26. Februar 2025 | Magazin:

TU Braunschweig und Universität von São Paulo starten gemeinsames Mastermodul zu Ernährung und Stoffwechsel

Die Technische Universität Braunschweig und die Universität von São Paulo haben ihr erstes gemeinsam genehmigtes Modul im Masterstudium gestartet. Das Modul ist ein innovatives Modell für die Weiterentwicklung der internationalen Lehre. Durch die Integration virtueller Vorlesungen, interaktiver Gruppenarbeit und praktischer Übungen bietet es eine dynamische und immersive Lernerfahrung, die die Studierenden auf eine globale wissenschaftliche Zusammenarbeit vorbereitet.

Die Idee für eine deutsch-brasilianische Zusammenarbeit in der Lehre entstand während eines Sabbaticals von Professor Jarlei Fiamoncini im Labor von Professor Karsten Hiller an der TU Braunschweig. Beide Forscher teilen eine Leidenschaft für das Verständnis der komplexen Beziehung zwischen Ernährung und Stoffwechsel. Mit Unterstützung des International Teaching Lab der TU Braunschweig im Projekthaus entwickelten sie ein strukturiertes Konzept für den Kurs. Durch die Beteiligung von Dr. Gabi Kastenmüller, einer renommierten Systemstoffwechsel-Expertin am Helmholtz Zentrum München wurde der Plan weiter gefestigt.

Eine internationale und interdisziplinäre Lernerfahrung

Test eines Ergospirometers. Dieses Gerät dient zur Messung des Stoffwechsels und von körperlicher Leistungsfähigkeit. Bildnachweis: Karsten Hiller/TU Braunschweig

Das englischsprachige Modul „Nutrition and Metabolism“ im Masterstudium Biologie der TU Braunschweig und im Masterprogramm Ernährungswissenschaften an der University von São Paulo soll nicht nur aktuelles Wissen über Biochemie, Stoffwechsel und Systembiologie vermitteln, sondern auch den interkulturellen Austausch zwischen brasilianischen und deutschen Studierenden fördern. „Dieser Kurs geht über die herkömmliche Lehre hinaus. Er verbindet Studierende aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichem Forschungshintergrund. Er ermutigt sie, voneinander zu lernen, während sie sich mit zentralen Themen der Ernährung und des Stoffwechsels auseinandersetzen“, sagt Professor Karsten Hiller von der TU Braunschweig.

Über einen Zeitraum von zehn Wochen nahmen die Studierenden an wöchentlichen Online-Vorlesungen zu Themen wie Ernährungsbiochemie, Stoffwechsel und Entzündungen teil. Darüber hinaus konnten die Studierenden in wöchentlichen Seminaren in internationalen Teams zusammenarbeiten, um bestimmte Themen zu erforschen und ihre Ergebnisse zu präsentieren. Der praktische Teil des Kurses fand persönlich an beiden Universitäten statt, wo die Studierenden an praktischen Experimenten teilnahmen, darunter die Messung des Sauerstoffverbrauchs und der Kohlendioxid-Produktion des Körpers über die Atemluft sowie des Blutzuckerspiegels, um die Auswirkungen des Fastens und verschiedener Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Proteine, Fette) auf den Ganzkörperstoffwechsel zu bewerten, und der Einsatz der Massenspektrometrie zur Analyse des Proteingehalts in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Proteinshakes, Quark und Blutproben.

„Studierende beider Universitäten zusammenzubringen und eine gemeinsame Lernerfahrung zu ermöglichen, war ein wichtiges Ziel dieses Projekts“, sagt Professor Jarlei Fiamoncini von der Universität von São Paulo. „Wir haben auch die kulturellen Dimensionen der Ernährung erforscht, etwa die Ernährungsgewohnheiten in Deutschland und Brasilien, und so die Perspektive der Studierenden auf die globale Ernährungswissenschaft erweitert.“

Ein Glukosesensor am Arm. Der Sensor misst kontinuierlich und in kurzen Intervallen den Zuckerwert im Gewebe. So erhält man einen Verlauf über die Zuckerdaten. Bildnachweis: Daniel Burket.

Das Modul führte die Studierenden auch in modernste Forschungsmethoden ein, darunter Metabolomik, Rückverfolgung stabiler Isotope und bioinformatische Ansätze zur Untersuchung des menschlichen Stoffwechsels.

„Dieser Kurs vermittelte den Studierenden praktische Erfahrungen in der Analyse von Stoffwechseldaten mit systembiologischen Ansätzen“, sagt Dr. Gabi Kastenmüller vom Helmholtz Zentrum München. „Zu verstehen, wie Ernährung und genetische Faktoren den Stoffwechsel auf Systemebene beeinflussen, ist entscheidend, um personalisierte Ernährungs- und Krankheitsvorbeugungsstrategien voranzutreiben.“

Herausforderungen und Anpassungsfähigkeit

Die Umsetzung eines binationalen Moduls brachte auch logistische Hürden mit sich, darunter unterschiedliche akademische Kalender und Zeitzonenverschiebungen. In der Mitte des Kurses führte etwa die Erkenntnis, dass Brasilien die Umstellung auf die Sommerzeit nicht anwendet, zu einer plötzlichen Verringerung des Zeitunterschieds zwischen São Paulo und Braunschweig um eine Stunde. „Glücklicherweise war unser Team flexibel genug, um sich anzupassen“, so Kastenmüller. „Diese Erfahrung hat uns gezeigt, wie wichtig Anpassungsfähigkeit nicht nur in der Forschung, sondern auch in der internationalen Lehrkooperation ist.

Bereicherung für Studierende

Daniel Burket, Masterstudent an der TU Braunschweig:

„Ich wünschte, es gäbe mehr Kurse wie diesen. Die Arbeit mit brasilianischen Studierenden war eine unschätzbare Erfahrung, und etwas über Ernährung und Stoffwechsel zu lernen, war nicht nur für einen Biologiestudierenden interessant, sondern hat mir auch eine andere Perspektive auf meine Essgewohnheiten und die Funktionsweise meines Körpers gegeben.“

Larissa Rodrigues, Studentin an der Universität São Paulo:

„Der Kurs war eine großartige Gelegenheit, etwas über Ernährung und Stoffwechsel aus verschiedenen Perspektiven zu lernen. Es war sogar noch bereichernder, mit ausgezeichneten Dozent*innen und Studierenden aus Deutschland in Kontakt zu kommen, was es zu einer wertvollen wissenschaftlichen und kulturellen Erfahrung machte.“

Nach diesem Erfolg sondieren die TU Braunschweig und die Universität von São Paulo weitere Möglichkeiten für gemeinsame Bildungsinitiativen.