12. Juni 2026 | Presseinformationen:

Craig Crews mit Inhoffen-Medaille 2026 ausgezeichnet HZI und TU Braunschweig ehren Naturstoffforscher von der Yale University

Der Förderverein des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und die Technische Universität Braunschweig zeichnen Prof. Dr. Craig M. Crews (Yale University, USA) mit der Inhoffen-Medaille 2026 aus. Craig Crews gilt als Pionier innovativer therapeutischer Ansätze. Mit der Auszeichnung der Inhoffen-Medaille werden herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der organischen Chemie und der Wirkstoffforschung gewürdigt. Die Verleihung fand im Rahmen der 31. Hans Herloff Inhoffen-Vorlesung im Haus der Wissenschaft in Braunschweig am 11. Juni 2026 statt.

Die Arbeiten von Craig Crews haben neue Möglichkeiten für die Entwicklung moderner Medikamente geschaffen. Sie stellen nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der Wirkstoffforschung dar: Bislang versuchte man krankheitsrelevante Proteine zu hemmen, indem man ihre aktive Bindungstasche mit einem Wirkstoff vorübergehend blockiert. Craig Crews zeigte hingegen, wie man diese Proteine dem Abbau in der Zelle zuführt und sie damit permanent ausschaltet. Statt das Protein also nur zu blockieren, wird es gezielt zum Abbau durch die Zelle markiert.

Damit Zellen gesund bleiben, müssen beschädigte oder nicht mehr benötigte Proteine regelmäßig entfernt werden. Dafür besitzt der Körper ein eigenes „Recyclingsystem“: das sogenannte Ubiquitin-Proteasom-System (UPS). Dabei werden unerwünschte Proteine zunächst mit einer Art Markierung versehen und anschließend von der Zelle abgebaut. Die Forschung von Craig Crews erschuf einen molekularen Baukasten in Form von Proteolysis-targeting Chimeras (PROTACs), der sich dieses natürliche System zunutze macht, um krankheitsverursachende Proteine systematisch zu entfernen.

„Craig Crews hat mit seinen visionären Arbeiten die Grenzen der klassischen Wirkstoffforschung erweitert. Sein Ansatz, krankheitsrelevante Proteine gezielt dem Abbau zuzuführen, hat ein neues Forschungsfeld begründet und eröffnet vielversprechende Perspektiven für die Entwicklung innovativer Therapien. Mit der Inhoffen-Medaille ehren wir einen Forscher, dessen Ideen Wissenschaft und Medizin weltweit beeinflussen“, sagt TU-Präsidentin Angela Ittel.

Der wissenschaftliche Geschäftsführer des HZI, Josef Penninger, ergänzt: „Als Pionier der PROTAC-Technologie ist Craig Crews einer der herausragendsten Wissenschaftler und ein ideenreicher Innovationsmotor, der substanzielle Beiträge zur Gesundheitsversorgung sowie zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wertschöpfung geleistet hat. Für die Preisträger*innen der HZI-Promotionspreise ist es daher eine besondere Ehre, im Rahmen der Inhoffen-Vorlesung auf eine solche Koryphäe treffen zu dürfen.“

Verleihung von Promotionspreisen durch das HZI

Ebenfalls verliehen wurden zwei Promotionspreise durch den Förderverein des HZI an Dr. Esteban Charria-Girón (Wageningen University and Research, Wageningen) und Dr. Franziska Fries (Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS)).

Dr. Esteban Charria-Girón, ehemaliger Doktorand am HZI und derzeit Postdoktorand an der Wageningen University & Research (Niederlande), widmete sich in seiner Dissertation der Vielfalt chemischer Verbindungen, die von Pilzen der Gattung Sordariomycetes gebildet werden, und analysierte diese mit modernen Methoden der Stoffwechselanalyse. Pilze gehören zu den reichhaltigsten, aber am wenigsten erforschten Quellen bioaktiver Naturstoffe, und insbesondere seltene oder vernachlässigte Arten beherbergen chemische Eigenschaften, die bislang noch nicht erforscht wurden.

Die Arbeit von Dr. Franziska Fries am HIPS, einem Standort des HZI in Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes, charakterisiert drei innovative Antibiotikaklassen – synthetische Benzoxaborole sowie die natürlichen Corramycine und Gromomycine – hinsichtlich ihrer biologischen Aktivität sowie ihrer Wirk- und Resistenzmechanismen. Ihre Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe zur Bekämpfung resistenter Krankheitserreger.

Über die Inhoffen Vorlesung

Zum Gedenken an den 1992 verstorbenen Chemiker Hans Herloff Inhoffen veranstalten die Technische Universität Braunschweig und das HZI (damals noch: Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, kurz GBF) seit 1994 jährlich die Inhoffen-Vorlesung, bei welcher der gleichnamige Preis vergeben wird. Inhoffen setzte mit seinen Arbeiten zur Naturstoffchemie und Synthese bedeutende Impulse für die moderne Forschung. Neben der erstmaligen Synthese oral wirksamer weiblicher Sexualhormone zählen auch die Synthese von β-Carotin und Vitamin D3 zu seinen wissenschaftlichen Meilensteinen.

Inhoffen lehrte von 1946 bis 1974 an der Technischen Universität Braunschweig und amtierte dort von 1948 bis 1950 als Rektor. Er gründete darüber hinaus 1965 das „Institut für Molekulare Biologie, Biochemie und Biophysik“ (IMB), aus dem später die GBF und schließlich das heutige Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hervorgingen.