28. April 2020 | Magazin:

5.600 Quadratmeter Sicherheitsabstand Nachgefragt in der Abteilung für Hydromechanik, Küsteningenieurwesen und Seebau

27 Menschen arbeiten am Leichtweiß-Institut für Wasserbau (LWI) an Hydromechanik, Küsteningenieurwesen und Seebau. Neben der Forschung in der Wasserbauhalle an der Technischen Universität Braunschweig, beteiligt sich die Abteilung am Forschungszentrum Küste (FZK) in Hannover. Im Interview spricht unser Redakteur Laurenz Kötter mit Professor Nils Goseberg, der zugleich Abteilungsleiter am LWI und Geschäftsführender Direktor am FZK ist. Ein Gespräch über die Herausforderungen einer coronabedingt digitalisierten Küstenforschung.

„Installation von Wellenpegeln im Wellenkanal für Tsunami-Versuche durch Mitarbeiter Hajo von Häfen.“
Bildnachweis: Hajo von Häfen

Herr Goseberg, wie sind Sie und ihr Team von den Maßnahmen gegen Corona betroffen?

Grundsätzlich können wir weiterarbeiten. Die Wasserbauhalle am Leichtweiß-Institut erstreckt sich über 5.600 Quadratmeter. Die technischen Mitarbeitenden für Elektrotechnik, Werkstatt und Labor haben also genügend Raum, um in der Halle Ansteckungen zu vermeiden. Die wissenschaftlichen Mitarbeitenden arbeiten im Homeoffice und nutzen derweil viele der Daten, die bis zum Notbetrieb in praktischen Laborversuchen erhoben wurden. Allerdings mussten einige Studierende ihre Laborprojekte unterbrechen, da wir coronabedingt auch einen Verdachtsfall abwarten mussten. Aber auch wenn Laborversuche weitergehen, ist gerade alles etwas langsamer. Ich persönlich verbringe momentan sehr viel mehr Zeit mit Kommunikation. Absprachen, die sonst in 30 Sekunden auf dem Flur getroffen werden, brauchen nun ein eigenes Meeting; vieles können wir aber glücklicherweise über den TU Messenger klären.

Wasserbauhalle in Braunschweig, Großer Wellenkanal in Hannover, Mitarbeitende im Homeoffice: Wie arbeiten Sie derzeit?

Ich reise momentan nicht hin und her wie sonst oft, sondern bleibe im Homeoffice. Das Team kommuniziert online, inklusive Teambesprechung und virtueller Kaffeepause im TU Messenger. Auch wenn meine heimische Datenübertragung zunächst stockte: Wir durchbrechen gerade einige Hürden in unseren Köpfen, gerade in der Online-Lehre.

Insgesamt funktioniert das Digitale sehr gut. So startete kürzlich ein EU-Kooperationsprojekt mit einem Kick-Off-Meeting, das eigentlich in Delft stattfinden sollte, virtuell: Dabei tauschten sich die fast 40 Teilnehmenden zwei Tage lang per Videokonferenz aus. Die Forschenden entwickeln Pumpspeicherkraftwerke, um die unregelmäßige Energiezufuhr der Windkraft zu speichern. Das Besondere: Die Systeme sollen in geographisch flachen Landschaften arbeiten können.

Was schränkt am stärksten ein?

Wir können zwar unsere Forschungsergebnisse austauschen und Absprachen treffen, aber das Zwischenmenschliche fehlt. Zur Kooperation gehört auch das Zusammensetzen in der Pause, über das Wissenschaftliche hinaus. Das kann auch in Zukunft nicht digital ersetzt werden. Andererseits pausieren gerade zwei Kampagnen der Feldforschung, die im Wattenmeer und an der niedersächsischen Küste stattfinden sollten. Auf Dauer kommen wir in der Küstenforschung nicht weiter, ohne die Natur mit einzubeziehen.

Vielen Dank für das Interview.