29. August 2014 | Magazin:

Studierende der TU Braunschweig heben »Nibelungenschatz«

Ein Schatz besonderer Art haben die Studierenden des Institute for Sustainable Urbanism (ISU) der Technischen Universität Braunschweig gehoben. Vom 28. Juli bis zum 01. August konnten Sie die Bewohner am Braunschweiger Nibelungenplatz sowie die Schüler der nahegelegenen Nibelungen-Realschule dafür gewinnen, städtischen Raum vor der eigenen Haustür attraktiver und lebenswerter zu gestalten.

„Während städtische Plätze in der Geschichte immer wichtige Orte der Kommunikation und des Austausches waren, sind sie in den letzten Jahrzehnten oftmals zu reinen Parkplätzen für Autos verkommen und werden entsprechend von einem Großteil der Stadtbewohner eher negativ und nicht mehr als lebenswert wahrgenommen“ erläutert Volker Pietsch vom Institute for Sustainable Urbanism (ISU) der TU Braunschweig. „Die Frage ist, wie man diesem Trend entgegenwirken kann und mit einfachen Mitteln einen zentralen Platz in der Stadt wieder attraktiver und lebenswerter gestaltet“ so der Architekt weiter.

Offener Bücherschrank+

Workshop mit Schülern und Studierenden

Workshop mit Schülern und Studierenden

So entwickelte das Institute for Sustainable Urbansim ISU unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Carlow zusammen mit der Geschäftsführerin der Nibelungen Wohnbau GmbH, Frau Maren Sommer, die Idee, den Nibelungenplatz im Siegfried-Viertel durch einen Design-to-Build-Workshop vor Ort für eine Woche zu beleben und dabei einen „Offenen Bücherschrank+“ entwickeln und bauen zu lassen. „Offene Bücherschränke haben sich in den letzten Jahren in vielen Städten bereits als ein mögliches Tool zur Aktivierung von öffentlichen Räumen und Plätzen bewährt“, erklärt Volker Pietsch.

Der Offene Bücherschrank+ entsteht

Der Offene Bücherschrank+ entsteht

An solchen Bücherschränken kann man sich kostenlos Bücher ausleihen oder auch aus dem eigenen Bestand Bücher hinzustellen, mit anderen Nutzern ins Gespräch kommen und somit auf einfache Weise den Platz um den Bücherschrank herum wieder beleben. Da der Erfolg eines solchen Projektes auf der Akzeptanz der Nutzer und Anwohner beruht, wurde bei der Planung entsprechend versucht, einen möglichst großen Teilnehmerkreis für das Projekt zu gewinnen. Neben den Studierenden der TU Braunschweig und der Nibelungen Wohnbau waren daher auch Schülerinnen und Schüler der Nibelungen Realschule, die Lebenshilfe Braunschweig und der Bürgerverein Pro Siegfried bei der Konzeptentwicklung und Umsetzung des Projektes mit involviert und während des Workshops vor Ort ausdrücklich alle Anwohner und Besucher des Platzes eingeladen, sich zu beteiligen.

 

Ein „Schatz“, der dem Virtel erhalten bleibt

Schüler, Studierende und fleißeige Helfer um Frau Prof. Carlow

Schüler, Studierende und fleißeige Helfer um Frau Prof. Carlow

Zum Beginn des einwöchigen Workshops wurden in mehreren kleinen Gruppen aus Schülerinnen, Schülern und Studenten nach möglichen Funktionen und Formen gesucht, wie der Nibelungenplatz attraktiver für alle Nutzergruppen gestaltet werden könnte. „Hierbei zeigte sich, dass gerade Schülerinnen und Schüler sehr kreativ und begeistert sind, wenn es um die aktive Gestaltung ihres Lebensumfeldes geht.“ erklärt Architekt Pietsch. Aus der Vielzahl ihrer Gestaltungs- und Nutzungsideen entwickelten die Studierenden in den darauf folgenden Tagen ein umsetzbares Konzept für einen Bücherschrank, der mehr als nur ein Regal sein sollte. „Das ‚Plus‘ im Konzept sollten zusätzliche Sitz- und Umgestaltungsmöglichkeiten sein, die zu einem längeren und öfteren Verweilen einladen und somit den Plätz nachhaltig beleben könnten“ so Pietsch.

Der fertige Offene Bücherschrank am Nibelungenplatz

Der fertige Offene Bücherschrank am Nibelungenplatz

In der zweiten Wochenhälfte wurde dann direkt vor Ort der Bücherschrank von den Studierenden gebaut. Angelockt durch die Bautätigkeit, durch das Sägen, Schrauben und Zusammenbauen wurden immer mehr Besucher des Platzes auf das Projekt aufmerksam, ließen sich das Projekt erklären und fanden die Idee, den Platz auf diese Weise attraktiver zu gestalten, als eine sehr gute Lösung, die sie unterstützen würden. So konnte das Projekt termingerecht nach fünf intensiven Tagen am frühen Freitagnachmittag vor den Augen der Projektbeteiligten seiner Bestimmung übergeben und mit den ersten Büchern ausgestattet werden.

„Bis Ende September soll nun beobachtet werden, inwieweit der Bücherschrank+ von der Bevölkerung angenommen wird und ob er wie gewünscht den Platz zu einem Ort der Interaktion, der Kommunikation und des Austausches macht. Der besondere Dank gilt allen, die sich an diesem Projekt aktiv beteiligt und es unterstützt haben“, fasst Volker Pietsch zusammen.

 

Kontakt
Prof. Dr. Vanessa Miriam Carlow
Dipl.-Ing. Volker Pietsch
Institute for Sustainable Urbanism (ISU)
Technische Universität Braunschweig
Pockelsstraße 3
38106 Braunschweig
Tel.: +49 531 391 3542
E-Mail: volker.pietsch@tu-braunschweig.de
http://www.tu-braunschweig-isl.de/STAEDTEBAU