29.11.2017 | Magazin:

Überholen ohne einzuholen? Kollege Roboter und die Zukunft unserer Arbeitswelt Interview mit Professor Jochen Steil vom Institut für Robotik und Prozessinformatik

Übernehmen intelligente Maschinen und Roboter in naher Zukunft einen Großteil unserer Arbeit und wie wird sich unserer Lebenswelt dadurch verändern? Darüber diskutieren Professor Jochen Steil, Leiter des Instituts für Robotik und Prozessinformatik der TU Braunschweig, und die Soziologin Jutta Allmendinger am 29. November 2017 im Rahmen einer Lab Lecture an der Bucerius Law School in Hamburg. Drei Fragen zum Thema beantwortet Professor Steil vorab im Magazin.

Herr Professor Steil, wie schätzen Sie die Prognosen ein, dass uns intelligente Maschinen und Roboter am Arbeitsplatz bald überholen werden?

Prof. Dr. Jochen Steil, Leiter des Instituts für Robotik und Prozessinformatik der TU Braunschweig. Bildnachweis: Daimler-Benz Stiftung

Maschinen sind immer gebaut worden, um uns in einzelnen Bereichen überlegen zu sein. Autos fahren schneller als wir laufen, Kräne heben schwerer und Computer rechnen schneller und präziser.  Das sagt aber nichts über allgemeine Intelligenz aus. Ein universeller Roboter mit allgemeiner Intelligenz bleibt da noch sehr lange Science-Fiction. Aber mit der Automatisierung auch von geistigen Arbeiten durch Informatiksysteme wird sich unser Selbstbild davon, was uns als Menschen eigentlich ausmacht und von Maschinen unterscheidet, weiter verändern.

Seit Jahrzehnten träumt der Mensch von Maschinen, die ihm die Arbeit leichter machen. Warum stehen wir dieser Entwicklung eigentlich so skeptisch gegenüber?

Das trifft gar nicht zu, die Einstellung zu Technik ist generell eher positiv. Das kann ich aus vielen eigenen Erfahrungen bestätigen. So habe ich beispielsweise im BMBF-Zukunftsforum mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Diese wünschen sich sehr, dass neue Technik sie im sozialen Zusammenhalt privat und auch am Arbeitsplatz unterstützt. Auch in der Vermächtnisstudie von Frau Allendinger wird dies sehr deutlich. Dabei sind die Menschen nicht naiv. Sie wissen genau, dass es viele Veränderungen und damit Zumutungen, aber eben auch Chancen gibt. Diese können und müssen wir gemeinsam gestalten.

Wie schaut es mit Ihnen selbst aus? Wann wird der erste Roboter ein Vortrag über den Einfluss des Menschen auf die Entwicklung der intelligenter Maschinen halten?

Solange es immer der gleiche Vortrag ist und der Roboter nicht auf das Publikum reagieren muss: kein Problem. Das können Sie programmieren und auf vielen Weihnachtsmärkten gerade täglich erleben. Aber im Ernst. Genügend Flexibilität und Selbstbewusstsein, einen Vortrag auszuarbeiten und dann auch interessant vorzutragen, erfordert viele Arten von Intelligenz, nicht zuletzt sozialer Art. Heutige Systeme können aber eigentlich nur durch statistisches Lernen Muster in Daten finden und sind nicht einmal in der Nähe solcher Fähigkeiten. Mein Job bleibt also noch lange gesichert.