16. Oktober 2026 | Presseinformationen:

Navigieren trotz Signalstörung Europäisches Forschungsprojekt präsentiert neue Lösungen für Umgebungen mit eingeschränktem Satellitenempfang

Navigationssysteme sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Doch die Technik hat eine Schwachstelle: In dicht bebauten Gebieten, in Bereichen mit starker Vegetation sowie an Orten mit physischen Hindernissen können die Signale des Globalen Navigationssatellitensystems (GNSS) blockiert oder reflektiert werden. Dies beeinträchtigt in der Regel die Ortungsgenauigkeit. Das europäische Forschungsprojekt egeniouss, an dem die Technische Universität Braunschweig beteiligt ist, hat in dreieinhalb Jahren Forschung Lösungen entwickelt, um die Genauigkeit der satellitengestützten Ortung trotz solcher Störungen zu verbessern.

Nach mehr als drei Jahren Forschung, Entwicklung und Erprobung hat das europäische Forschungsprojekt egeniouss seine wichtigsten Ergebnisse an der Technischen Universität Braunschweig vorgestellt. Mit der Abschlussveranstaltung am 15. Oktober 2026 endet ein Projekt, das neue Lösungen für eine präzisere und zuverlässigere Positionsbestimmung entwickelt hat – insbesondere dort, wo Satellitensignale nur eingeschränkt verfügbar sind.

In Städten können hohe Gebäude und andere Hindernisse Satellitensignale abschirmen oder reflektieren. Dadurch wird es für Navigationsgeräte schwieriger, ihren Standort genau zu bestimmen. egeniouss setzt hier an und kombiniert satellitengestützte Navigation mit Bildern der Umgebung und Daten verschiedener Sensoren. So stehen zusätzliche Informationen zur Positionsbestimmung zur Verfügung, wenn Satellitensignale allein nicht ausreichen.

Zu den wichtigsten Projektergebnissen gehört eine bis zu 50-fach höhere Genauigkeit bei der visuellen Lokalisierung im Vergleich zu herkömmlichen satellitengestützten Ortungsverfahren. Dies wurde in Tests unter städtischen Bedingungen nachgewiesen. Die Ergebnisse zeigen, wie sich durch die Kombination verschiedener Technologien zuverlässigere Navigationslösungen entwickeln lassen, die nicht ausschließlich von Satellitensignalen abhängig sind.

Bei der Abschlussveranstaltung demonstrierte das Konsortium die praktischen Einsatzmöglichkeiten der Technologie anhand von Anwendungen für die Fahrradnavigation und die Vermessung. Die Vorführungen zeigten, wie die Forschungsergebnisse sowohl im Alltag als auch bei professionellen Arbeiten vor Ort genutzt werden könnten.

  • Die Demonstration zur Fahrradnavigation wurde von der beemo GmbH durchgeführt. Auf einer Strecke rund um das Haus der Wissenschaft in Braunschweig kam die Navigations-App Naviki zum Einsatz, in die die egeniouss-Technologie integriert wurde. Dabei wurde veranschaulicht, wie sich die Navigation und die Aufzeichnung von Fahrradrouten in Straßen verbessern lassen könnten, in denen Gebäude den Satellitenempfang beeinträchtigen.
  • Für die Vermessungsanwendung nutzte OPENGIS.ch die mobile App QField zur Erfassung geografischer Daten. Bei einer praktischen Übung wurden zuvor festgelegte Punkte in der Umgebung lokalisiert. Die Vorführung zeigte, wie die Technologie präzise Vermessungsarbeiten, etwa bei der Kartierung oder der Instandhaltung städtischer Infrastruktur, unterstützen und den Bedarf an zusätzlicher Spezialausrüstung verringern könnte.
  • Der dritte Anwendungsfall wurde von CATUAV entwickelt und befasste sich mit dem Einsatz der Technologie für unbemannte Fluggeräte. Gerade hier ist eine präzise und kontinuierliche Positionsbestimmung für eine zuverlässige Navigation von besonderer Bedeutung.

Auch die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. In einer Podiumsdiskussion erörterten Fachleute der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), von  Cyclomedia und der Leibniz Universität Hannover, welche Voraussetzungen für den praktischen Einsatz der Technologie erfüllt sein müssen und welches Potenzial sich für weitere Bereiche wie Logistik und urbane Mobilität ergibt.

Das Projekt egeniouss wurde vom AIT Austrian Institute of Technology koordiniert und vereinte Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen aus Österreich, Deutschland, Spanien und der Schweiz. Das Gesamtbudget beträgt rund 3,4 Millionen Euro, davon stammen etwa 3 Millionen Euro aus Mitteln des EU-Forschungsprogramms Horizon Europe.

Über egeniouss

egeniouss ist ein europäisches Forschungs- und Innovationsprojekt zur Entwicklung zuverlässigerer Positionierungs- und Navigationslösungen für alltägliche und professionelle Anwendungen. Die Technologie kombiniert Satellitennavigation, Computer Vision und Daten verschiedener Sensoren, um die Positionsbestimmung in anspruchsvollen Umgebungen zu verbessern. Die Entwicklungen wurden in drei Anwendungsbereichen erprobt: Fahrradnavigation, Vermessung und Drohneneinsätze.

Unter der Koordination des AIT Austrian Institute of Technology gehören dem Konsortium die Technische Universität Braunschweig, GeoNumerics, SoftwareOne, CATUAV, das Centro Español de Logística (CEL), beemo GmbH und OPENGIS.ch an.

egeniouss wurde im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe der Europäischen Union unter Leitung der Europäischen Agentur für das Europäische Raumfahrtprogramm (EUSPA) mit der Nr. 101082128 gefördert.