Wirksame Impfstoffe für Mensch und Tier Gastwissenschaftler*innen aus Kuba und Brasilien arbeiten am Institut für Medizinische Biotechnologie
Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler aus Lateinamerika haben in diesem Sommer ihre Projekte am Institut für Medizinische Biotechnologie begonnen. Beatriz de la Caridad Pérez Massón vom Centro de Inmunología Molecular (CIM) in Havanna arbeitet sieben Monate lang in Braunschweig, finanziert durch den DAAD. Dr. Rafael Rodrigues Rodrigues kommt von der Bundesuniversität Pelotas (UFPel) in Brasilien. Finanziert durch die renommierte Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) und den brasilianischen CAPES-Fonds wird er zwei Jahre lang als Postdoc in Braunschweig tätig sein.

Beatriz de la Caridad Pérez Massón, Rafael Rodrigues Rodrigues, Michael Hust. Foto: Abteilung Medizinische Biotechnologie
Pérez Massón hat Biochemie und Molekularbiologie an der Universität Havanna studiert und arbeitet am CIM an ihrer Doktorarbeit. Ihr Interesse gilt dem SARS-CoV-2-Spike-Protein, insbesondere der Rezeptorbindungsdomäne (RBD), die an den menschlichen ACE2-Rezeptor bindet. Die meisten Antikörper, die vom menschlichen Immunsystem nach einer Infektion oder Impfung gebildet werden, richten sich gegen die RBD. Mutationen im RBD, zum Beispiel die Mutationen in der Omikron-Variante von SARS-CoV-2, haben Einfluss auf die Wirksamkeit von Impfstoffen und therapeutischen Antikörpern. Während ihres Aufenthalts in Braunschweig beschäftigt sie sich mit RBD-Mutationen und analysiert deren Ausweichen vor der Antikörperbindung bzw. vor dem Immunsystem. Zu diesem Zweck wird sie die am Institut etablierten Phagen-Display-Technologien nutzen.
„Dies ist mein zweiter Aufenthalt in Braunschweig nach 2022. Ich freue mich, mein Promotionsprojekt unter Nutzung der kombinierten Phagen-Display-Expertise des CIM und der TU abzuschließen.“ Die Biotechnologie in Braunschweig und das CIM in Havanna pflegen eine langjährige Zusammenarbeit mit mehreren gemeinsamen Projekten und Publikationen.
Dr. Rafael Rodrigues aus Brasilien studierte Biotechnologie an der UFPel und promovierte ebenfalls im Fach Biotechnologie. Er beschäftigt sich mit Tierimpfstoffen und hat sich zum Ziel gesetzt, einen Multi-Epitop-Impfstoff gegen Clostridioides difficile (C. difficile) für Ferkel zu entwickeln. C. difficile infiziert Menschen und verursacht bei ihnen schweren und bei älteren Menschen lebensbedrohlichen Durchfall. Der Erreger löst diese Erkrankung aber auch bei Ferkeln aus, was für die Landwirte hohe wirtschaftliche Verluste zur Folge hat. Mithilfe der am Institut entwickelten ORFeome-Phagen-Display-Technologie wird Dr. Rodrigues immunogene C. difficile-Proteine identifizieren, diese biochemisch charakterisieren, die am besten geeigneten Proteine auswählen und mit der präklinischen sowie klinischen Impfstoffentwicklung beginnen.
„Ich freue mich sehr, dem Fachbereich für Medizinische Biotechnologie beizutreten und zur Entwicklung neuer Impfstoffe gegen C. difficile beizutragen. Ich freue mich darauf, meine Erfahrung in der veterinärmedizinischen Immunologie mit der Expertise des Instituts im Bereich Phagen-Display und translationaler Forschung zu verbinden“, sagte Rafael Rodrigues.
Professor Michael Hust vom Institut für Medizinische Biotechnologie: „Das Ziel unserer Abteilung ist die translationale Forschung sowie die Entwicklung Biologika, insbesondere Antikörper, aber auch Biomarker und Impfstoffe. Ich bin sehr froh, dass Beatriz und Rafael zu unserer Gruppe gestoßen sind. Ihre Forschungsarbeiten fügen sich perfekt in unsere aktuelle Forschung zu SARS-CoV-2 sowie in die Veterinär- und Impfstoffforschung ein.“