10.09.2018 | Magazin:

Ein Marketingkonzept für die Feuerwehr TU Braunschweig unterstützt mit Umfrage bei der Mitglieder-Gewinnung

Sie helfen bei schweren Autounfällen, pumpen die Keller leer bei Überschwemmungen, machen die Straße frei nach einem Sturm und löschen natürlich auch Brände. Doch was, wenn die Hilfe zu spät kommt? Weil es nicht mehr genug Helferinnen und Helfer gibt? Dem will die Freiwillige Feuerwehr Flechtorf aus der Gemeinde Lehre entgegen wirken und hat sich deshalb an das Institut für Marketing der Technischen Universität Braunschweig gewandt. Mit einer Studie will das Team herausfinden, was Menschen dazu bewegt oder davon abhält, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Auch wenn eine Ölspur beseitigt werden muss, rückt die Feuerwehr an. Bildnachweis: Freiwillige Feuerwehr Flechtorf

Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den die Freiwillige Feuerwehr Flechtorf geht. „Noch haben wir kein Problem mit aktiven Mitgliedern“, sagt Ortsbrandmeister Ralf Sprang. „Aber ich möchte mir nicht erst Gedanken machen, wenn es bereits zu spät ist.“ Immerhin 38 Feuerwehrfrauen und -männer sind für die Flechtorfer Feuerwehr im Einsatz. Bei Tagesalarm zwischen sechs und 18 Uhr kann es jedoch schon einmal knapp werden mit der Besetzung der Löschfahrzeuge. „Viele pendeln in die Städte und stehen während der Arbeitszeit nicht immer zur Verfügung“, erzählt Ralf Sprang.

Wie also kann man am besten engagierte Mitglieder für die Freiwillige Feuerwehr gewinnen? Mit dieser Frage trat der Flechtorfer Ortsbrandmeister – selbst seit 28 Jahren bei der Feuerwehr – an das Institut für Marketing. Und bekam Unterstützung von Professor Wolfgang Fritz und seinem Team.

Aus Technikinteresse zur Feuerwehr

Bereits Anfang dieses Jahres schrieb Asmir Seferovic, Student im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen-Elektrotechnik, seine Bachelor-Arbeit zum Thema. Er befragte acht Bürgerinnen und Bürger aus Flechtorf, die entweder bereits lange aktiv bei der Feuerwehr sind oder sich dagegen entschieden haben. „Die ersten Ergebnisse waren sehr aufschlussreich und haben uns dazu veranlasst, das Thema weiter zu verfolgen und wissenschaftlich zu vertiefen“, berichtet Dr. Stefanie Sohn, wissenschaftliche Assistentin am Institut für Marketing. Als zentralen Motivationsfaktor der Feuerwehr beizutreten, nannten viele der Befragten ihr Technikinteresse.

Ortsbrandmeister Ralf Sprang hat als einer der ersten an der Online-Umfrage teilgenommen. Bildnachweis: Freiwillige Feuerwehr Flechtorf

Ob dies jedoch immer ausschlaggebend ist, wird die kürzlich gestartete Online-Umfrage von Master-Studentin Gesa Lisanne Schwebig zeigen. Sie will in ihrer Forschungsarbeit, die von Stefanie Sohn und Tabea Sippel betreut wird, im Studiengang Technologie-orientiertes Management noch mehr Daten verschiedener Personengruppen sammeln und auswerten. Der Fragenkatalog soll genauere Aussagen liefern, warum sich jemand ehrenamtlich engagiert oder eben nicht. Rund 700 Männer und Frauen haben seit dem Start der Umfrage bereits daran teilgenommen. Abgefragt werden unter anderem allgemeine Motive für eine Freiwilligenarbeit, Kompetenzen und das Bild von der Feuerwehr.

Ein anderes Bild von der Feuerwehr

Und dieses Bild soll sich ändern. „Die Welt der Feuerwehr hat sich gedreht. Das ist bei vielen jedoch noch nicht angekommen“, betont Ralf Sprang. Natürlich werde auch mal gefeiert, doch stehe dies nicht im Vordergrund. 70 bis 80 Einsätze pro Jahr leistet die Freiwillige Feuerwehr Flechtorf – von der Beseitigung der Ölspur und dem Herunterholen der Katze vom Baum bis zu Türöffnungen im Notfall und Hilfe bei schweren Verkehrsunfällen auf der Autobahn. Zudem biete die Feuerwehr eine sehr gute Jugendarbeit. Auch hier haben die Flechtorfer eine Werbeaktion gestartet: Jedes zehnjährige Kind im Ort bekommt seit Jahren einen Brief mit der Einladung zum „Schnupperdienst“, der von Jugendfeuerwehr-Mitgliedern persönlich überreicht wird. „Damit wollen wir den Kindern vermitteln, dass wir sie wirklich brauchen“, so Sprang.

Zu Unfällen auf der Autobahn muss die Freiwillige Feuerwehr Flechtorf immer wieder ausrücken. Bildnachweis: Freiwillige Feuerwehr Flechtorf

Jetzt wartet er auf die Ergebnisse der Online-Umfrage, damit die Freiwillige Feuerwehr Flechtorf mit gezielten Kampagnen um neue Mitglieder werben kann. Eine erste Auswertung wird das Institut für Marketing voraussichtlich bis Mitte Oktober vorlegen. „Dann können wir Empfehlungen für geeignete Kommunikationsmaßnahmen geben, entsprechend der verschiedenen Motivgruppen“, so Stefanie Sohn. Dazu gehört auch, die Kanäle zu identifizieren, über die potenzielle neue Mitglieder angesprochen werden können – je nach Alter. „Das kann online sein, die Zeitung im Ort oder auch ein persönliches Gespräch“, erklärt Tabea Sippel. Für Ralf Sprang ein entscheidender Schritt zur Unterstützung der Freiwilligenarbeit: „Ich hoffe, dass wir daraus Konzepte ableiten können, die nicht nur uns, sondern auch vielen anderen Orts-, Gemeinde- und Kreisfeuerwehren bei der Mitgliedergewinnung helfen werden.“