10. September 2026 | Magazin:

Ludwig-Prandtl-Ring 2026 für Prof. Rolf Radespiel

Am 8. September wurde Professor Rolf Radespiel mit dem Ludwig-Prandtl-Ring für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der Ring ist die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) und wird für „hervorragende eigene Arbeiten in den Flugwissenschaften in all ihren Disziplinen“ vergeben.

Prof. Rolf Radespiel (m.) mit Ludwig-Prandtl-Ring 2026. Bildnachweis: DGLR/Andreas Steindl

„Im Sinne von Professor Ludwig Prandtl ist Professor Rolf Radespiel ein überlegter Stratege im nationalen und internationalen Wissenschaftssystem, der einzigartig den rigorosen Ansatz der Grundlagenforschung mit dem Blick für die ingenieurwissenschaftliche Lösung verbindet, der für die erfolgreiche Umsetzung der Forschungserkenntnisse in der Wirtschaft notwendig ist“, so Laudator Professor Wolfgang Schröder, Dekan an der RWTH Aachen.

Ludwig Prandtl (1875–1953), nach dem die Auszeichnung benannt ist, gilt als Begründer der modernen Aerodynamik und legte wesentliche Grundlagen für die Berechnung von Strömungen, den Flugzeugbau und die gesamte moderne Strömungsmechanik.

Präsidentin Angela Ittel: „Airbus, NASA, DLR, TU Braunschweig – an diesen Orten hat Rolf Radespiel einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, aerodynamische Vorgänge berechenbar und für die Auslegung zukünftiger Flug- und Raumfahrzeuge nutzbar zu machen. Seine wissenschaftliche Bedeutung geht aber weit darüber hinaus und liegt auch maßgeblich in der strategischen Wirkung: Rolf Radespiel ist es gelungen, Forschung, Großforschung, Industrie und internationale Wissenschaft konsequent miteinander zu verbinden und grundlegend zur Positionierung Braunschweigs als einen führenden Standort der Luft- und Raumfahrtforschung beigetragen. Ich gratuliere herzlich zu dieser mehr als verdienten Ehrung.“

Im Mittelpunkt seines wissenschaftlichen Lebenswerks steht die Aerodynamik als Schlüsseltechnologie für die Entwicklung effizienterer, sicherer und umweltverträglicher Luft- und Raumfahrzeuge. Seine Arbeiten verbinden grundlegende Strömungsmechanik mit anspruchsvollen Anwendungen – von Simulation und Experimenten zu komplexen Strömungszuständen und der Erforschung von Hochauftrieb und Widerstandsreduktion von Luftfahrzeugen bis hin zur Vorhersage hypersonischer Grenzschichtübergänge für den Wiedereintritt von Raumfahrzeugen.

Als langjähriger Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Vorsitzender des Niedersächsischen Forschungszentrums für Luftfahrt (NFL) hat Radespiel zugleich die Luftfahrtforschung in Braunschweig grundlegend mitgestaltet. Er war ein wichtiger Wegbereiter des Exzellenzclusters SE²A Sustainable and Energy-Efficient Aviation und setzte sich dafür ein, wissenschaftliche Spitzenforschung in konkrete Perspektiven für eine nachhaltigere Luftfahrt zu überführen.

Über den Preis

Der Ludwig-Prandtl-Ring wird von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR) einmal jährlich an eine Persönlichkeit als höchste Auszeichnung für Verdienste in den Flugwissenschaften verliehen.

Zur Person

Prof. Dr.-Ing. Rolf Radespiel promovierte nach seinem Maschinenbaustudium an der TU Braunschweig mit einer Arbeit über die Berechnung von Heckkörpern mit Triebwerkstrahl. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). In den 1980er- sowie Anfang der 1990er-Jahre war er mehrfach Gastwissenschaftler bei der NASA und erbrachte besondere Leistungen in der Entwicklung der numerischen Strömungssimulation. Ab 1990 leitete er im DLR die Forschungsabteilungen für Raumfahrtaerothermodynamik und für Hochgeschwindigkeitsflugzeuge. Von 1996 bis 1997 arbeitete er bei Daimler-Benz Aerospace Airbus in der Technologiebewertung.

Im Jahr 2000 folgte er dem Ruf der TU Braunschweig an und übernahm die Leitung des Instituts für Strömungsmechanik. Seine Forschungsgebiete umfassen den aerodynamischen Entwurf und Optimierung, Hochauftrieb, Widerstandsreduktion, Strömungskontrolle sowie Modellbildung für die Simulation turbulenter und transitioneller Strömungen. Prof. Radespiel war Sprecher der DFG-Forschergruppe „Simulation des Überziehens von Tragflügeln und Triebwerksgondeln“ und des Sonderforschungsbereichs „Grundlagen des Hochauftriebs künftiger Verkehrsflugzeuge“.

Als Vorsitzender des Vorstands des Niedersächsischen Forschungszentrums für Luftfahrt (NFL) vertrat er grundlegende Forschungsverbünde zur Luft- und Raumfahrttechnik in Braunschweig. Er trieb die Kooperation mit der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Delft voran, der größten Fakultät ihrer Art in Europa, und war einer der Wegbereiter des Exzellenzclusters „Sustainable and Energy-Efficient Aviation – SE²A“, das wissenschaftliche Grundlagen für die notwendige Transformation des Luftverkehrs schafft. Ziel seiner Forschung und seines Engagements war es, die Umweltauswirkungen des Luftverkehrs durch den Einsatz nachhaltiger Energieträger und dafür optimierter Flugzeuge drastisch zu reduzieren, den Luftverkehr sicherer zu machen und somit den Menschen langfristig die Nutzung von Fernverkehrsmitteln zu ermöglichen.

Für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2013 das niedersächsische Verdienstkreuz und 2020 den Excellence Award des Applied Vehicle Technology Panel (AVT) der transatlantischen Science and Technology Organization. 2025 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Stuttgart verliehen. Mit dieser Auszeichnung wurden seine umfassende Forschung, den Luftverkehr effizienter, leiser, sicherer und umweltverträglicher zu gestalten, sowie sein internationales Renommee und sein gesellschaftliches Engagement gewürdigt.