12.12.2017 | Magazin:

Forscher entwickeln autonomen 3D-Druck für den Weltraum EFRE-Innovationsprojekt am Institut für Raumfahrtsysteme

In der Raumfahrt zählt jedes Gramm. Denn die Last, die in einer Rakete die Erdanziehung überwinden muss, bedeutet auch Kraftstoff und damit Kosten für eine Weltraummission. Warum also nicht einfach Dinge, die im Weltraum benötigt werden, auch dort herstellen? So oder ähnlich könnte die Frage gelautet haben, die der Auslöser für ein Weltraum-Projekt der besonderen Art war.

Ersatzteile aus Mondstaub

Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen versammelt Professor Enrico Stoll und sein Team vom Institut für Raumfahrtsysteme zur Lösung dieser Aufgabe. Ihre Mission ist nicht weniger als die Entwicklung eines autonomen 3D-Druck-Systems, das mit den Ressourcen vor Ort, auf dem Mond oder dem Mars, Ersatzteile oder Werkzeuge produzieren kann. Denkbar sei auch die Herstellung ganzer Wohnunterkünfte, erklärt Stefan Linke, Leiter der Arbeitsgruppe New Systems and Technologies.

Eine künstlerische Darstellung des autonomen 3D-Druck-Systems. Es wurde im Rahmen von 3D4Space von Michael Grasshoff am Institut für Transportation Design entwickelt. Bildnachweis: HBK/Michael Grasshoff

Recycling auf dem Mars

Nicht nur die Produktion, sondern auch das Recycling von Materialien beschäftigt das interdisziplinäre Team. Das EFRE-Innovationsprojekt bringt regionale Akteure der Weltraumforschung und Forschungs-Teams zusammen, die bisher noch nicht auf diesem Gebiet gearbeitet haben. Darunter Forscherinnen und Forscher vom Institut für Konstruktionstechnik und dem Institut für Partikeltechnik an der Carolo-Wilhelmina sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Transportation Design der Hochschule für Bildende Künste und dem Institut für Recycling der Ostfalia.

Niedersachsen auf der Startrampe

Für Institutsleiter Stoll ist diese Zusammensetzung ein wichtiger Faktor, um das Land Niedersachsen für zukünftige Weltraumprojekte auf die beste Startposition zu bringen. „Das Zeitalter der Raumstationen neigt sich dem Ende zu, die Zukunft werden Stationen vor Ort sein, etwa auf dem Mars oder dem Mond“, erklärt Professor Stoll. Mit 3D4Space, so Stoll abschließend, wolle das Team diesem Ziel einen Schritt näher kommen und die Ergebnisse durch Kooperationen mit der regionalen Wirtschaft auch auf der Erde in Anwendungen zu überführen, etwa in der Automobilproduktion.