13. Oktober 2026 | Magazin:

„Die Windenergie ist ein Herzensthema von mir“ Professor Clemens Hübler ist neuer Leiter des Instituts für Statik und Dynamik

Ob Windenergieanlage oder Eisenbahnbrücke – die Forschung von Professor Clemens Hübler dreht sich um die Frage, wie Infrastrukturen möglichst sicher und lange genutzt werden können. Seit 1. Oktober 2026 leitet Hübler, der zuvor Professor an der TU Darmstadt war, das Institut für Statik und Dynamik der Technischen Universität Braunschweig. Im Interview spricht er über seine Forschungsschwerpunkte, Drive-by-Monitoring und sein Herzensthema Windenergie.

Professor Clemens Hübler ist neuer Leiter des Institus für Statik und Dynamik. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Herr Professor Hübler, warum haben Sie sich für die TU Braunschweig entschieden?

Dies hat selbstverständlich vielfältige Gründe. Fachlich war der entscheidende Punkt, dass ich an der TU Braunschweig diverse Kooperationsmöglichkeiten sehe, sodass ich meine Forschungsschwerpunkte zukünftig noch stärker vernetzen kann. Es hat aber auch privat vieles für Braunschweig gesprochen, da es für mich im weiteren Sinne eine Rückkehr in die Heimat darstellt.

Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung? Wie würden Sie Ihre Arbeit einer Person erklären, die nicht mit dem Thema vertraut ist?

Es sind drei große Themenbereiche, mit denen ich mich in meiner Forschung beschäftige. Der erste Bereich ist die Lebensdauervorhersage von Windenergieanlagen. Hier geht es darum, Simulationsmodelle an Messdaten, die an den Anlagen aufgezeichnet wurden, anzupassen, um so besser prognostizieren zu können, ob die Lebensdauer von beispielsweise 25 Jahren erreicht oder sogar verlängert werden kann. Der zweite Bereich ist die Strukturüberwachung von Eisenbahnbrücken. Hier beschäftige ich mich mit dem sogenannten Drive-By-Monitoring, bei dem mit Sensoren im Zug der Zustand von Eisenbahnbrücken im Vorbeifahren überwacht wird, sodass nicht jede Brücke einzeln mit Sensorik ausgestattet werden muss. Der dritte Bereich ist die Energieeffizienz von Wohnquartieren. Hier erforsche ich, wie die Energiewende im Wohnquartier gelingen kann, indem unterschiedliche Energiequellen und gleichzeitig diverse Nutzer/Verbraucher vernetzt werden.

Was sind die Hauptforschungsbereiche und -projekte, an denen Sie an der TU Braunschweig arbeiten werden?

Die Hauptbereiche sind aktuell auf jeden Fall die Windenergie sowie die Eisenbahnbrücken. Zu beiden Themen forsche ich an der TU Braunschweig aktuell im Rahmen mehrerer DFG-Projekte.

Früher hat man die Statik von Brücken im Voraus berechnet, heute betrachtet man vermehrt Bestandsbrücken in Bezug auf ihre prognostizierte Lebensdauer oder ihr Potenzial zur Ertüchtigung. Wie gehen Sie an dieses Thema heran, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit anderen Instituten der TU Braunschweig?

Selbstverständlich werden Brücken immer noch im Voraus berechnet. Bei Bestandsbrücken besteht die Herausforderung jedoch darin, dass sich die Lasten über die Jahre signifikant verändert haben. So sind beispielsweise alte Brücken nicht für die heutigen ICE-Züge ausgelegt worden. Daher ist eine messtechnische Überwachung von Bestandsbrücken essenziell. Ich gehe dieses Thema mit dem Drive-By-Monitoring an, das gemeinsam mit der Deutschen Bahn entwickelt bzw. getestet wurde und wird. An der TU Braunschweig sehe ich hier einige Anknüpfungspunkte. Konkrete Ideen gibt es aber noch nicht, auch da ich erst seit Oktober an der TU bin.

Professor Clemens Hübler nach seiner Ernennung mit TU-Präsidentin Prof. Angela Ittel und Professorin Antje Schwalb, Dekanin der Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Sie forschen auch zu Energieeffizienz in Wohnquartieren. Inwieweit ist das ein Thema Ihrer Professur für Statik und Dynamik?

Sie haben recht, dass die Energieeffizienz in Wohnquartieren kein typisches Thema für eine Professur für Statik und Dynamik ist. Tatsächlich habe ich vor einigen Jahren eine Forschungsgruppe zur Energieeffizienz von einem Kollegen übernommen, der damals die TU Darmstadt verlassen hat. Interesse an der Energieforschung bestand bereits durch meine Windenergieforschung. Über die Jahre hat sich daraus dann ein eigener Forschungsschwerpunkt entwickelt.

Ein weiteres Forschungsthema ist die Windenergie. 2022 wurden Sie für Ihre Forschung zu Offshore-Windenergieanlagen mit dem Niedersächsischen Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Wie werden Sie dieses Thema an der TU Braunschweig vorantreiben?

Das Thema Windenergie ist sicherlich ein Herzensthema von mir. Wie bereits erwähnt, forsche ich hierzu aktuell im Rahmen mehrerer DFG-Projekte. Das größte davon ist der Sonderforschungsbereich „Offshore-Megastrukturen“ der Leibniz Universität Hannover, an dem ich – genauso wie beispielsweise die Kollegen Professor Vincent Oettel und Professor Christian Hühne der TU Braunschweig – beteiligt bin.

Am Leichtweiß-Institut für Wasserbau werden u.a. im Salzwasser-Wellen-Strömungskanal Fundamente für Offshore-Windenergieanlagen getestet – wird es hier eine Zusammenarbeit geben?

Hier wird es sicherlich eine Zusammenarbeit geben. Wenn man es etwas weiter fasst, gibt es diese sogar schon. Aktuell werden großskalige Versuche im Wellenkanal des Forschungszentrums Küste (FZK), an dem auch der Kollege Professor Nils Goseberg beteiligt ist, durchgeführt. Die aufgenommenen Messdaten werden von meiner Arbeitsgruppe zur Validierung einiger Methoden im Bereich des Monitorings verwendet.

Was hat Sie dazu bewogen, in diesen Bereichen der Statik und Dynamik zu forschen?

Auch hier muss ich wieder sagen, dass es mehrere Gründe waren. Vielleicht der wichtigste ist die gesellschaftliche Relevanz der Themen Energie- und Verkehrswende, zu denen ich mit meiner Forschung beitrage.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten aus?

Forschen, Vernetzen, Gestalten. Forschen ist selbstverständlich der Kern meiner Arbeit. Vernetzen beschreibt den intensiven Austausch mit anderen Forschenden an der TU Braunschweig und darüber hinaus. Unter Gestalten verstehe ich „Zukunft gestalten“. Dies betrifft einerseits den Beitrag, den ich hoffentlich zur Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen leisten kann. Andererseits geht es auch darum, Zukunft zu gestalten, indem ich im Rahmen meiner Lehre die Talente von morgen ausbilde und fördere.