Kategorie: | Veranstaltungsgruppe:

„Es ist ein Jammer, daß diese junge Person auf so merkwürdige Abwege geraten mußte“ 22.11.2018 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

Die braunschweigische Prinzessin Elisabeth Christine Ulrike (1746 – 1840) – ein Opfer preußischer Familienpolitik

In der niedersächsischen Welfengeschichte nimmt die Überlieferung der „Prinzessin von Ahlden“ einen besonderen Platz ein. Das Drama ihrer Ehe und die lebenslange „Verbannung“ werden meist überstrahlt von der Tatsache, dass ihr geschiedener Ehemann, Kurfürst Georg Ludwig in Personalunion als König Georg I. England regierte. Fast vergessen ist ein ähnliches Ehedrama und Frauenschicksal bei den braunschweigischen Welfen und deren Familienbindungen mit Preußen. Es handelt sich um eine Tochter des Herzogspaares Carl I. und Philippine Charlotte, die 1746 in Wolfenbüttel geborene Elisabeth Christine Ulrike. Als eine Nichte des preußischen Königs Friedrichs II. wurde sie 1765 mit dem Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm II. prunkvoll in Schloß Charlottenburg verheiratet.

Nicht lange konnte das glanzvolle Äußere der politisch bestimmten Verbindung die zunehmenden privaten Probleme in der Ehe überdecken, einer Ehe, die offenbar von Anfang an durch beiderseitige menschliche Unzulänglichkeiten gefährdet war. Insbesondere die außerehelichen Frauengeschichten des Kronprinzen trugen zu einer wachsenden Ehekrise bei. Für das Scheitern der Ehe, die am 21. April 1769 geschieden wurde, wurde Elisabeth Christine Ulrike allein für schuldig befunden und erhielt als sofort zu vollziehende Strafe die Verbannung nach Stettin. Dort lebte sie ausgeschlossen aus der braunschweigischen und preußischen Familie, die sie nicht mehr wiedergesehen hat.

Hilfreich gegenüber sozial Schwachen, offen für Anliegen der Bürgerschaft in Stettin, aber auch vielfach eigenwillig in ihren Handlungen hat sich die verbannte Kronprinzessin Elisabeth Christine Ulrike von Preußen, Prinzessin von Braunschweig – Wolfenbüttel, einen fast legendären Ruf und große Beliebtheit bei der Bevölkerung Stettins geschaffen, wo sie 1840 im hohen Alter von 94 Jahren verstarb.

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

Zur Website der Veranstaltung →
Veranstaltung im Kalender speichern →