10.06.2013 | Presseinformationen:

Einsatz im Eis: Braunschweiger Wissenschaftler brechen in die Antarktis auf

Das MMAV bei einem Einsatz im Eis. Quelle: ILR/TU Braunschweig

Wie sieht die Atmosphäre über dem Meereis der Antarktis aus? Wie beeinflussen Risse im Eis unser Klima?

Das Forschungsschiff „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, stach am vergangenen Wochenende von Kapstadt aus in See und macht sich auf den Weg in den antarktischen Winter. Mit an Bord sind zwei wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Luft- und Raumfahrtsysteme der Technischen Universität Braunschweig, das von Prof. Peter Vörsmann geleitet wird.

Zehn Wochen lang – in den Wintermonaten Juni bis August – werden die Meteorologin Barbara Altstädter und der Ingenieur und Pilot Andreas Scholtz die Atmosphäre über dem Eis und ihre Auswirkungen auf das Klima erforschen.

In der Polarnacht erwarten sie extreme klimatische Bedingungen mit Temperaturen um minus 30 Grad Celsius. Für die Untersuchung der unteren Schicht der Atmosphäre setzen sie das meteorologisch ausgerüstete unbemannte Flugzeug MMAV (Meteorological Mini Aerial Vehicle, siehe Bilder) ein, das eine Spannweite von zwei Metern und ein Gewicht von sechs Kilogramm hat. Das Flugzeug misst mit hoher Auflösung Temperatur, Feuchte und Wind. Es wird mit einer Winde vom Eis aus gestartet und kann auch bei Kälte und Dunkelheit betrieben werden. Das Flugzeug und seine meteorologische Ausrüstung wurden an der TU Braunschweig entwickelt und gebaut. An der Vorbereitung des Einsatzes in der Antarktis, die in Kooperation mit Wissenschaftlern des AWI erfolgte, waren auch Studierende der Luft- und Raumfahrttechnik beteiligt.

Das MMAV bei einem wissenschaftlichen Messflug. Gut erkennbar ist hier die Sensorik vorn über der Flugzeug-Nase. Quelle: ILR/TU Braunschweig

Entlang der Fahrtstrecke in den Süden werden bei jedem Halt der „Polarstern“ Flüge durchgeführt, mit denen die meteorologischen Parameter in bis zu 500 Metern Höhe gemessen werden. Von besonderem Interesse sind die Auswirkungen von Rissen im Eis: Die Oberflächentemperatur von Eis wird bei etwa minus 30 Grad Celsius liegen, wohingegen offenes Meerwasser mit einer Temperatur von minus 1,6 Grad wesentlich wärmer ist. Dadurch werden Wasserdampf und Energie in die Atmosphäre transportiert. Die Reichweite dieses Phänomens soll in Abhängigkeit von der Temperaturverteilung der Atmosphäre untersucht werden.

Die Daten werden in Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut ausgewertet und für Klimamodelle eingesetzt. Bisher gibt es im antarktischen Winter kaum Messdaten, wie Temperatur, Feuchte und Wind über dem Meereis aussehen. Diese sind aber für die Verbesserung von Wetter- und Klimamodellen von großer Bedeutung.

Weitere Informationen zur Expedition gibt es hier: http://www.meereisportal.de/de/meereisexpedition/aktuelle_expedition/
Hier können Sie die Route der „Polarstern“ verfolgen: http://expedition.awi.de/home

Kontakt:

Technische Universität Braunschweig
Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme
Hermann-Blenk-Str. 23
38108 Braunschweig
www.tu-braunschweig.de/ilr

Dr. Astrid Lampert
Tel: +49 531 391 9973
E-Mail: astrid.lampert@tu-braunschweig.de

Prof. Dr.-Ing. Peter Vörsmann
Tel.: +49 531 391 9961
E-Mail: p.voersmann@tu-braunschweig.de