28.06.2018 | Magazin:

Rendezvous mit Ryugu – Dem Asteroiden ganz nah Raumsonde Hayabusa2 und Lander MASCOT erreichen nach 3.200 Kilometern Ryugu

Seit Dezember 2014 reiste die japanische Raumsonde Hayabusa2 mit dem Lander MASCOT durchs Weltall und befindet sich derzeit im Formationsflug: Die Sonde hält eine Distanz von 20 Kilometern zum Asteroiden und sammelt Bilder und Daten u.a. zur Optimierung der Landekoordinaten. Für Anfang Oktober 2018 ist die Landung von MASCOT auf der Oberfläche geplant. Dort beginnen weitere Messungen, um mehr über den Aufbau und die Herkunft des Asteroiden zu erfahren. Die Technische Universität Braunschweig steuert dazu ein Magnetometer bei, um neue Erkenntnisse über das Magnetfeld zu gewinnen.

Der Asteroiden-Lander MASCOT, Bildnachweis: DLR

Nach der Landung von MASCOT soll sich der Lander hüpfend über die Oberfläche bewegen, um Messungen an mehreren Orten zu ermöglichen. Die Forscher wollen damit genauere Einblicke in die Beschaffenheit und den Aufbau erdnaher Asteroiden gewinnen, um diese sehr alten Fragmente des Sonnensystems zu verstehen, Einblick in die Entstehungsgeschichte der Planeten zu gewinnen und nicht zuletzt auch, um mögliche Asteroidenabwehrmissionen effektiver zu planen. MASCOT wird ganz neue Einblicke in das Material des solaren Urnebels ermöglichen, das seit rund 4,5 Milliarden Jahren auf der Asteroidenoberfläche ruht.

Magentfeldmessungen für besseres Verständnis des Sonnensystems

An Bord des Landers sind vier wissenschaftliche Instrumente installiert – eines davon ist ein Magnetometer (Mas-Mag), entwickelt am Institut für Geophysik und Extraterrestrische Physik der TU Braunschweig. Das Magnetometer misst drei Komponenten des Umgebungsmagnetfelds. Wie wir aus Untersuchungen von Meteoriten auf der Erde wissen, haben primitive Körper des Sonnensystems meist eine remanente Magnetisierung. Das heißt, sie enthalten magnetisches Material, das in der Entwicklungsgeschichte durch ein äußeres Feld magnetisiert wurde.

Die Frage bleibt jedoch, wann, wie und von welcher Quelle eine solche Magnetisierung ausging. Eine der Theorien besagt, dass das Magnetfeld des Sonnennebels (Proto-Sonne) in der frühen Phase der planetarischen Schöpfung Staub in größere Cluster akkumuliert haben könnte, die dann Bausteine ​​für Planeten waren. Eine andere Theorie zeigt, dass auch kleinere Sonnensystemkörper (Asteroiden) in der Vergangenheit einen internen Dynamo besessen haben könnten, der sein eigenes Magnetfeld, wie wir es von der Erde oder dem Merkur kennen, nur in viel kleineren Maßstäben erzeugt. Ein solches Magnetfeld würde auch das Körpermaterial magnetisieren, diesmal im globalen Maßstab.

Ein Ziel der Magentfeldmessungen ist es, mehr Informationen über die Magnetisierung primitiver Körper zu liefern, um dem Verständnis der Evolution des Sonnensystems näher zu kommen. Aber selbst wenn es kein signifikantes globales Feld gibt, könnten kleinere Felsbrocken oder Merkmale auf der Oberfläche magnetisiert werden, wie wir zum Beispiel auf dem Mond sehen. Dies ist das zweite Ziel von Mas-Mag, lokale verstärkte magnetische Eigenschaften auf der Oberfläche zu messen. Es ist daher vorteilhaft, mehrere Punkte auf der Oberfläche zu besuchen.

Asteroid Ryugu aus circa 22 Kilometern Entfernung fotografiert. Bildnachweis: DLR

Über die Mission Hayabusa2 und MASCOT

Hayabusa2 ist eine Weltraummission der japanischen Raumfahrtagentur JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency) zum erdnahen Asteroiden Ryugu. Der deutsch-französische Lander MASCOT an Bord von Hayabusa2 wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und gebaut in enger Kooperation mit der französischen Raumfahrtagentur CNES (Centre National d’Études Spatiales). Die wissenschaftlichen Experimente an Bord von MASCOT sind Beiträge des DLR, des Institut d’Astrophysique Spatiale und der Technischen Universität Braunschweig. Betrieb und Steuerung des MASCOT-Landers und seiner Experimente erfolgen durch das DLR mit Unterstützung der CNES und in kontinuierlichem Austausch mit der JAXA.

Weitere Informationen

Mehr zur Hayabusa2/MASCOT-Mission auf DLR