„Verbindung von wissenschaftlicher Neugier und praktischer Wirkung“ David Quero Martín ist neuer Professor am Institut für Flugzeugbau und Leichtbau
Im August 2026 wurde David Quero Martín zum Professor für Aeroelastik an der TU Braunschweig und zum Direktor des DLR-Instituts für Aeroelastik in Göttingen berufen. 2007 kam er nach Deutschland und arbeitete zunächst an industriellen Fragestellungen der Luftfahrt. Später verband er diese Erfahrungen mit akademischer Forschung und wissenschaftlichen Tätigkeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

David Quero Martín ist neuer Professor am Institut für Flugzeugbau und Leichtbau. Bildnachweis: Silja Klemenz/TU Braunschweig
Herr Prof. Quero Martin, warum haben Sie sich für die TU Braunschweig entschieden?
Aeroelastik ist ein ausgesprochen interdisziplinäres Forschungsgebiet, in dem Aerodynamik, Strukturdynamik, Regelung und Experiment zusammenkommen. Braunschweig bietet ein außergewöhnliches Umfeld, um diese Bereiche miteinander zu verknüpfen – von der Grundlagenforschung und anspruchsvollen numerischen Simulationen bis hin zu Großversuchen und konkreten Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt. Ich freue mich darauf, diese Verbindungen weiter auszubauen und zugleich zur Ausbildung der nächsten Generation von Luft- und Raumfahrtingenieurinnen und -ingenieuren beizutragen.
Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?
Meine Forschung beschäftigt sich mit der Aeroelastik, also mit der Frage, was passiert, wenn aerodynamische Kräfte auf flexible Strukturen wirken und mit ihnen wechselwirken: Ein Flugzeugflügel wirkt auf den ersten Blick starr, tatsächlich biegt und verdreht er sich jedoch während des Fluges. Dadurch verändert sich die Umströmung des Flügels, was wiederum die auf ihn wirkenden Kräfte beeinflusst. Meist ist dieses Zusammenspiel unproblematisch und kann sogar gezielt genutzt werden. Unter bestimmten Bedingungen kann es jedoch zu unerwünschten Schwingungen oder sogar Instabilitäten wie dem sogenannten Flattern führen. Unsere Aufgabe ist es, diese Wechselwirkungen zu verstehen, vorherzusagen und zunehmend auch aktiv zu beeinflussen. Ziel ist es, Luft- und Raumfahrtsysteme sicherer, leichter und effizienter zu machen.
Mit welchen Forschungsschwerpunkten werden Sie sich an der TU Braunschweig auseinandersetzen?
Ein zentrales Thema meiner zukünftigen Forschung ist der „Aeroelastik-Integrations-Hub“. Die Idee besteht darin, Simulation, Experiment und Regelungssysteme nicht mehr nacheinander zu betrachten, sondern sie von Anfang an als zusammenhängendes System zu denken. Diese Integration kann für die Entwicklung zukünftiger Luft- und Raumfahrtsysteme sowie weiterer aeroelastischer Anwendungen sehr nützlich sein.
Ein Schwerpunkt wird auf der Vorhersage und Beeinflussung aeroelastischer Phänomene wie Flattern, Buffeting und dynamischen Lasten liegen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die engere Verknüpfung von Simulation und Experiment, beispielsweise durch Windkanal-, Boden- und Flugversuche, digitale Zwillinge und die Quantifizierung von Unsicherheiten.
Darüber hinaus möchte ich diese Methoden über konventionelle Flugzeuge hinaus auf neue Konfigurationen und Betriebsbereiche übertragen. Dazu gehören hochflexible Tragflächen, wasserstoff- und elektrisch angetriebene Flugzeuge, Hubschrauber, Propeller- und Open-Rotor-Systeme, Hochgeschwindigkeitsfluggeräte ebenso wie Anwendungen in Turbomaschinen und der Windenergie.

Prof. David Quero Martín bei seiner Ernennung mit Angela Ittel, Präsidentin der TU Braunschweig, und Prof. Jens Friedrichs, Leiter des Instituts für Flugantriebe und Strömungsmaschinen. Bildnachweis: Silja Klemenz/TU Braunschweig
Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Bereich zu forschen?
Was mich von Anfang an an der Aeroelastik fasziniert hat, ist, dass sie sich nicht aus der Perspektive nur einer einzelnen Disziplin verstehen lässt. Stationäre und instationäre Aerodynamik, Strukturdynamik und Regelungstechnik greifen ineinander. Eine Veränderung in einem Teil des Systems kann Auswirkungen auf das gesamte System haben. Genau diese Arbeit an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen hat mich schon immer besonders interessiert.
Was mich bis heute motiviert, ist die Möglichkeit, grundlegende wissenschaftliche Fragestellungen mit sehr konkreten Anwendungen zu verbinden. Methoden, die zunächst als Forschungsidee entstehen, können später tatsächlich zum Entwurf, zur Erprobung oder zur Zulassung eines realen Flugzeugs beitragen. Gerade diese Verbindung von wissenschaftlicher Neugier und praktischer Wirkung macht das Gebiet für mich so attraktiv.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten aus?
Forschung – Zusammenarbeit – Führung. Diese drei Begriffe beschreiben meinen Arbeitsalltag sehr gut: wissenschaftliche Ideen entwickeln, Menschen und Disziplinen zusammenbringen und Rahmenbedingungen schaffen, in denen Teams exzellente Forschung leisten können. In meiner neuen Funktion wird die Verbindung zwischen TU Braunschweig und DLR in allen drei Bereichen eine wichtige Rolle spielen.