21.12.2016 | Magazin:

Häufig gestellte Fragen rund um die Schließung des Chemiegebäudes in der Hans-Sommer-Straße 10

Das Institutsgebäude Hans-Sommer-Straße 10 ist aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Das hat eine Begutachtung am 22. November 2016 ergeben. Die gemeinsame Begehung mit der Feuerwehr Braunschweig, dem Staatlichen Baumanagement Braunschweig, weiteren Expertinnen und Experten und der Verwaltung der TU Braunschweig hat zum Ergebnis gehabt, dass Brandschutzmängel einen weiteren Betrieb nicht zulassen. Die chemischen Labore im Gebäude waren sofort nach der Begehung nicht mehr nutzbar, die Büros können noch mit Einschränkung und unter Auflagen für eine Übergangszeit von maximal drei Monaten besetzt sein. Im Gebäude sind Arbeitsgruppen der Institute für Technische Chemie, für Physikalische und Theoretische Chemie sowie Praktikums- und Seminarräume untergebracht.

Was tut die Universität für die Studierenden und Beschäftigten, die im Gebäude gelernt und gearbeitet haben?

Es wurde unverzüglich eine Task Force eingerichtet, um für Ersatz für die Labore, Praktika, Arbeitsplätze und Seminarräume zu sorgen. Inzwischen wurde ein Konzept erarbeitet wie die Labore, Seminarräume und Büros im Chemiezentrum, im Biozentrum und in einem Institutsgebäude in der Gaußstraße untergebracht werden können. Viele nicht betroffene Institute helfen dabei tatkräftig mit.

Für die Seminare sind ebenfalls Alternativen gefunden worden. Wenn die Arbeit von Studierenden, Promovierenden oder Wissenschaftlichen Mitarbeitern zum Beispiel in einer befristeten Anstellung aufgrund der Schließung nicht termingerecht fertiggestellt werden kann, können Fristen und Verträge entsprechend verlängert werden.

Die Planungen für einen Neubau des Gebäudes sollen im nächsten Jahr beginnen. Hier werden bereits die ersten Gespräche mit dem Ministerium geführt.

Hochschulleitung und Verwaltung ist bewusst, dass dies bei weitem nicht bedeutet, dass jeder ohne Schwierigkeiten weitermachen kann wie bisher. Die Schließung hat viele hart getroffen, und der Umzug wird noch einige Unannehmlichkeiten mit sich bringen. Die Leistungsfähigkeit unserer Chemie zeigt sich jetzt in besonderer Weise. Alle Beschäftigten in den betroffenen Instituten und den damit assoziierten Einrichtungen bringen zusätzlich erhebliches zusätzliches Engagement auf, um nicht nur den Betrieb aufrecht zu erhalten, sondern die Qualität von Lehre und Forschung auf dem gewohnt hohen Niveau zu halten.

Wir bitten alle Betroffenen um Verständnis für die Schließung insgesamt und für die zusätzlichen Anstrengungen. Danke an alle, die durch ihre Mitarbeit, das Zusammenrücken und die Bereitschaft, Flächen und Labore zur Verfügung zu stellen helfen, die Situation so schnell wie möglich zu mildern.

Wie kam es zu den Brandschutzmängeln?

Von 2006 an hat die TU Braunschweig unter Federführung von Prof. Dietmar Hosser, Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz, das Projekt „Vorbeugender Brandschutz“ durchgeführt und dabei auch das aus dem Jahr 1962 stammende Gebäude in der Hans-Sommer-Straße untersucht. Die Unterlagen über die Zeit vor 2006 liegen der Verwaltung zurzeit noch nicht vollständig vor. Es ist allerdings bekannt, dass es bereits Beanstandungen gab.

Hochschulleitung und Verwaltung werden die Vorgänge sorgfältig aufarbeiten und den Betroffenen transparent machen, um möglichen Fehler in der Vergangenheit zu dokumentieren und daraus zu lernen. Wir bitten in diesem Punkt um Verständnis dafür, dass zunächst die Suche nach Lösungen für die Unterbringung der Institute und der Seminarräume Priorität hat.

An dem Projekt „Vorbeugender Brandschutz“ waren auch das Staatliche Baumanagement Braunschweig und die Feuerwehr beteiligt. Das Gebäude Hans-Sommer-Straße 10 erhielt mit sieben weiteren Gebäuden die höchste Priorität für Brandschutzmaßnahmen. 2008 wurde ein Brandschutzkonzept für das Gebäude erstellt. Umfassende Sanierungsmaßnahmen wurden geplant. Als Sofortmaßnahme wurde eine Brandmeldeanlage eingebaut.

Warum hat es so lang gedauert, eine Sanierung zu planen?

Alle größeren Baumaßnahmen müssen über das Ministerium für Wissenschaft und Kultur für den Haushalt des Landes angemeldet werden. Dazu müssen die Experten im zuständigen Staatlichen Baumanagement jeweils umfangreiche Planungsunterlagen erstellen. Die Brandschutzmaßnahmen für die Hans-Sommer-Straße 10 und das gegenüberliegende Haus der Elektrotechnik wurden beim Ministerium angemeldet und im Jahr 2009 freigegeben. Die sogenannte Haushaltsunterlage (HU) Bau (Entwurfsplanung, Kosten und Terminplan) wurde dann im August 2012 genehmigt.

Auf Grund der Prioritätensetzung aus dem Projekt „Vorbeugender Brandschutz“ von Prof. Hosser wurde die Brandschutzmaßnahme für das Gebäude der Elektrotechnik durch das Staatliche Baumanagement zuerst umgesetzt, da hier mehr Institute betroffen waren und es sich um ein Hochhaus handelt. Bei der Durchführung des Projektes kamen zu deutlichen Mehraufwendungen im Elektrohochhaus. Diese Aufwendungen wurden in einer Nachtrags-HU Bau im Januar 2015 genehmigt. Diese Erfahrungen und Erkenntnisse führten zu einer Neubewertung der geplanten Brandschutzmaßnahme im Chemiegebäude.

Inzwischen war die Zukunft des Gebäudes im Rahmen der so genannten PPC-Umzugskette, über die wir im Newsletter Nr. 5 / 2016 berichtet haben, neu konzipiert worden. Geplant war, die Gebäude der Physik in der Mendelssohnstraße und der Pharmazie in der Beethovenstraße zu sanieren und am Ende die Hans-Sommer-Straße 10 leer zu ziehen und abzugeben.

Wenn die Mängel bereits so lang bekannt waren – warum wurde das Gebäude nun so plötzlich geschlossen?

Bis zur Begehung mit der Feuerwehr am 22. November war die TU Braunschweig davon ausgegangen, dass der Betrieb bis zur Sanierung durch die geplante Brandschutzmaßnahme aufrechterhalten werden könne.

Hatte sich denn die Gefahr für die Beschäftigten und Studierenden im Gebäude unterdessen erhöht?

Dass das Gebäude gealtert ist, hat Auswirkungen auf seine Funktionalität für alle, die darin arbeiten und studieren. Auf Grund der knappen finanziellen Ressourcen konnten die aufgetretenen Baumängel, die in der Vergangenheit immer wieder sichtbar wurden, nicht saniert werden.

Experten schätzen heute die Risiken insgesamt und speziell in Laborbauten anders ein als früher. Auf Grund der Erfahrungen aus großen Brandereignissen wurden die Anforderungen an den baulichen Brandschutz deutlich erhöht. Es gibt neue Erkenntnisse über die Ausbreitung von Rauch und Feuer sowie über die Brennbarkeit der Baumaterialien und die Auswirkung der Bauweise. Die Sachverständigen vor Ort haben außerdem bei der Sanierung des Hauses der Elektrotechnik und anderer Gebäude umfassende Erfahrungen sammeln können. Dies führt dazu, dass heute an ältere Gebäude deutlich höhere brandschutztechnische Anforderungen gestellt werden als früher. Dies hat ja auch seine Berechtigung: Niemand möchte ein nachweisbares Risiko eines Brandes in Kauf nehmen. Auch andere Hochschulen mit einer älteren Bausubstanz haben ähnliche Probleme.

Warum baut die TU Braunschweig einerseits ganz neue, moderne Forschungszentren und ein Studierendenhaus, statt zunächst in die bestehende Bausubstanz zu investieren?

Die Mittel für die Forschungszentren wurden im Rahmen des Forschungsbauprogramms des Bundes und der Länder bzw. jeweils von Bund und Land Niedersachsen eingeworben. Um sie zu erhalten, müssen sich Universitäten mit einem dezidierten, zukunftsträchtigen Forschungsprogramm bewerben und im Wettbewerb gegen andere Universitäten durchsetzen. Diese Mittel dürfen ausschließlich für Forschungsneubauten und deren Ausstattung verwendet werden. Das Studierendenhaus wurde aus Mitteln der Fakultät Maschinenbau finanziert, die ebenfalls nicht für Sanierungszwecke verwendet werden dürfen.

Für den Unterhalt aller etwa 190 bestehenden Gebäude stehen der TU Braunschweig jährlich nur insgesamt 3,3 Millionen Euro aus Landesmitteln zur Verfügung. Das ist bei weitem zu wenig. Einen entsprechenden Sanierungsstau beklagen viele Hochschulen und auch andere öffentliche Einrichtungen.