„Die perfekte Besetzung“ Professorin Stefanie Kroker ist neue Co-Sprecherin des Exzellenzclusters QuantumFrontiers
Professorin Stefanie Kroker übernimmt von Professor Andreas Waag die Sprecherschaft für die Technische Universität Braunschweig im Exzellenzcluster QuantumFrontiers. Der Wechsel markiert eine neue Ausrichtung der Braunschweiger Seite des Forschungsverbunds, der im Januar in seine zweite, siebenjährige Laufzeit gestartet ist. Im Doppelinterview sprechen Kroker und Waag über die Entwicklung des Forschungsschwerpunkts Metrologie, die Zusammenarbeit in standortübergreifenden Verbünden und die Ziele für die kommenden Jahre.

Professor Andreas Waag und Professorin Stefanie Kroker im Forschungszentrum LENA. Bildnachweis: Jan Hosan/TU Braunschweig
Warum gibt es jetzt einen Wechsel in der Sprecherschaft – die zweite Förderphase des Exzellenzclusters hat doch gerade erst begonnen?
Andreas Waag: Die zweite Förderphase des Exzellenzclusters hat zwar gerade erst begonnen, wir denken aber bereits jetzt darüber hinaus – also jenseits des Jahres 2032. Gerade die bei QuantumFrontiers starke Grundlagenforschung braucht diese langfristige Veranlagung und Kontinuität. Stefanie ist hier die perfekte Besetzung: international als exzellente Forscherin anerkannt – zuletzt mit einem ERC Consolidator Grant – und fachlich wie eine Brücke zwischen Braunschweig und Hannover. Beispielsweise sind die Metaspiegel ihrer Arbeitsgruppe ein Thema für die starke Hannoveraner Gravitationswellenforschung.
Stefanie Kroker: Wir haben bei der ersten Bewerbung als Exzellenzcluster vor acht Jahren bereits viele gemeinsame, standortübergreifende Themen identifiziert. Gerade in meinem Feld der integrierten Photonik und Metamaterialien gibt es viele Synergien mit den Gruppen aus der Quantenoptik. In der ersten Förderphase hatten wir die Chance, dieses Potenzial zu heben und zusammenzuwachsen. Entsprechend gehen wir jetzt als gestärktes, standortübergreifendes Team in die Zukunft.
Welche Rolle spielt Vertrauen bei der Führung wissenschaftlicher Verbünde?
Stefanie Kroker: Es schadet auf jeden Fall nicht. Als Sprecherin des Verbunds müssen die Kolleg*innen mir vertrauen können, dass ich das Gesamte voranbringen möchte statt Partikularinteressen durchzusetzen. Fehlt dieses Vertrauen, gibt es schnell Reibungsverluste – vor allem beim Wettkampf um Ressourcen. Das ist nicht nur für alle unfassbar anstrengend, sondern verschiebt auch den Fokus. Man spricht dann immer weniger über wissenschaftliche Ziele und immer mehr über die Verteilung von Geldern.
Was sind denn Ihre Ziele im Exzellenzcluster als neue Sprecherin der TU Braunschweig?
Stefanie Kroker: Mein zentrales Anliegen ist, die neuen Themen im Verbund hinreichend etablieren zu können. Gerade die neuberufenen Kolleg*innen sollen bei QuantumFrontiers gut Fuß fassen können und in Zukunft das Gesamte auf organische Art und Weise vorantragen können. Schließlich sprechen wir hier von einer strategischen Neuausrichtung, die entsprechend Früchte tragen soll.
Dazu zählt etwa die Arbeitsgruppe von unserem Alexander von Humboldt-Professor Daniel Prades zu „Ubiquitous Metrology“ – also die Fähigkeit, nicht nur unter Laborbedingungen Quantenpräzision zu nutzen, sondern reale Umweltfaktoren präzise und flächendeckend zu erfassen. Ebenso haben wir mit Oleksandr Dobrovolskiy eine zweite passgenaue Professur in der Elektrotechnik hinzugewinnen können. Oleksandrs Arbeiten zu Supraleitern liegen an der Schnittstelle zur Photonik und geben uns völlig neue Freiheitsgrade für die Kontrolle von Quantensystemen. Und schließlich startete mit Farsane Tabataba-Vakili eine neue Juniorprofessorin im Bereich der Quantenmaterialien, die gerade die renommierte Emmy-Noether-Förderung der DFG sichern konnte.
Neben strategischen Neuberufungen konnten wir zudem auch Kolleg*innen aus den anderen Fakultäten ins Exzellenzcluster einbinden. Neben Sándor Fekete für die Quantenalgorithmik ist vor allem der Forschungsbereich „Sharing Science“ in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern stark gewachsen. Auch hier möchte ich die Integration ins Cluster optimieren, sodass nicht nur die metrologisch arbeitenden Gruppen der TU Braunschweig, sondern auch die Forschung zu Erklärkompetenzen, Technikgeschichte und Narrativen den Verbund stärken.
Herr Waag, das Exzellenzcluster QuantumFrontiers ist nicht der einzige Verbund, für den Sie sprechen. Stehen noch weitere Führungswechsel an?

Das Nitride Technology Center (NTC) verstärkt die Mikroelektronik im Forschungsschwerpunkt Metrologie weiter. Bildnachweis: Jan Hosan/TU Braunschweig
Andreas Waag: Im größeren Zusammenhang sehe ich weniger eine Weitergabe, sondern eine Neuverteilung. Wir haben es als Forschungsschwerpunkt Metrologie der TU Braunschweig geschafft, viele große Verbünde mitzugestalten. Neben dem Exzellenzcluster sind hier das Quantum Valley Lower Saxony (QVLS) und das Nitride Technology Center (NTC) besonders prominent. Sowohl in der Quanten- als auch in der Mikrotechnologie haben wir dabei die nächsten Jahre viel vor. Umso wichtiger ist, dass das nicht alles von einer Person abhängt, sondern wir die Verbünde an der TU Braunschweig auf eine breite Basis stellen – auch über die Fakultäten hinweg.
Was erwarten Sie von den kommenden Jahren?
Stefanie Kroker: Wir wollen natürlich das Momentum der zweiten Förderphase nutzen und weitere neue Projekte anstoßen. Die zielgerichteten Berufungen zahlen sich hier aus und wir hoffen, diesen erfolgreichen Trend im Forschungsschwerpunkt Metrologie fortsetzen zu können. Im Detail wollen wir als ingenieurswissenschaftliche Teams mit unseren Enabling Technologies die hochempfindlichen Messungen von Zeit, Gravitation und Co. noch weiter verbessern – wir sind damit gewissermaßen dicht am Markenkern von QuantumFrontiers. Gerade die breite Anwendung von Ionenfallen in Uhren und Quantencomputern gibt uns die Möglichkeit, mit unserer Expertise für Bauelemente einen Unterschied zu machen. Gerade die Superrechner stehen vor vielen Herausforderungen, bei denen bessere Integration und Miniaturisierung zum Schlüssel werden.

Optische Technologien aus den Laboren der TU Braunschweig für Quantenpräzision. Bildnachweis: Jan Hosan/TU Braunschweig
Andreas Waag: Ganz konkret bin ich mit meiner Arbeitsgruppe auf dem langen Weg der zielgerichteten Laserentwicklung für Ionenfallen auf Basis unserer starken LED-Technologie. Wir sind hier kontinuierlich vorangekommen und wollen in der zweiten Phase von QuantumFrontiers die ersten Prototypen für hochintegrierte Laser auf den Tisch legen können, die auch für Quantenexperimente geeignet sind. Gerade hier schafft auch eine Struktur wie das NTC große Chancen. Hier können wir diese Technologien gemeinsam mit Hannover schneller und zielgerichteter entwickeln.

