23. April 2021 | Presseinformationen:

TU Braunschweig liest gemeinsam „Leere Herzen“ Universität gewinnt bei Wettbewerb „Eine Uni – ein Buch“

Die Technische Universität Braunschweig liest. Das ist nicht ungewöhnlich für eine Hochschule. Aber demnächst lesen alle Mitglieder der Carlo Wilhelmina gemeinsam ein Buch. Und zwar Juli Zehs „Leere Herzen“. Mit ihrem Vorschlag war die Braunschweiger Universität erfolgreich bei „Eine Uni – ein Buch“, ein Wettbewerb des Stifterverbands und der Klaus Tschira Stiftung in Kooperation mit dem ZEIT Verlag. Das Projekt wird jetzt mit 10.000 Euro gefördert.

Die TU Braunschweig nimmt den Braunschweig-Roman von Juli Zeh zum Anlass, über ihre Stadt und unser Land in der nahen Zukunft nachzudenken. In ihrem Forschungsschwerpunkt „Stadt der Zukunft“, aber auch weit darüber hinaus, beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon lange mit den urbanen Räumen der Zukunft. So setzt die Universität beim Motto von Zehs Roman an, der Widmung „Da. So Seid ihr.“ Diese Frage macht sie zu ihrer Leitfrage: „Sind wir wirklich so?“

„Wir sind begeistert, dass wir mit unserem Vorschlag zu den zehn Gewinner*innen des Wettbewerbs gehören“, freut sich die kommissarische Präsidentin der TU Braunschweig, Professorin Katja Koch. „Über das Buch von Juli Zeh kann die gesamte Universität miteinander ins Gespräch kommen und die Diskussion darüber zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis werden lassen.“

Video-Lesemarathon und literarische Schnitzeljagd

Professor Eckart Voigts, der auf Anregung von Professorin Katja Koch den Bewerbungsantrag stellte, hat rund um Juli Zehs Roman drei Formate entworfen. Alle zielen vor allem auf die Verknüpfung der TU mit der Stadt Braunschweig ab. In einem Video-Lesemarathon soll die ganze Universität zunächst einmal gemeinsam den Roman lesen. Aus vielen Bruchstücken setzen die Hochschul-Angehörigen so den Roman für sich neu zusammen. Da „Leere Herzen“ in und um die Löwenstadt spielt, wird in einem Projektseminar eine App zum Thema Literaturorte Braunschweig entwickelt. Mit dieser können alle Interessierten literarische Schnitzeljagden auf den Spuren von Juli Zeh, aber auch auf denen von Wilhelm Raabe, Ricarda Huch, Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Gerstäcker und vielen anderen veranstalten.

Schließlich ist ein virtuelles Diskussionsformat nach dem Modell des literarischen Quartetts geplant, jedoch interdisziplinär und unter Beteiligung von vier TU-Professorinnen, die Juli Zehs weiblichen Blick aus verschiedenen Perspektiven beleuchten: Professorin Vanessa Carlow (Institute for Sustainable Urbanism), Professorin Anja Jakobi (Institut für Internationale Beziehungen), Professorin Ina Schaefer (Institut für Softwaretechnik und Fahrzeuginformatik) und Professorin Julia Schöll (Institut für Germanistik).

Sinnsuche in der digital technisierten Zivilisation

Professor Eckart Voigts freut sich auf all diese Formate. Obwohl oder gerade weil Zehs dystopische Satire am Beispiel der Mittelgroßstadt Braunschweig ein durchaus kritisches Sittenbild Deutschlands im Jahr 2025 entwirft, lohne sich ein Blick in den Text, sagt er. Er beschäftigt sich mit vielem, was uns derzeit umtreibt, wie Künstlicher Intelligenz, Politikverdrossenheit, Terrorismus, Stadtplanung und generell Zynismus und Sinnsuche in der digital technisierten Zivilisation des beginnenden 20. Jahrhunderts. Institutionen, Orte, und vor allem Menschen an der TU Braunschweig und in dieser starken Forschungsregion sollen auf vielfältigste Weise in die Beschäftigung mit Juli Zehs Roman eingebunden werden. „Wir, die TU Braunschweig, werden uns im kommenden Jahr aus vollem Herzen mit Juli Zehs ‚Leeren Herzen‘ beschäftigen“, so Voigts.