14. Oktober 2026 | Magazin:

„Ich freue mich auf viele interdisziplinäre Ideen“ Thomas Große ist neuer Professor für Produktionsmesstechnik

Seit dem 1. Oktober 2026 ist Thomas Große neuer Professor für Produktionsmesstechnik an der Technischen Universität Braunschweig. Seine Forschung verbindet moderne Sensortechnologien mit innovativen Recyclingverfahren. Dabei geht es unter anderem darum, wie verschiedene Werkstoffe in einem Abfallstrom unterschieden werden können, um sie dem jeweils optimalen Recyclingpfad zuführen zu können. Im Fragebogen gibt Große Einblicke in seine Arbeit, seine Ziele und seine Motivation.

Herr Prof. Große, warum haben Sie sich für die TU Braunschweig entschieden?

Prof. Thomas Große. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Die TU Braunschweig bietet aus meiner Sicht durch die räumliche Nähe und die bereits an vielen Stellen bestehende enge Vernetzung mit den relevanten Partnern die besten Voraussetzungen für die Forschungsthemen, die unsere Gesellschaft für eine nachhaltige Zukunft braucht. Das sind zum Beispiel die PTB, die Open Hybrid LabFactory in Wolfsburg, die BLB, das NFF, das ZESS, das DLR – diese Liste könnte man noch sehr lange weiterführen. Darüber bin ich mit der TU Braunschweig schon lange verbunden, habe selbst hier vor vielen Jahren einmal studiert, promoviert und aus meiner letzten Position heraus in der Industrie bei Volkswagen viele gemeinsame tolle Projekte gemacht. Da fühlt es sich auch irgendwie wie „nach Hause kommen“ an.

Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung? Wie würden Sie Ihre Arbeit einer fachfremden Person erklären?

Fast jedes Material ist im Sinne der Kreislaufwirtschaft recycelbar, wenn man es nur sortenrein vorliegen hat. In unseren heutigen Produkten werden Werkstoffe aber aus verschiedenen Gründen in der Regel miteinander kombiniert, was das Recycling oft erschwert und in manchen Fällen sogar unmöglich macht. Um Fraktionen zu erhalten, die wieder für das Recycling geeignet sind, ist in der Regel Sortiertechnik nötig. In meiner Forschung beschäftige ich daher mit sensorbasierter Erkennung von Materialien und Materialeigenschaften für die Kreislaufwirtschaft. Das kann Grundwerkstoffe und Additive, aber auch Verunreinigungen oder Störstoffe umfassen.

Mit welchen Forschungsschwerpunkten und Projekten werden Sie sich an der TU Braunschweig auseinandersetzen?

Prof. Thomas Große (m.) mit TU-Präsidentin Angela Ittel und Prof. Markus Böl, Dekan der Fakultät für Maschinenbau. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Ein Schwerpunkt wird in spektroskopischen Verfahren liegen, die auch unter den harschen Bedingungen eines Recyclingbetriebs und nicht nur im Labor funktionieren. Dazu z.B. gehört auch die Integration entsprechender Systeme in Handgeräte oder Roboter-Endeffektoren für die manuelle oder automatisierte Demontage.

Weitere Schwerpunkte werden die In-Prozess-Messtechnik und Verfahren zur Defekterkennung sein. Darüber hinaus plane ich auch, die Forschungsthemen, die in der Vergangenheit am IPROM bearbeitet wurden wie die optische 3D-Messtechnik weiterzuführen. Und weil man ja auch ständig etwas Neues lernt, freue ich mich jetzt schon auf viele zukünftige interdisziplinäre Ideen mit Forscherkolleginnen und -kollegen! Mit einem Querschnittsthema wie der Produktionsmesstechnik sind wir, denke ich, sehr gut aufgestellt.

Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Bereich zu forschen?

Wenn man sich einmal vor Augen führt, wie der Mensch aktuell in der Linearwirtschaft mit den Ressourcen der Erde umgeht, wird relativ schnell klar, dass es so nicht lange weitergeht und wir uns hin zur Kreislaufwirtschaft entwickeln müssen. Über diese rein ökologische Betrachtung hinaus stärkt dieser Ansatz auch die Resilienz heimischer Unternehmen und Lieferketten, zum Beispiel, gegen Naturereignisse oder geopolitische Konflikte. Für ein werkstoffgerechtes Recycling zur Bewahrung der Ressourcen ist allerdings die Beantwortung der Frage „Was habe ich hier eigentlich vor mir und wie gehe ich damit um?“ essentiell.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten aus?

Planen, Machen, Lernen

Vielen Dank!