Doppelter Erfolg für Architekturstudierende Leo Kraatz und Vanessa Zwinger gewinnen ersten Platz bei Wettbewerben
Gleich zwei Architekturstudierende der Technischen Universität Braunschweig konnten jetzt mit ihren Arbeiten bei Wettbewerben überzeugen. Leo Kraatz gewann den „Drawing of the Year“-Award in der Kategorie „Visualised“, bei dem mehr als 9.000 Einreichungen aus über 100 Ländern eingingen. Vanessa Zwinger setzte sich bei den Baunetz Campus Masters durch.

Mit dem Blick nach oben durch einen schmalen Innenhof wird ein monumentaler Marmorrahmen in einen ansonsten gewöhnlichen Hohlraum eingefügt. Bildnachweis: Leo Kraatz/TU Braunschweig
Die „Drawing of the Year Awards“ würdigen weltweit herausragende zeichnerische und grafische Leistungen in den Bereichen Architektur, Kunst und Design im baulichen Umfeld. In der Kategorie „Visualised“ erhielt der Student Leo Kraatz jetzt den ersten Preis.
In der Jury waren unter anderem Architekt*innen von Foster + Partners, Bjarke Ingels Group und Zaha Hadid Architects beteiligt. Die Arbeiten der Preisträger*innen werden unter anderem in einem Pocketbuch veröffentlicht und in der Ausstellung „London Creates“ gezeigt. Anschließend werden sie in Ausstellungen in New York und Sydney präsentiert. Die Visualisierung von Leo Kraatz entstand im Rahmen des Entwurfs „Città in Marmo“ am Institut für Experimentelles Entwerfen bei Professor Berthold Penkhues während eines zweiwöchigen Studienaufenthalts in Genua. Beteiligt waren auch die Studierenden Vanessa Zwinger, Marvin Schulze-Gronover und Deniz Aydogdu. Die prämierte Arbeit wurde ohne Unterstützung von KI erstellt.
Marmorrahmen in den Gassen Genuas
„Ich freue mich sehr, dass aus über 9.000 eingereichten Visualisierungen eben jene die Auszeichnung erhalten hat, die sich durch ihre besondere Zurückhaltung auszeichnet“, sagt Professor Penkhues. „Sie zeigt keine Architektur im klassischen Sinne, sondern eine beinahe unmerkliche Intervention in den Gassen Genuas, die sich sensibel in den bestehenden Stadtraum einschreibt. Gerade in dieser feinfühligen Haltung und im bewussten Umgang mit dem Genius Loci liegt ihre besondere räumliche und atmosphärische Qualität.“
Leo Kraatz untersucht die oft übersehenen Innenräume, die innerhalb des dichten städtischen Gefüges von Genua existieren. Mit dem Blick nach oben durch einen schmalen Innenhof wird ein monumentaler Marmorrahmen in einen ansonsten gewöhnlichen Hohlraum eingefügt und verwandelt so einen zweckmäßigen Raum in einen bewussten architektonischen Moment. Der Eingriff lenkt die Wahrnehmung neu aus, richtet den Blick zum Himmel und offenbart gleichzeitig die vielschichtige Beziehung zwischen Infrastruktur, häuslichem Leben und historischen Fassaden.
Durch den Kontrast zwischen der Beständigkeit des Rahmens und dem informellen Charakter des umgebenden Innenhofs untersucht die Zeichnung, wie Architektur vertraute Räume durch den einfachen Akt des Einrahmens neu definieren kann.

Leo Kraatz untersuchte die oft übersehenen Innenräume, die innerhalb des dichten städtischen Gefüges von Genua existieren. Bildnachweis: Leo Kraatz/TU Braunschweig
Vom Wasser zum Faden
Vanessa Zwinger, die am Entwurf „Città in Marmo“ ebenfalls beteiligt war, hat mit ihrer am Institut für Entwerfen und Gebäudelehre entstandenen Masterthesis „Aqua ad Filum – vom Wasser zum Faden“ den ersten Platz bei den Baunetz Campus Masters Juli/August 2026 gewonnen.
Professorin Almut Grüntuch-Ernst freut sich über den Erfolg:
„Die Rolle der Architekt*innen erfordert über die Gestaltung hinaus kreative Ideen und Moderation auf der Programmebene, um die richtigen Nutzungen, die richtigen Ideen und die richtigen Leute zu verbinden. Die Arbeit von Vanessa Zwinger zeigt eindrucksvoll, wie diese Haltung in innovativ-provokanter Weise Gestalt annehmen kann. Ihre dramaturgisch außergewöhnlich wie atmosphärisch dichte Bildsprache weckt die Neugierde für ein schwieriges Erbstück und macht sichtbar, wie es sich in ein zukunftsfähiges, produktives Szenario transformieren lässt. Es ist erfreulich und ermutigend zu sehen, dass eine solche Arbeit die verdiente Aufmerksamkeit in der interessierten, fachlichen Öffentlichkeit findet.“
In ihrem Entwurf thematisiert Vanessa die Umnutzung einer historisch belasteten Bunkeranlage zu einem Zentrum für regenerative Materialgewinnung. Der Bunker Valentin in Bremen zählt mit rund 430 Metern Länge und bis zu fünf Meter starken Stahlbetondecken zu den größten freistehenden Bunkeranlagen Europas und wird vom Relikt der nationalsozialistischen Kriegsproduktion zu einem Zentrum für regenerative Materialgewinnung transformiert. Algen aus der Weser bilden die Grundlage einer lokalen Textilproduktion, die den gesamten Prozess von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Textil sichtbar und erlebbar macht. Die bestehende Bunkerstruktur wird durch gezielte Eingriffe aktiviert und für technische Prozesse, Materialtransport und handwerkliche Produktion genutzt. Besucherwege und Produktionsabläufe werden dabei klar voneinander getrennt und über gezielte Blickbeziehungen miteinander verbunden. So entsteht eine neue, regenerative Nutzung, die den Erhalt des Gedenkortes sichert.