03.05.2011 | Magazin:

Humboldt-Stipendiat aus Mexiko forscht zu Fragestellungen zwischen Astronomie und Computergraphik an der TU Braunschweig

Der Astrophysiker Prof. Wolfgang Steffen aus Mexiko wird im Rahmen des renommierten Friedrich Wilhelm Bessel-Programms der Alexander von Humboldt-Stiftung ab August ein Jahr lang am Institut für Computergraphik der Technischen Universität Braunschweig mit der Arbeitsgruppe von Prof. Magnor arbeiten, um an interdisziplinären Fragestellungen zwischen Astronomie und Computergraphik zu forschen.

Steffen ist ein international anerkannter Wissenschaftler, der für seine Pionierleistungen in der Erforschung und Entwicklung von Ansätzen, auf Grundlage digitaler Modellierungsverfahren astrophysikalische Simulationen und reale Beobachtungsdaten in konsistente Gesamtbeschreibungen astronomischer Phänomene zu vereinen, bekannt ist. Seine Arbeit widmet sich der Entwicklung von Methoden zur Übertragung komplexer theoretischer Modelle in eine Form, die direkt mit Beobachtungen verglichen werden kann.

Mit der Arbeit an seinem Forschungsprojekt „Shape“, für das er heute weltweit bekannt ist, begann Prof. Steffen während seiner Zeit als Postdoktorand in Manchester. Das von ihm entwickelte vielseitige Computerprogramm ist in der Lage, aufgrund von Bildern und spektroskopischen Beobachtungen die Struktur und den Bewegungszustand von astrophysikalischen Objekten in einem konsistenten Modell nachzubilden. Das Programm wurde zunächst zur Modellierung von mathematisch beschreibbaren Strukturen in planetarischen Nebeln und aktiven Galaxien entwickelt und über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Nach seinem Wechsel nach Mexiko, zunächst an die Universität in Guadalajara und anschließend an das Astronomie-Institut der Universidad Nacional Autónoma de México, arbeitete Prof. Steffen an einer eigenständigen Version von „Shape“, in der die für die Astrophysik interessanten Eigenschaften der kommerziellen Systeme einbezogen und andere für die Wissenschaft wichtigen Spezialwerkzeuge neu entwickelt wurden. So wurde es möglich, sehr komplexe Objekte zu modellieren und die astrophysikalisch relevante Information beobachtungsnah darzustellen.

Der wegweisende Ansatz von Prof. Steffen, diverse Beobachtungen und Simulationsergebnisse eines Objektes im Rechner in ein konsistentes digitales Modell zu überführen, wird inzwischen von diversen Arbeitsgruppen weltweit angewendet.

Seit zwölf Jahren forscht Prof. Steffen als Professor für Astrophysik in Mexiko. Als Direktor der Computational Astrophysics-Gruppe an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) in Ensenada ist er fest im mexikanischen Wissenschaftssystem etabliert.

Für den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung können in ihrem Fachgebiet bereits international anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nominiert werden. Die Preisträger werden für ihre herausragenden Forschungsleistungen ausgezeichnet. Sie sind eingeladen, selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr durchzuführen. Die Anzahl der Humboldt-Stipendiaten ist ein wichtiger Indikator für internationale Kontakte und Reputation.