Post aus … Mumbai Informatik-Studentin Caroline Krebs berichtet aus Indien
Allgemeine Informationen
Hier lebe ich momentan:
Mumbai, Indien.
Das mache ich in Mumbai:
Ich verbringe ein Auslandssemester am Indian Institute of Technology Bombay (IITB). Ich belege hier drei Informatikkurse sowie den Designkurs „Pottery for Beginners“, in dem wir lernen, mit der Töpferscheibe zu arbeiten. Außerdem besuche ich einmal pro Woche einen Hindi-Sprachkurs und lerne dabei erste Wörter sowie die Schrift.
Mein Aufenthalt dauert insgesamt:
Er dauert fünf Monate und findet im Rahmen eines Austauschprogramms der TU Braunschweig statt.
Darum habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt entschieden:
Ich wollte bewusst ein Umfeld außerhalb der „westlichen Komfortzone“ erleben. Indien bietet eine völlig andere kulturelle Perspektive, gleichzeitig erleichtert die weit verbreitete Nutzung von Englisch den Einstieg und den Austausch vor Ort sehr.
Leben vor Ort
So wohne ich in Mumbai:
Ich wohne auf dem Campus – in einem neu gebauten Hostel in einem Einzelzimmer. Die Hostels sind nach Geschlechtern getrennt. Aber wir teilen uns mit zwei Männer-Hostels eine Mensa. Dort gibt es alle Mahlzeiten sowie einen Nachmittagssnack.
Allgemein ist der Campus wie eine kleine Stadt aufgebaut. Neben den Studierenden wohnen auch die Professor*innen und weitere Mitarbeiter*innen auf dem Campus. Es gibt neben den Mensen auch mehrere Cafeterien, ein Restaurant und auch mehrere kleine Läden. Besonders beeindruckend ist die Naturvielfalt innerhalb des umzäunten Campusgeländes. Es gibt hier freilebende Hunde, Katzen und ein paar Mal konnte ich auch Affen und Papageien sehen.
Auch das Freizeitangebot ist enorm: Ich habe die Gelegenheit genutzt, für mich ungewöhnliche Aktivitäten wie Cricket, Bollywood-Tanz und morgentliches Yoga auszuprobieren. Daneben gehe ich regelmäßig im Campuspool schwimmen oder laufen. Außerdem gibt es zahlreiche Clubs und Inter-Hostel-Wettbewerbe, die das Campusleben sehr lebendig machen. Am Ende des Jahres gibt es auch zwei Festivals „Mood Indigo“ und „Techfest“.
Was unterscheidet das Studieren am IIT Bombay von dem in Deutschland?
Am IIT habe ich in allen meinen Kursen Anwesenheitspflicht. Es gibt über das Semester verteilt Tests, eine Midterm-Klausur und eine Endterm-Klausur. Wie an der TU Braunschweig gibt es auch über das Semester verteilt Abgaben – hier gehen diese aber mit in die Schlussnote ein. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Benotung nicht nur von absoluten Leistungen bestimmt wird (also z.B. einer erreichten Punktzahl), sondern von relativen Bewertungen (wie der Position im Ranking der Teilnehmenden), so dass die eigene Note auch daran hängt, wie gut die anderen sind. Insgesamt gilt das IIT als sehr anspruchsvoll und ist extrem selektiv.
Besonders typisch für mein Aufenthaltsland ist:
Es ist hier üblich, vor allem mit der Hand zu Essen. Nach kurzer Zeit konnte ich mich daran gewöhnen. Außerdem setzt man die Flasche beim Trinken nicht an.
Die Menschen in Mumbai sind sehr freundlich und hilfsbereit. Kommunikation findet oft direkter und persönlicher statt. Es ist hier deutlich verbreiteter, jemanden anzurufen als eine Nachricht zu schreiben.
Das habe ich hier in den ersten drei Tagen gelernt:
Da ich Ende Juli während des Monsuns in Mumbai angekommen bin, habe ich sehr schnell gelernt, wirklich immer meinen Regenschirm dabei zu haben.
Die bisher größte Herausforderung während meines Aufenthaltes:
Der Alltag ist stark digital organisiert. Für vieles wird eine lokale Handynummer benötigt, weshalb uns direkt zu Beginn geholfen wurde, eine SIM-Karte zu bekommen. Auch das Bezahlen läuft oft digital, weshalb es notwendig war, ein indisches Bankkonto zu eröffnen.
Eine weitere Herausforderung war das Buchen von Zugtickets: Die Website zur Account-Erstellung war durchgehend überlastet, sodass ich keinen eigenen Zugang einrichten konnte und mir Freund*innen mit einem bereits bestehenden Account ausgeholfen haben.
Das lustigste Missverständnis, das ich aufgrund von Sprachproblemen hatte:
Sprachprobleme hatte ich eigentlich nicht, da man sich gut auf Englisch verständigen kann. Auffällig sind eher Unterschiede im Wortgebrauch: Tuk-Tuks werden hier zum Beispiel „Auto“ genannt. Auch andere Begriffe wie „Brinjal“ (Aubergine) oder „Hostel“ (Studierendenwohnheim) unterscheiden sich vom gewohnten Englisch.
Gut zu wissen
Mein Geheimtipp für alle, die auch nach Mumbai reisen:
Ein Ausflug zur Global Vipassana Pagoda im Nordwesten von Mumbai lohnt sich sehr. Die Pagode ist ein beeindruckender, ruhiger Ort abseits des hektischen Stadtlebens und gehört zu den größten freitragenden Steinkuppeln der Welt. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Vipassana-Meditation und wurde gebaut, um diese Tradition zu bewahren und zu verbreiten.
Außerdem empfehle ich, eine Midnight-Fahrradtour durch Süd-Mumbai zu machen – am besten in einer Gruppe. Nachts ist die Stadt deutlich ruhiger, die Temperaturen sind angenehmer und viele bekannte Orte wirken in der Dunkelheit noch einmal ganz anders.
Diese landestypische Speise sollte man unbedingt probieren:
Alles ist richtig lecker! Es ist auch sehr einfach in Indien, vegetarisch zu essen. Da ich mich vegan ernähre, frage ich beim Essen immer nach, ob es ohne Milchprodukte zubereitet werden kann. Das klappt sehr gut. Sehr gerne esse ich Dosa, Samosa und auch Okraschoten mit Roti. Auf jeden Fall empfehle ich frische Säfte wie Mosambi und Zuckerrohr.
Welches Fettnäpfchen sollte man in Mumbai vermeiden?
In Mumbai fahren die Autos zwar mit „Meter“ (Taxameter), jedoch versuchen die Fahrer manchmal, höhere Preise zu verlangen. Diskussionen lohnen sich selten, meist ist es einfacher, direkt ein anderes Fahrzeug zu nehmen oder Uber zu nutzen.
Diesen Tipp gebe ich anderen Studierenden/Forschenden, die ins Ausland gehen möchten:
Einfach machen! Und wenn man die Zeit hat, viel reisen!