Wie MINT-Bildung für alle gelingen kann Neues Verbundprojekt zu außerschulischen MINT-Angeboten gestartet
Mehr Jugendlichen den Zugang zu qualitätsvoller MINT-Bildung ermöglichen – das ist das Ziel eines neuen Verbundprojekts der Technischen Universität Braunschweig und der Leibniz Universität Hannover. Anhand von Fallstudien untersuchen die Wissenschaftler*innen erfolgreiche Ansätze, um daraus konkrete Empfehlungen für die Praxis abzuleiten. Von der TU Braunschweig ist das Institut für Fachdidaktik der Naturwissenschaften (IFdN) an dem vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderten Projekt beteiligt.

Nicht alle Kinder haben die Möglichkeit, außerschulische MINT-Angebote zu nutzen. Bildnachweis: Silja Klemenz/TU Braunschweig
In zahlreichen außerschulischen MINT-Angeboten können Jugendliche Neues entdecken und ihre Interessen vertiefen. Doch in der Praxis nutzen längst nicht alle diese Möglichkeiten. Insbesondere junge Menschen aus bisher unterrepräsentierten Gruppen stoßen oft auf Hürden. Genau hier setzt das Projekt „Erfolgsfaktoren für Zugang, Nutzung und Qualität von MINT-Angeboten durch Fallstudien explorieren (MINT-FaSt)“ an: Es untersucht innerhalb unterschiedlicher Bildungsökosysteme, was Angebote leichter zugänglich und attraktiver macht. Mithilfe von Fallstudien, Interviews und Umfragen werden verschiedene Angebote genauer unter die Lupe genommen. So entsteht ein umfassendes Bild davon, welche Faktoren entscheidend sind, damit MINT-Angebote besser genutzt werden. Besonders im Fokus stehen dabei die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur*innen sowie flexible, gut erreichbare Lernorte.
Mobile Lernangebote für Jugendliche
Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen gestalten MINT-Lernangebote. Häufig arbeiten dabei Fachwissenschaftler*innen aus den Naturwissenschaften eng mit Personen aus dem Bildungsbereich zusammen. „Besonders gut gelingen Angebote, wenn die Zielsetzungen der Beteiligten miteinander harmonieren“, erklärt Professor Alexander Büssing, Leiter des Teilprojekts „Kulturen der Kooperation“ und Leiter der Grünen Schule Braunschweig. Zielkonflikte können gelingender Kooperation im Wege stehen, was sich auf die Zusammenarbeit zwischen schulischen und außerschulischen Akteur*innen auswirken kann.
Darüber hinaus wird der Zugang für Jugendliche oft auch dadurch erschwert, dass Angebote schwer erreichbar oder kaum sichtbar sind. Gerade mobile Formate können hier helfen. Sie bringen MINT-Lerngelegenheiten direkt zu jungen Menschen, besonders in Regionen, in denen es bislang nur wenige davon gibt. „In Braunschweig bauen wir aktuell ein mobiles Angebot mit dem LeoVan auf. Dieser kann ab Spätsommer gezielt auch solche Schulen erreichen, für die ein Besuch in Braunschweig weniger zugänglich ist“, führt Dr. Anne Geese aus, die das Teilprojekt „Zugangshürden in Angeboten durch räumliche Flexibilität verringern“ leitet. Mit dem LeibnizLab in Hannover bietet sich eine spannende Vergleichsmöglichkeit, aus der Erfolgsfaktoren mobiler Angebote abgeleitet werden können.
Auftakttreffen auf dem Campus Lehrkräftebildung Hannover
Auf dem Campus Lehrkräftebildung der Leibniz School of Education an der Leibniz Universität Hannover fand kürzlich das Auftakttreffen des Projekts statt. Hier stellten sich die jeweiligen Teilprojekte vor und vertieften den Ablauf und die gemeinsamen Ziele. Professor Sascha Schanze (Direktor der Leibniz School of Education und Professor am Institut für Didaktik der Naturwissenschaften, Leibniz Universität Hannover) gab zudem einen Einblick in die Forschungsmethodik fallbasierten Arbeitens. Helene Pachale (ebenfalls School of Education) führte Ideen zu Wissenschaftskommunikation und Transfer aus.

Projektauftakt in der Leibniz School of Education (vordere Reihe v. l. r.: Carina Pniok, Dr. Anne Geese, Helene Pachale, Marie Vahldiek; hintere Reihe v .l. r.: Dorian Thomsen, Prof. Dr. Till Bruckermann, Prof. Dr. Claudia Schomaker, Prof. Dr. Alexander Büssing, Prof. Dr. Sascha Schanze, Prof. Dr. Moritz Börnert-Ringleb. Bildnachweis: Leibniz Universität Hannover
Ausblick zur Nutzung der Projektergebnisse
Die Forschungsergebnisse sollen in den kommenden Jahren auch in die Lehrkräftebildung eingebracht werden. Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie direkt in die Praxis einfließen können – sowohl in Schulen als auch in außerschulischen Lernangeboten. So sollen langfristig mehr Jugendliche für MINT begeistert und besser erreicht werden.
Projektdaten
Das Projekt wird in der zweiten Förderlinie zu Gelingensbedingungen guter MINT-Bildung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) mit rund 850.000 Euro gefördert. Die Verbundleitung liegt bei Professor Till Bruckermann (Institut für Erziehungswissenschaft, Leibniz Universität Hannover). Darüber hinaus forschen von der Leibniz Universität Hannover Professorin Claudia Schomaker, Professor Moritz Börnert-Ringleb (beide Institut für Sonderpädagogik) und Professor Gunnar Friege (Institut für Didaktik der Mathematik und Physik) in dem Projekt. Von der TU Braunschweig sind Dr. Anne Geese und Professor Alexander Büssing (Institut für Fachdidaktik der Naturwissenschaften) mit jeweils einem Teilprojekt beteiligt.