25.01.2018 | Magazin:

Brunswiek Helau! Schweißen und Sägen für den Schoduvel Motivwagen vom Institut für architekturbezogene Kunst beim Karneval

Wenn die Narren am 11. Februar beim Braunschweiger Karnevalsumzug unter dem Motto „Gleich und fröhlich, mit viel Jubel, feiert Brunswiek den Schoduvel“ durch die Straßen ziehen, wird auch ein Motivwagen der Technischen Universität Braunschweig dabei sein. Neun Studierende widmen sich dem Gefährt in einem Seminar von Professorin Folke Köbberling und Sina Heffner am Institut für Architekturbezogene Kunst.

Letzte Handgriffe am Motivwagen, der am 11. Februar durch die Stadt zieht. Foto: Sina Heffner/TU Braunschweig

Auf 4,50 Meter mal 2,50 Meter entstehen Treppen, die wie bei den Bildern von M.C. Escher ins Nichts führen. Beklebt mit Wohnungsanzeigen, Mietgesuchen und Abreißzetteln für WG-Zimmer. Nur über eine Treppe gelangt man zum Ziel: dem goldenen Wohnungsschlüssel.

Um was es auf dem Wagen geht, wird schnell klar: die Wohnungsknappheit in Braunschweig, mit der zahlreiche Studierende gerade zu Beginn ihres Studiums konfrontiert werden. Auf dieses Thema hatte sich die Seminar-Gruppe rasch geeinigt. In ihren Entwürfen hatten sich die Studentinnen und Studenten nicht nur mit dem Kampf um Wohnraum, sondern auch mit dem Druck und der Macht von sozialen Medien, mit der Abschottung gegen Urbanität und dem Ethos von Architekten auseinandergesetzt.

Der Gesellschaft den Spiegel vorhalten

„Beim Karneval geht es darum, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten“, so Sina Heffner, künstlerische wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Architekturbezogene Kunst. Welche Mittel dafür geeignet sind, sollte im Seminar erarbeitet werden – von der Idee bis zur Gestaltung eines großen skulpturalen Objekts. Deshalb wurde die große Halle im Institut für mehrere Tage zur Karnevalswerkstatt, in der geschweißt, gesägt, gezeichnet und gemalert wurde. „Es ist schon etwas anderes, wenn man etwas baut, das der Öffentlichkeit präsentiert wird“, meint der Bachelor-Student Andre Mangad, der sich in seinem Modell mit der Allmacht des Internets beschäftigt hat. Auf einem Prozessionswagen hat er einen Google-Schrein platziert. „Das Internet begleitet uns überall und ist eine Art Gottheit geworden“, beschreibt er seinen Entwurf.

Kein Platz im "home sweet home" von Mirian Haack. Foto: Bianca Loschinsky/TU Braunschweig

Der Internet-Schrein von Andre Mangad. Foto: Bianca Loschinsky/TU Braunschweig

Sieht so das Wohnen der Zukunft aus? Darüber hat sich Joachim Bauer Gedanken gemacht. Foto: Bianca Loschinsky/TU Braunschweig

Für wen bauen wir? Mit dem Ethos von Architekten hat sich Laura Nixon auseinandergesetzt. Foto: Bianca Loschinsky/TU Braunschweig

Kein Platz mehr! Der Entwurf von Ann-Kathrin Lepke für den Motivwagen. Foto: Bianca Loschinsky/TU Braunschweig

Wenn das Haus aus allen Nähten platzt. Ein Modell von Jenny Kalek. Foto: Bianca Loschinsky/TU Braunschweig

Vollkommen abgeschottet! Ein Modell von Fynn Kleen. Foto: Bianca Loschinsky/TU Braunschweig

Mit der Macht der sozialen Medien hat sich Marius Klingelbiel in seinem Modell auseinandergesetzt. Foto: Bianca Loschinsky/TU Braunschweig

Die Trophäe: Den goldenen Wohnungsschlüssel möchte jeder bekommen. Foto: Sina Heffner/TU Braunschweig

Die Idee der Architekturstudentin Nezaket Demir war schließlich Grundlage für den Motivwagen, der an zwei Wochenenden am Institut entstanden ist. Auch sie selbst musste einige Hindernisse bei der Wohnungssuche überwinden: zu hohe Mieten, sehr persönliche Fragen bei der Wohnungsbesichtigung. Der goldene Schlüssel in ihrem Entwurf symbolisiert die lang ersehnte Trophäe. „Man möchte diesen einfach nur besitzen, um ein Dach über dem Kopf zu haben“, erklärt sie.

30 Sekunden für jeden Wagen

Dass Nezaket Demir in dem Seminar von Professorin Folke Köbberling und Sina Heffner das Thema aufgreifen und beim Karnevalsumzug eine Stimme geben kann, hat die Master-Studentin besonders motiviert. Aber auch die Möglichkeit, mehr über die Geschichte der Fastnacht oder des Schoduvels, wie der Umzug in der Löwenstadt heißt, zu erfahren. Bereits im Jahr 1293 ist der Schoduvel im Braunschweiger Stadtbuch nachweisbar, einst ein Brauch, mit dem böse Geister mit Lärm und Verkleidungen verscheucht wurden. Bei jedem Umzug ist der „Scheuchteufel“ mit furchterregender Holzmaske und Filzhut ein fester Bestandteil.

Im Braunschweiger Schoduvel-Zentrum hatten sich die Studierenden zu Beginn des Seminars informiert, wie die Prunk- und Motivwagen gebaut werden. Insgesamt werden rund 140 beim längsten Karnevalsumzug Norddeutschlands durch die Stadt fahren. Deshalb muss der Wagen eine eindeutige Aussage haben. Nur rund 30 Sekunden Aufmerksamkeit widmen die Zuschauerinnen und Zuschauer jedem Fahrzeug. Deshalb aufpassen am 11. Februar: Der Wagen der Carolo-Wilhelmina hat die Startnummer 313.