18.03.2015 | Presseinformationen:

Libellen: Bioindikatoren und Inspiration für die Forschung Expertinnen und Experten aus der Libellenforschung tagen in Braunschweig

Die Technische Universität Braunschweig ist vom 20. bis zum 22. März Veranstaltungsort der 34. Jahrestagung der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen. Erwartet werden über 160 Expertinnen und Experten aus der Libellenforschung, die sich in 25 Fachvorträgen sowie einer öffentlichen Vortragsveranstaltung im Haus der Wissenschaft mit allen Aspekten der Biologie, der Ökologie, der Verbreitung und des Schutzes von Libellen beschäftigen. Unter anderem wird die Rolle der Libellen als Bioindikatoren und als Inspiration für die Technik diskutiert.

 

„Rhyothemis fenestrina“ aus Namibia

„Rhyothemis fenestrina“ aus Namibia

Die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen versammelt sich nach 25 Jahren erneut zu ihrer Jahrestagung an der Technischen Universität Braunschweig. Gastgeber ist das Institut für Geoökologie, das auf eine lange Tradition in der Libellenforschung zurückblicken kann. Das Tagungsteam um Prof. Frank Suhling von der Abteilung Umweltsystemanalyse erwartet über 160 internationale Expertinnen und Experten, die sich in verschiedenen Fachvorträgen den unterschiedlichen Aspekten der Fluginsekten widmen. „So vielfältig wie die Libellen selbst ist auch unser Tagungsprogramm, das von Fragen des Artenschutzes, über ihre Verbreitung bis hin zu dem, was sich die Technik von den Libellen abgucken kann, reicht“, erklärt Prof. Suhling.

Für die Libellenexperten, den so genannten Odonatologen, geben die Insekten unter anderem Aufschluss über den Zustand von Ökosystemen. Denn Libellen leben zwischen zwei Welten: den Still- und Fließgewässern, in denen sie sich fortpflanzen und entwickeln und ihren Landlebensräumen, wie Wiesen und Wäldern. Aufgrund ihrer Sensitivität gegenüber Umweltveränderungen werden sie von der Forschung als wichtige Bioindikatoren für den Zustand von Gewässern und Landschaften geschätzt. „Das Verschwinden bestimmter Arten und das Auftauchen wiederum anderer Arten zeigt uns oft schon sehr früh die Störung eines Ökosystems an. Deshalb ist es sehr sinnvoll eine Übersicht über die globale Verbreitung von Libellen zu schaffen“, erklärt Libellenexperte Suhling. Drei seiner Kolleginnen und Kollegen werden bei einer öffentlichen Vortragsveranstaltung im Rahmen der Tagung von ihren mitunter abenteuerlichen Expeditionen in Äthopien, Sambia und Sulawesi berichten und einen Einblick in diese Arbeit geben.

„Ophiogomphus cecilia“. Eine auf europäischer Ebene sehr streng geschützte Libelle (Fauna Flora Habitat Richtlinie), die in der Stadt Braunschweig recht häufig ist

„Ophiogomphus cecilia“. Eine auf europäischer Ebene sehr streng geschützte Libelle (Fauna Flora Habitat Richtlinie), die in der Stadt Braunschweig recht häufig ist

Die Artenvielfalt der Libellen ist auch im Hauptprogramm der Tagung ein Thema: Unter anderem berichtet der schwedische Libellenforscher Göran Sahlén über Veränderungen der Libellenfauna in schwedischen Seenlandschaften. Ein weiterer Programmpunkt wird die Nutzung der Erkenntnisse aus der Anatomie und Morphologie von Libellen für die Technik (Bionik) sein. Dazu wird sich ein Vortrag mit die Funktion von Wirbelsystemen der Libellen im Vergleich zum Überschallflugzeug „Concorde“ beschäftigen. Außerdem referiert der Braunschweiger Geoökologe Prof. Boris Schröder-Esselbach zur Vorhersage der Verbreitung von Arten mittels mathematischer Modelle.

Erstmals wird auch die neue Rote Liste der gefährdeten Libellenarten Deutschlands vorgestellt, die mithilfe so genannter „Citizen Science“ erarbeitet wurde. „Eine wichtige Grundlage der Libellenforschung ist die aktive Beteiligung von interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Die Erarbeitung der neuen Roten Liste musste völlig ohne öffentliche Förderung auskommen und wäre ohne die Bürgerbeteiligung nicht möglich gewesen“, erläutert Suhling, der unter anderem für die weltweite Rote Liste der Libellen verantwortlich ist.

 

 

Weitere Informationen

  • Die Presseinformation „Expedition Libelle – die Suche nach den »Hot Spots« der Biodiversität“ vom 17. März 2015 finden Sie hier.
  • Weitere Informationen auf der Homepage der Gesellschaft deutscher Odonatologen finden Sie hier.
  • Weitere Informationen auf der Seite zur 34. Jahrestagung der GdO finden Sie hier.

 

Kontakt

Prof. Dr. Frank Suhling
Institut für Geoökologie
Abteilung Umweltsystemanalyse
Technische Universität Braunschweig
Langer Kamp 19c
38106 Braunschweig
Tel.: 0531/391-5915
E-Mail: f.suhling@tu-braunschweig.de
www.tu-braunschweig.de/geooekologie