institute der TU Braunschweig, des DLR und der Leibniz Universität Hannover unter einem Dach vereint. Eine Attraktion war der europaweit einzigartige sogenannte Propulsor-Prüfstand. Dieser dient der Erforschung von Flugantriebskomponenten, die den Schub zum Fliegen erzeugen. Professor Jens Friedrichs und sein Team am Institut für Flugantriebe und Strömungsmaschinen wollen untersuchen, wie Triebwerke und Propeller der Zukunft gestaltet werden müssen, um Verbrauch und Emissionen in der Luftfahrt zu reduzieren.

Am NFL: Professor Jens Friedrichs erläutert Ministerin Honé kurz das Fubktionsprinzip des Propulsor-Prüfstands. Bildnachweis: Marisol Glasserman/TU Braunschweig

3D-Druck auf dem Mond

Am NFL: Professor Enrico Stoll stellt die Forschung an neuen Raketenantrieben und 3D-Druck auf der Mondoberfläche vor. Bildnachweis: Marisol Glasserman/TU Braunschweig

Hoch hinaus ging es dann mit Professor Enrico Stoll – ins Weltall. An seinem Institut für Raumfahrtsysteme werden zum Beispiel im Projektkonsortium „HyTech-3D“ wiederverwendbare Hybridraketentriebwerke erforscht. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Feststoff- und Flüssigantrieben, bei der die Vorteile beider Antriebsarten, aber nicht deren Nachteile kombiniert werden. So lassen sich Hybridraketen konstruieren, die kostengünstig in der Fertigung und sicher in der Handhabung sind sowie ungiftige und umweltfreundliche Treibstoffe verwenden.

Auch der Mond ist für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Forschungsgegenstand. Im Innovationsverbund „3D4Space“ wird erkundet, wie auf dem Mond befindliche Materialien zur Herstellung von Produkten genutzt werden können. Konkret soll der 3D-Druck von Mond-Habitaten mit Hilfe mobiler Rover erforscht werden.

Am NFL: Rover mit 3D-Druck-Einheit. Bildnachweis: Marisol Glasserman/TU Braunschweig

Projekt „Ambient Assisted Living“

Auf der Tagesordnung der Ministerin standen als letzte Station die „Forschungswohnungen“ in der Bochumer Straße: In sechs automatisierten Wohnungen, ausgestattet mit 600 Kleinstrechnern, werden Technologien erforscht, wie die eigene Wohnung als Gesundheitsstandort fungieren kann.

Forschungswohnung: Gemütlich und – nicht sichtbar – vollgepackt mit Technik. Bildnachweis: Marisol Glasserman/TU Braunschweig

Institute der TU Braunschweig, darunter das Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze und das Team um Dr. Harald Schrom, und die Nibelungen-Wohnbau-GmbH haben die Apartments dazu mit kaum sichtbarer, intelligenter eingebetteter Gebäudetechnik ausgestattet. Gefragt sind altersgerechte Assistenzsysteme, die zusätzlich Sicherheit und gesundheitliche Unterstützung im Alltag bieten. Dazu gehören neben intelligenter Licht-, Strom- oder Heizungssteuerung vor allem Meldesysteme und Sensorik, die die privaten vier Wände zum diagnostisch-therapeutischen Raum werden lassen.