05.01.2011 | Presseinformationen:

Sternschnuppe statt Feuerwerk – Teil 3 von Sebastian Ehmanns Logbuch

„Weihnachten auf hoher See“ hat Freddy Quinn schon 1964 besungen. Weniger betulich hat Sebastian Ehmann die Feiertage verbracht. Heute Teil drei seines „Logbuchs“ über den Aufenthalt an Bord des Forschungsschiffs JOIDES Resolution.

„Inzwischen sind wir den 18. Tag auf hoher See und etwas ungeplant schon bei der zweiten Bohrung angekommen. Deswegen war hier an Bord ziemlich viel los, was meinen Bericht etwas verzögert hat. Aber bevor ich zu den Gründen dafür komme, will ich ein bisschen was über Weihnachten und Silvester erzählen.
Wir sind hier zwar nicht vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, haben in begrenztem Umfang Internet und Telefon, aber an einem Familienfest wie Weihnachten ist es dann doch etwas seltsam, sich auf einem Schiff mitten im Pazifik zu befinden. Man hat sich hier an Bord aber ziemlich viel Mühe gegeben, dass keine schlechte Laune aufkommt.

Wir hatten jede Menge Dekomaterialien, sogar einen kleinen Weihnachtsbaum und einen künstlichen Kamin (siehe Foto). Als Rahmenprogramm haben wir eine kleine Truppe gebildet und sind Weihnachtslieder singend und Gitarre spielend über das Schiff gezogen.

Die Arbeiten an der Bohrung haben auch an Weihnachten nicht gestoppt, also mussten die ganzen Feierlichkeiten so organisiert werden, dass jeder an Bord ein bisschen Weihnachtsgefühl abbekommen konnte.

Dazu gehörte ein grandioses Weihnachtsessen, bei dem sich die Köche richtig Mühe gegeben haben. Viele der Besatzungsmitglieder haben schon auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet, was man deutlich an den Buffets erkennen kann. Nach dem Essen wurde dann gewichtelt (mit echtem Weihnachtsmann), bevor es dann für alle wieder an die Arbeit ging.

Gefeiert haben wir übrigens am 25., also typisch amerikanisch (ich habe mir aber die Freiheit genommen, mitgebrachte Geschenke schon am 24. zu öffnen ☺ ) An Silvester hatten wir die besondere Möglichkeit, als erste weltweit das neue Jahr einzuläuten. Was wir auch, im wahrsten Sinne des Wortes gemacht haben. Pünktlich um Mitternacht wurde die Schiffsglocke vom jüngsten und vom ältesten Mitglied der Besatzung geläutet, im Anschluß gab es Snacks und eine Silvesterparty im Movie-Room. Angestoßen wurde allerdings mit Softdrinks und nicht mit Alkohol – da das Schiff eher eine Industrieanlage als ein Kreuzfahrtschiff ist, besteht absolutes Alkoholverbot. Es könnte ja jederzeit zu einem Notfall kommen und da muss man sich darauf verlassen können, dass jeder ansprechbar und einsatzbereit ist. Das hat der Feier aber nicht geschadet, sondern im Wesentlichen nur dafür gesorgt, dass man am nächsten Tag pünktlich zum Schichtbeginn aufstehen konnte ohne einen dicken Schädel mit sich herumzutragen.

Ein Feuerwerk gab es auch nicht, aber eine Sternschnuppe. Und, da die Beleuchtung etwas heruntergefahren wurde, einen klaren Südsternhimmel. Viel mehr kann man eigentlich nicht erwarten.

Am 1.1. wurde dann am Bug des Schiffes gegrillt und es gab wieder ein unendlich gutes Buffet. Davon habe ich auch ein Bild mitgeschickt. Vielleicht mache ich auch bald mal ein Bild des Fitnessraums, damit es nicht so aussieht, als ob ich den ganzen Tag nur essen würde 😉

Bei Youtube gibt es noch ein kleines Video zum neuen Jahr: http://www.youtube.com/watch?v=raqoTizrCog

Haie habe ich übrigens noch nicht  gesehen – aber ein paar Mahi Mahis (Goldmakrelen – ich finde, Mahi Mahi klingt besser) und fliegende Fische. Meine Fotos sind leider nicht sonderlich gelungen, aber auf der Facebook Seite des Schiffes gibt es ein gutes Bild (und auch weitere Bilder von der Expedition):
http://www.facebook.com/joidesresolution