13.11.2017 | Magazin:

Förderung für bahnbrechende Pionierforschung TU Braunschweig will mehr ERC-Grants einwerben

Was sind ERC-Grants? Und wie können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dafür bewerben? Am 21. November 2017 wird dazu an der Carolo-Wilhelmina informiert. Wir haben vorab mit Andreas Hebbelmann von der Stabsstelle Forschungsservice und EU-Hochschulbüro über das Förderprogramm der Europäischen Union gesprochen.

Die ERC-Grants sind das Exzellenzformat der EU. Was bedeutet das?

Der European Research Council, der Europäische Forschungsrat, fördert mit den ERC-Grants innovative Grundlagenforschung der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Europa. Es ist das europaweite Gütesiegel für wissenschaftliche Exzellenz.

Andreas Hebbelmann. Foto: TU Braunschweig

Die Besonderheit ist, dass es im Gegensatz zu vielen anderen EU-Projekten in der Regel ein Einzelantrag ist, der von einer Wissenschaftlerin oder einem Wissenschaftler gestellt wird. Damit aber nicht genug: Es werden Projekte über fünf Jahre finanziert mit einem Finanzvolumen von 1,5 bis 2,5 Millionen Euro. Seit 2007 wurden darüber mehr als 7.000 Projekte finanziert.

Welche Forscherinnen und Forscher der TU Braunschweig haben bereits einen solchen Grant erhalten?

Wir haben bislang vier Grants nach Braunschweig holen können. So wird Professor Daniel B. Werz vom Institut für Organische Chemie über fünf Jahre durch einen mit rund 2 Millionen Euro dotierten „Consolidator Grant“ gefördert. Damit wird die Forschungsarbeit des Chemikers auf dem Gebiet der Entwicklung neuartiger Synthesemethoden unterstützt.

Professor Philip Tinnefeld vom Institut für Pysikalische und Theoretische Chemie erhielt den ERC Starting Grant, der es ihm und seinem Team ermöglichte, sogenannte Nanoantennen zu entwickeln.

Mit einem ERC Starting Researcher Grant wurde auch die Forschung von Professor Laura De Lorenzis vom Institut für Angewandte Mechanik gefördert. Sie entwickelte neue Methoden zur Modellierung und numerischen Simulation von Grenzflächen.

Außerdem wurde im Rahmen des ERC Starting Grants die Forschungsarbeit von Professor Marcus Magnor, Leiter des Instituts für Computergraphik, am Projekt „Reality CG“ unterstützt. Hier wurden neue Verfahren entwickelt, um digitale Modelle direkt von natürlichen Szenen zu erzeugen, damit die reale Welt noch realistischer im Computer abgebildet werden kann.

Wie können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen ERC-Grant bekommen?

Zunächst einmal müssen sie ein spannendes Thema haben, mit dem sie Pionierarbeit in ihrem Forschungsgebiet leisten. Eine zündende Forschungsidee und exzellente Forschung mit entsprechend aktuellen Veröffentlichungen werden natürlich vorausgesetzt.

Es gibt verschiedene Gruppen, die einen Antrag stellen können. Für Nachwuchwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler gibt es einmal die Starting Grants, zwei bis sieben Jahre nach der Promotion, und die  Consolidator Grants sieben bis zwölf Jahre nach der Promotion. Wichtig zu wissen: Kindererziehungszeiten werden angerechnet. Erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können einen Advanced oder Synergy Grant beantragen. Starting, Consolidator und Advanced Grants werden für maximal fünf, Synergy Grants für höchstens sechs Jahre vergeben.

Sie sind gerade dabei, ein ERC-Konzept vorzubereiten. Wie wird das aussehen?

Die Anzahl der ERC-Grants wird immer mehr als eine der Kennzahlen für die Exzellenz einer Hochschule wahrgenommen. Wir möchten künftig mehr ERC-Grants einwerben. Die Ausschreibungen sind in den nächsten drei Jahren mit einem größeren Budget ausgestattet als in den letzten Jahren. Das lässt auf eine höhere Bewilligungsquote hoffen.

Durch unser Konzept möchten wir die Sichtbarkeit für die Grants erhöhen. Das Konzept gliedert sich in Give Support, also Beratungsleistungen und Peer-Unterstützung, Awareness, um Aufmerksamkeit für ERC-Grants zu schaffen und Incentives für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die erfolgreich sind.