Chikungunya: Eine wenig bekannte Krankheit Wissenschaftlerinnen aus Kamerun arbeiten in der Abteilung für Medizinische Biotechnologie
Elizabeth Berinyuy Nsai und Pascale Yvana Lele Kamga vom Centre Pasteur du Cameroun werden vier Monate lang in Braunschweig bleiben. Sie arbeiten in der Abteilung für Medizinische Biotechnologie der Technischen Universität Braunschweig und am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI). Sie arbeiten beide an Tests zur Diagnose von Chikungunya-Infektionen und Möglichkeiten zur Behandlung von infizierten Patient*innen. Das Virus ist ein vergleichsweise unbekannter Erreger mit wachsender wissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Relevanz.

Elizabeth Berinyuy Nsai und Pascale Yvana Lele Kamga bei der Phagen-Display-Schulung unter der Leitung von Piotr Stanczyk. Bildnachweis: Michael Hust, TU Braunschweig
Frau Nsai studierte Biochemie an der Universität Bamenda (im Nordwesten Kameruns) und Frau Kamga studierte ebenfalls Biochemie an der Universität Yaoundé (Hauptstadt Kameruns). Sie forschen beiden zum Chikungunya-Virus, das zur Gruppe der Alphaviren gehört und durch Aedes-Mücken übertragen werden. Die überwiegend in den Tropen und Subtropen vorkommende Gattung ist auch Überträger des Dengue-, Gelbfieber- und des Zika-Virus. Eine Infektion führt zur Chikungunya-Krankheit. In den meisten Fällen verläuft sie asymptomatisch, also ohne erkennbare Beschwerden. Es werden jedoch auch tödliche Fälle mit vorausgehender langanhaltender Arthritis berichtet. Derzeit gibt es keine spezifische Behandlung für diese Krankheit. Zudem steht kein spezifischer serologischer Diagnosetest zur Verfügung.
Das Ziel beider Forscherinnen ist die Entwicklung eines spezifischeren diagnostischen Tests sowie von neutralisierenden Antikörpern für einen möglichen therapeutischen Ansatz. Während ihres Aufenthalts in Braunschweig werden sie an der TU Braunschweig an rekombinanten Antikörpern und am HZI in der Arbeitsgruppe von Dr. Maren Schubert an der Produktion rekombinanter Proteine arbeiten.
Frau Nsai: „Über den wissenschaftlichen Nutzen hinaus hat das Erleben eines internationalen Forschungsumfelds meine berufliche und persönliche Entwicklung gefördert und meinen Blickwinkel auf wissenschaftliche Zusammenarbeit und Forschungspraxis erweitert.“
Frau Kamga: „Wissenschaftlich gesehen war einer der faszinierendsten Aspekte dieser Ausbildung bisher meine Einführung in die Phagen-Display-Technologie. Diese Technik finde ich besonders spannend wegen ihres Potenzials für die Entdeckung und Charakterisierung von Antikörpern sowie wegen ihrer experimentellen Vielseitigkeit. Die praktischen Erfahrungen damit waren einer der Höhepunkte meiner ersten Woche hier in Braunschweig.“
„Wir haben an Antikörpern für die Diagnostik und Therapie gegen verschiedene Viren gearbeitet. Wir werden von den Erfahrungen von Frau Nsai und Frau Kamga in der Virusforschung profitieren“, sagt Professor Michael Hust.
Das Chikungunya-Virus (CHIKV) ist ein durch Aedes-Mücken übertragenes Alphavirus, dessen globale Ausbreitung und wiederkehrende Ausbrüche eine zunehmende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit darstellen. Klinisch stehen akute Fieberschübe und ausgeprägte Gelenkentzündungen im Vordergrund. Die zunehmende internationale Verbreitung des Virus unterstreicht dabei die Bedeutung interdisziplinärer Forschung an der Schnittstelle von Virologie, Immunologie, Epidemiologie und Public Health.