13.12.2017 | Magazin:

Eine Kombizange der optischen Linsenmessung Dr.-Ing. Siegfried Werth-Stiftung zeichnet Dr. Marc Fischer aus

Am 22. November 2017 erhielt Dr. Marc Fischer für seine Doktorarbeit über ein „holistisches Linsenmessverfahren“ den Dr.-Ing. Siegfried Werth-Preis. Neue Wege für das Messen von Formen mit Licht erforscht der promovierte Messtechniker seit rund zehn Jahren am Institut für Produktionsmesstechnik der TU Braunschweig. Er entwickelte ein Verfahren, das mehrere Messvorgänge zum Beispiel bei einer Qualitätskontrolle von Gleitsichtgläsern vereint.

Arno Fink (Vorsitzender des Kuratoriums der Dr.-Ing. Siegfried Werth Stiftung), Dr. Marc Fischer (Institut für Produktionsmesstechnik), Dr. Ralf Christoph (Geschäftsführender Gesellschafter der Fa. Werth Messtechnik GmbH), Prof. Rainer Tutsch (Institut für Produktionsmesstechnik) Foto: Anne Kirch

„Mit dem von Dr. Marc Fischer entwickelten Messverfahren können erstmals sämtliche geometrische Kenngrößen einer Linse, wie Krümmungsradien, Linsendicke, Formabweichungen, Dezentrierung und Keilfehler, in einem kombinierenden Messvorgang bestimmt werden“, hob Institutsleiter Professor Rainer Tutsch in seiner Laudatio hervor. Diese „holistische Linsenmessung“ entwickelte Dr. Marc Fischer im Rahmen eines DFG-geförderten Projekts, bei dem das für spiegelnde Oberflächen entwickelte Messverfahren der Deflektometrie auf transparente Objekte übertragen wurde.

Geometrische Muster beim Blick durch Gleitsicht-Gläser

Ein wesentliches Anwendungsbeispiel ist die Prüfung von Gleitsicht-Brillengläsern. Diese bedürfen besonders empfindlicher Messverfahren. „Im Bereich spiegelnder Oberflächen wenden wir bereits geometrisch-optische Verfahren an. Die geometrische Erfassung von transparentem und damit strahlbrechendem Glas, stellte einen neuen Anwendungsbereich dar“, sagt Fischer und ergänzt: „Derzeit sind dafür jeweils separate Messungen erforderlich, bei denen das Prüfteil mehrmals neu justiert werden muss. Die neue Technik ist darüber hinaus aber auch auf zweigeteilte, teilweise stark gebogene Linsen und optische Freiformflächen anwendbar, an denen bestehende Messverfahren versagen.“

Verzerrtes Muster beim Blick durch ein Zweistärken-Brillenglas. Foto: Marc Fischer/ TU Braunschweig

Der Wissenschaftler beobachtet mit Hilfe von Digitalkameras die Verzerrungen eines regelmäßigen Musters, welche durch die Form der Linse hervorgerufen werden. Anschließend gebe er die Ergebnisse allesamt in den „mathematischen Fleischwolf“, so Fischer. Sind die Muster in bestimmter Weise verzerrt, kann er auf die geometrische Form als Ursache zurückrechnen. Anschaulich ähnelt das Messverfahren dem Vorgehen eines Gebrauchtwagenkäufers, welcher nach optischen Verzerrungen auf der Oberfläche des Fahrzeugs sucht, da diese von Kratzern und Beulen hervorgerufen werden, ergänzt Fischer.

Zur Person

Marc Fischer studierte Maschinenbau. Er lehrt und forscht seit 2007 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Produktionsmesstechnik. Als Studiengangskoordinator für den Masterstudiengang „Messtechnik und Analytik“ arbeitet Fischer seit dem Wintersemester 2014 in der Geschäftsstelle der Fakultät für Maschinenbau. Der Gewinner des 12. Braunschweiger Science-Slams promovierte 2016 am Institut für Produktionsmesstechnik zu „Deflektometrie in Transmission – Ein neues Messverfahren zur Erfassung der Geometrie asphärischer refraktiver Optiken“.

Über den Dr.-Ing. Siegfried Werth-Preis

Die Dr.-Ing. Siegfried Werth Stiftung fördert und finanziert wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der berührungslosen dimensionalen Messtechnik. Der Preis für herausragende Dissertationen ist mit 1.500 Euro dotiert. Seit 1988 wird dieser an Nachwuchswissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der optoelektronischen Koordinatenmesstechnik und der Bildverarbeitung für die industrielle Messtechnik vergeben.