12.06.2019 | Magazin:

Post aus … Kaunas Studentin Inga Dorner berichtet aus Litauen

Hier lebe ich momentan:
Ich wohne in Kaunas. Das ist mit 295.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Litauens. Kaunas hat eine kleine, aber hübsche Altstadt, die durch viele Cafés und Bars belebt wird, vor allem sobald die Temperaturen etwas steigen. Kaunas ist deutlich weniger touristisch als die Hauptstadt Vilnius, allerdings gibt es auch hier immer etwas zu entdecken. Zum Beispiel bei einem Bummel über die lokalen Märkte oder bei diversen Konzerten und Festivals. Außerdem erhält Kaunas 2022 den Titel „Kulturhauptstadt Europas“, worauf die Menschen hier mächtig stolz sind. Alle scheinen sich schon jetzt darauf vorzubereiten: Es wird viel gebaut und renoviert und es finden zahlreiche Veranstaltungen unter dem Titel „Kaunas 2022“ statt.

Post aus ... Kaunas
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Diese Winterlandschaft begegnete mir während meines ersten Spaziergangs nach meiner Ankunft in Kaunas. Im Sommer ist dieser große Park nahe der Universität hervorragend geeignet zum Grillen, Picknicken und für ausgedehnte Spaziergänge. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Hier seht ihr einen Trolleybus. Diese Busse werden seit über 25 Jahren im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt und sind von Künstlern bunt gestaltet worden. Damit sind sie auf jeden Fall ein Hingucker auf den Straßen Kaunas. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Die Altstadt Kaunas‘ beeindruckt mit zahlreichen Kirchen, Klöstern und Kathedralen. Im Gegensatz zu den anderen baltischen Staaten (Lettland und Estland) ist Litauen (streng) katholisch. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Die leckersten Doughnuts in Kaunas gibt es in einem kleinen Café. Sie schmecken am besten warm, direkt auf die Hand. Doughnuts, oder vielmehr Spurgos, wie sie auf Litauisch heißen, sind hier sehr beliebt. Es gibt sie in allen möglichen Formen und mit süßen oder herzhaften Füllungen. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Die Lage Litauens bietet sich an, um Ost- und Nordeuropa zu erkunden. Das bin ich bei einem Besuch der lettischen Hauptstadt Riga. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Im Hintergrund seht ihr das Altgebäude der chemischen Fakultät, an der mein Studiengang angesiedelt ist. Es wurde 1937 erbaut und diente in seiner Anfangszeit als Forschungszentrum für die militärische Industrie. Wegen seiner vielen Schornsteine hat es auch den Namen „chemische Fabrik“. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Dieses repräsentative Gebäude der Technischen Universität Kaunas (KTU) beherbergt das Besucherzentrum, die Designbibliothek, eine Kantine, Labore und Büros diverser Fachrichtungen. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Die Altstadt von Kaunas mit vielen Restaurants und Bars erwacht mit steigenden Temperaturen und lädt zum Flanieren ein. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Außerhalb des Innenstadtbereichs ist das Stadtbild Kaunas‘ in vielen Bezirken von der sowjetischen Vergangenheit Litauens geprägt: Plattenbausiedlungen sind hier Bestandteil des kulturellen Erbes und Wohnraum für viele. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Gute Stimmung beim Basketball: Hier war ich beim Europa League-Spiel Žalgiris Kaunas gegen Bayern München im ausverkauften Stadion dabei. Die Stimmung bei über 15.000 Fans in Kaunas ist beeindruckend. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

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Anlässlich des irischen St. Patrick’s Day wurde in Vilnius der Fluss grün gefärbt. Initiiert wird das Ereignis jährlich von der Künstlergemeinschaft von Užupis, ein Künstlerviertel, das sich zu einer unabhängigen Republik erklärt hat. Bildnachweis: Inga Dorner/TU Braunschweig

Das mache ich in Kaunas:
Ich studiere hier Chemieingenieurwesen im Master an der Technischen Universität Kaunas (KTU). Sie ist die größte Technische Universität des Baltikums mit etwa 10.200 Studierenden.

Mein Aufenthalt dauert insgesamt:
Fünf Monate. Ich verbringe hier das Sommersemester von Februar bis Ende Juni. So habe ich den litauischen Winter mit Temperaturen von durchschnittlich -10 Grad miterlebt und den Frühling genossen, in dem die Natur und auch die Stadt erwachen. Die Vorwarnung zu Beginn des Semesters, dass in Kaunas bis April noch Schnee liegen kann, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Darum habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt entschieden:
Ich hatte Lust, etwas Neues kennenzulernen und war gespannt, wie es ist, für längere Zeit in einem fremden Land zu leben. Gerade meine völlige Unkenntnis über Litauen hat mich gereizt, in das für ein Erasmus-Semester etwas untypische Land zu gehen – eine Wahl, die ich auf keinen Fall bereue.

Leben vor Ort

So wohne ich in Kaunas:
Ich wohne in einem der Studierendenwohnheime der KTU. In meinem Wohnheim sind zum größten Teil Erasmusstudierende untergebracht, was eine sehr aufgeschlossene Stimmung mit sich bringt. Wir kochen viel zusammen, am liebsten Spezialitäten aus den verschiedenen Heimatländern. Die Mieten sind hier sehr günstig und die Lage direkt auf dem Campus ist sehr gut. Die Hausregeln sind recht streng. Das Wohnheim wird rund um die Uhr von einem Doorkeeper bewacht, Alkohol ist verboten und Gäste müssen angemeldet werden. Außerdem gibt es ausschließlich Doppelzimmer, was anfangs doch sehr ungewohnt war.

Was unterscheidet das Studieren in Kaunas von dem in Deutschland?
Die meisten Kurse werden auf Englisch und Litauisch angeboten, sodass meine Vorlesungen sehr klein sind. Meistens sind wir weniger als fünf Studierende. Dadurch ist der Kontakt zum Dozenten sehr viel enger als in Deutschland. Außerdem gibt es während des Semesters in allen Vorlesungen Zwischenklausuren, Ausarbeitungen und Präsentationen, die einen auf Trab halten.

Besonders typisch für mein Aufenthaltsland ist:
Litauer lieben Basketball und Bier. Da gehört der Besuch eines Basketballspiels von „Žalgiris Kaunas“ zum Pflichtprogramm. Basketball ist hier sozusagen Nationalsport. Und auch Bierliebhaber kommen bei einer großen Auswahl an lokalen Bieren auf ihre Kosten. Generell sind Getränke und Essen im Vergleich zu Deutschland sehr günstig, weshalb Studierende des Öfteren ausgehen können.

Ein Hingucker und für mich typisch für Kaunas sind die Trolleybusse. Das sind elektrisch betriebene Busse des öffentlichen Nahverkehrs, die bereits seit mehr als 25 Jahre ihren Dienst leisten. Die Busse wurden von Künstlern bemalt und stellen farbenfrohe Unikate dar. Sie spiegeln auf ihre Weise auch den charakteristischen Charm der Stadt wider. Beim Bummel durch die Straßen entdecke ich fast jedes Mal ein neues, fahrendes Kunstwerk.

Das habe ich hier in den ersten drei Tagen gelernt:
-10 °C plus Wind fühlen sich wie -20 °C an. In den ersten Tagen meines Aufenthalts hatte ich es weniger mit einem Kulturschock, sondern vielmehr mit einem Kälteschock zu tun.

Litauen feiert zweimal im Jahr seine Unabhängigkeit. Der 16. Februar (erste Unabhängigkeit 1918) und der 11. März (Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1990) sind nationale Feiertage.

Mein Vorname Inga ist in Litauen ein sehr verbreiteter Name, weshalb ich oft richtigstellen muss, dass ich nicht aus Litauen, sondern aus Deutschland komme.

Die bisher größte Herausforderung während meines Aufenthaltes:
Eine große Herausforderung für mich ist auf jeden Fall die Sprache. Mit Englisch kommt man in der Uni und auch in Restaurants und Bars sehr gut zurecht. Die meisten jungen Menschen sprechen gut Englisch. Nur im Alltag, auf Märkten oder im Bus kommt es häufiger mal zu Verständigungsschwierigkeiten. Da helfen ein paar Worte Litauisch auf jeden Fall. Nur ist Litauisch nicht gerade einfach zu lernen.

Eine weitere Herausforderung ist auch das wöchentliche Pubquiz – eine sehr beliebte Veranstaltung vor allem bei internationalen Studierenden. Die Fragerunden gehören bei mir zum festen Wochenprogramm. Es macht eine Menge Spaß, sich in Teams bei gemütlicher Atmosphäre gemeinsam den Kopf über Fragen zu zerbrechen (Eine kleine Kostprobe: “In Arthur Schopenhauer’s opinion, what should be done to reduce a person’s rights twice and increase its commitments at the same amount?“).

Das nehme ich von hier mit nach Hause:
Eine kleine Pinsammlung aus allen Ländern, die ich während meines Semesters besucht habe. Die Lage Litauens bietet sich an, um Ost- und Nordeuropa näher kennenzulernen und zu erkunden. So habe ich unter anderem Riga, Tallinn, Sankt Petersburg, Moskau, Warschau, Minsk, Helsinki und Lappland besucht und dabei wunderschöne und unglaublich vielseitige Eindrücke gewonnen.

Gut zu wissen

Diese landestypische Speise sollte man unbedingt probieren:
Šaltibarščiai: Eine kalte Rote-Bete-Suppe mit Gurke, gekochtem Ei, Frühlingszwiebeln und Joghurt, die die Litauer und ich lieben.

Ansonsten ist das Essen hier recht reichhaltig und es gibt sehr häufig Kartoffeln, Rote Bete oder Kohl sowie Cepelinai (gefüllte Kartoffelklöße) oder Kugelis (eine Art Kartoffelauflauf) dazu. Außerdem gibt es eine Vielzahl an süßem Gebäck, wie Skruzdėlynas (wörtlich übersetzt Ameisenhaufen) oder Varškės spurgo (kleine, kugelförmige Donuts).

Welches Fettnäpfchen sollte man in Litauen vermeiden?
Litauen sollte man möglichst nicht als osteuropäisches Land bezeichnen. Hier grenzt man sich streng von Russland ab und orientiert sich stark und (selbst)bewusst nach Europa. Darum zählen sich die Litauer auch lieber zu Nord(ost)europa und feiern fast enthusiastisch unter anderem den Europatag, den Jahrestag des NATO-Eintritts und den Eurovision Songcontest.

Außerdem sollte man nicht versuchen, nach 20:00 Uhr Alkohol zu kaufen. Es gibt seit Anfang des Jahres strenge Auflagen für den Alkoholverkauf in Supermärkten und anderen Läden.

Diesen Tipp gebe ich anderen Studierenden, die ins Ausland gehen möchten:
Habt Mut und seid offen für Neues, es lohnt sich!