Die nächste Robotik-Generation Professor Jens Lambrecht ist neuer Leiter des Instituts für Robotik und Prozessinformatik
„Robotik hat echtes, langfristige Zukunftspotenzial.“ Davon ist Professor Jens Lambrecht überzeugt. An der Technischen Universität Braunschweig will der neue Leiter des Instituts für Robotik und Prozessinformatik KI-basierte, lernfähige Systeme entwickeln. Diese können sich flexibel an ihre Umgebung anpassen und Menschen im Alltag unterstützen. Dabei verbindet Lambrecht technische Innovation mit einem klaren Blick auf den Menschen und seine Bedürfnisse. Im Interview erklärt er, woran er konkret forscht, was ihn zu einem zusätzlichen Psychologiestudium motiviert hat und was ihn seit über 20 Jahren an der Robotik fasziniert.

Professor Jens Lambrecht leitet das Institut für Robotik und Prozessinformatik. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig
Warum haben Sie sich für die TU Braunschweig entschieden?
Ich schätze die Forschungsstärke der TU Braunschweig und das klare Profil der strategischen Entwicklungsfelder. Was die TU Braunschweig dabei im Allgemeinen besonders auszeichnet, ist ihre angenehme Größe, die für mich kein Kompromiss ist, sondern ein strukturelles Merkmal, das wissenschaftliche Zusammenarbeit aktiv begünstigt. Kurze institutionelle Wege, eine persönliche Arbeitskultur und ein kollegiales Miteinander über Fachgrenzen hinweg schaffen ein Umfeld, das Forschende nicht nur fachlich, sondern auch in ihrer alltäglichen Arbeit trägt. Die TU Braunschweig ist damit ein Ort, an dem man nicht nur forscht und lehrt, sondern auch gerne arbeitet.
Mit dem Institut für Robotik und Prozessinformatik (bald voraussichtlich Institut für Kognitive Robotik) verfügt die TU Braunschweig über eines der ältesten und renommiertesten Forschungsinstitute im Bereich Robotik in Deutschland. Einen Ruf an dieses Institut zu erhalten, ist eine besondere Auszeichnung und eine, bei der man nicht lange zögert. Es ist das Ergebnis eines langen wissenschaftlichen Weges, und es erfüllt mich mit echter Freude und Vorfreude, hier anzukommen und dieses Institut weiterzuführen und weiterzuentwickeln.
Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung? Wie würden Sie Ihre Arbeit einer Person erklären, die nicht mit dem Thema vertraut ist?
Unser Institut gestaltet die Zukunft intelligenter Robotik, indem es KI-getriebene lernende Systeme entwickelt. Diese Systeme integrieren sich nahtlos in reale Umgebungen, unterstützen und stärken menschliches Wirken und Handeln und ermöglichen adaptive, verteilte Automatisierungssysteme.

Professor Jens Lambrecht mit TU-Präsidentin Prof. Angela Ittel und Professor Dirk Konietzka. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig
Was sind die Hauptforschungsbereiche und -projekte, an denen Sie an der TU Braunschweig arbeiten werden?
Wir treiben angewandtes maschinelles Lernen in der Robotik voran mit einem starken Fokus auf kontextspezifischer Anpassungsfähigkeit und menschenzentriertem Handeln robotischer Systeme. Unsere Arbeit verbindet modernste KI, verteilte Steuerungsarchitekturen und kognitive Ergonomie, um intelligente Systeme zu entwickeln, die aus Daten lernen, sich in Echtzeit anpassen und mit Menschen in komplexen Umgebungen eng zusammenarbeiten.
Durch interdisziplinäre Forschung, offene Kollaboration und skalierbare Prototypen verfolgen wir in unserer Forschung speziell die Ziele, eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern in gemeinsamen Arbeitsbereichen zu ermöglichen sowie verteilte Automatisierungssysteme zu gestalten, die robust, modular und zukunftsfähig sind. Darüber hinaus möchten wir einen entscheidenden Beitrag zu einer verantwortungsvollen digitalen Transformation in Arbeitsumgebungen und im öffentlichen Raum leisten.
Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Bereich zu forschen?
Was mich seit meinen ersten praktischen Berührungspunkten mit Robotik vor über 20 Jahren begeistert, ist die Interdisziplinarität dieser Fachrichtung. Ich habe Maschinenbau studiert, mich aber schon früh intensiv für Softwarethemen und die Mensch-Roboter-Interaktion interessiert. Ein Interesse, das mich schließlich dazu bewogen hat, mit einem zusätzlichen Psychologiestudium tiefer in das menschliche Erleben und Verhalten einzusteigen.
Jenseits des aktuellen, wohl temporären Hypes um humanoide Roboter bin ich überzeugt, dass Robotik echtes, langfristiges Zukunftspotenzial besitzt: für die Gestaltung zukünftiger Arbeitsumgebungen, für die Art, wie wir leben und miteinander interagieren. Genau deshalb reizt es mich, hier keine kurzlebigen Lösungen zu präsentieren, sondern gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft langfristige, nachhaltige Konzepte und Lösungen zu entwickeln, die wirklich Bestand haben.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten aus?
Erkennen · Planen · Handeln (abgeleitet vom klassischen Sense-Plan-Act-Paradigma der Kognitiven Robotik)