24.06.2015 | Magazin:

Zwei Niedersachsenprofessoren für die TU Braunschweig Ein Neuantrag und eine Verlängerung in der siebten Ausschreibungsrunde erfolgreich

Professor Dietmar Schomburg vom Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik ist neuer Niedersachsenprofessor an der Technischen Universität Braunschweig. Mit einem Forschungsprojekt zur Systembiologie ist er einer von landesweit vier neuen Wissenschaftlern des Programms. Erfolgreich verlängert wurde zudem die Niedersachsenprofessur von Professor Kurt Hahlweg vom Institut für Psychologie zur Bedeutung von Sprache in der Therapie.

 

Prof. Dietmar Schomburg: „Experiment und Modellierung in der Systembiologie“

Prof. Dietmar Schomburg

Prof. Dietmar Schomburg

Seit rund zehn Jahren ist in den Lebenswissenschaften mit der Systembiologie ein neuartiger Forschungsansatz entstanden, der darauf aufbaut, dass durch modernste analytische Verfahren in kurzer Zeit hunderttausende von Daten über die Zellen der Lebewesen gemessen werden können. Die umfassenden Messdaten bieten heute die Möglichkeit, mit aktuellen Methoden der Bioinformatik quantitative Modelle von der Funktion einer Zelle zu entwickeln. Nur mit Hilfe dieser Modelle können diese Daten sinnvoll interpretiert, analysiert und dazu benutzt werden, vorherzusagen, wie sich Organismen beispielsweise bei einer Infektion, bei Medikamentengabe oder im Rahmen einer biotechnologischen Produktion verhalten. Vergleichbar sind diese Verfahren mit den Simulationsmethoden von Ingenieuren, wenn sie simulieren, wie sich zum Beispiel ein Flugzeug in einer Windböe verhält.

Die geplanten Untersuchungen im Rahmen der Niedersachsenprofessur beschäftigen sich mit Methodenentwicklung und Anwendung in diesem hochaktuellen Forschungsgebiet und integrieren sich somit an zentraler Stelle in das Braunschweiger Systembiologie-Zentrum BRICS. Das gemeinsame Forschungszentrum der TU Braunschweig und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung erhält einen Neubau, dessen Bezug Ende 2015 geplant ist. Die Niedersachsenprofessur wird ab dem Wintersemester 2015/2016 bis zum Ende des Jahres 2018 aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung gefördert.

 

Prof. Dr. Kurt Hahlweg: „Voice Stress in der Therapie – Vorhersage von Behandlungsverläufen anhand stimmlicher Parameter emotionaler Erregung bei Therapeut und Patient“

Prof. em. Dr. Kurt Hahlweg

Prof. em. Dr. Kurt Hahlweg

Bei der Entstehung und Behandlung von Angststörungen und Depressionen spielt die emotionale Erregung eine bedeutende Rolle. Physiologische Erregung als Ausdruck emotionaler Erregung zeigt sich auch in der nonverbalen Kommunikation und kann über die Sprachgrundfrequenz zuverlässig, kostengünstig und mit wenig Aufwand erfasst werden. Auf individueller Ebene finden sich Unterschiede zwischen Patienten mit unterschiedlicher Psychopathologie und unterschiedlichem Schweregrad ihrer Erkrankung sowie Unterschiede zwischen Therapeuten, zum Beispiel aufgrund des vorhandenen Ausmaßes an Erfahrung. Auch auf interaktioneller Ebene sind die nonverbalen Anteile von Sprache ein bedeutsamer Parameter in der Psychotherapie: Ähnliche Muster der emotionalen Erregung von Therapeut und Patient könnten als Indikatoren für empathisches Verhalten und eine gute Therapeut-Patient-Beziehung dienen und somit einen positiven Therapieverlauf vorhersagen.

Ziele der Studie sind die Analyse von Therapieverläufen anhand der Sprachgrundfrequenz von Therapeut und Patient sowie die Verbesserungen bei der Planung und Zuweisung von Therapien durch Erkenntnisse über Prozesse der gegenseitigen Beeinflussung und Identifizierung von hilfreichem und schädlichem Ausmaß an emotionaler Erregung der Beteiligten. Die Niedersachsenprofessur wird ab dem Wintersemester 2015/2016 bis Ende des Jahres 2017 aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung weiter gefördert.

 

Zur „Niedersachsenprofessur“

Das Programm „Die Niedersachsenprofessur“ ist aus dem Programm „Die Niedersachsenprofessur – Forschung 65+“ hervorgegangen. Dieses Modell des Landes wurde 2013 neu bewertet und den neuen rechtlichen Grundlagen zur Altersgrenze von Professorinnen und Professoren (68 Jahre) angepasst. Nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fortgeschrittenen Alters haben durch das aktualisierte Programm Vorteile, sondern auch Nachwuchskräfte: Die regulären Stellen der Niedersachsenprofessoren können nach deren Ausscheiden neu ausgeschrieben werden. Niedersachsen füllt mit diesem Angebot eine Lücke des akademischen Betriebes.

(Mit Material der Presseinformation des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur vom 17. Juni 2015)

 

Weitere Informationen

  • Die Presseinformation „Siebte Runde der Niedersachsenprofessuren – acht Wissenschaftler können sich weiter ihren Forschungen widmen“ des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur vom 17. Juni 2015 finden Sie hier.
  • Weitere Informationen zum Braunschweiger Systembiologie-Zentrum BRICS finden Sie hier.
  • Die Beschreibung des Projektes „Voices Stress in der Theraphie“ auf den Seiten des Insituts für Psychologie finden Sie hier.

 

Kontakt

Prof. Dr. Dietmar Schomburg
Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik (IB³)
Abteilung Bioinformatik und Biochemie
Technische Universität Braunschweig
Langer Kamp 19B
38106 Braunschweig
Tel.: 0531/391-83001
E-Mail: bioinfo@tu-braunschweig.de
www.bibc.tu-bs.de

Prof. em. Dr. Kurt Hahlweg
Institut für Psychologie
Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik
Technische Universität Braunschweig
Humboldtstraße 33
38106 Braunschweig
Tel.: 0531 391-3623
E-Mail: k.hahlweg@tu-braunschweig.de
www.tu-braunschweig.de/psychologie