Therapeutische Antikörper gegen Pocken Europäisches Projekt beginnt mit präklinischer und klinischer Entwicklung
Neben den ausgerotteten „menschlichen“ Pocken (Orthopoxvirus variolae), die nur Menschen infizieren können, gibt es weitere Pockenviren. Dazu zählen etwa Mpox („Affenpocken“, Orthopoxvirus monkeypox), die von Mensch zu Mensch, aber auch von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Die herkömmliche Pockenimpfung schützt auch vor Mpox. Mit der Ausrottung der Pocken wurde die routinemäßige Pockenimpfung jedoch eingestellt – mit der Folge, dass insbesondere jüngere Menschen heute keinen Impfschutz gegen Orthopoxviren mehr haben. Eine spezifische Therapie gegen Mpox und gleichzeitig menschliche Pocken gibt es bislang nicht. Hier setzt das Projekt THANATOS an, das von der EU mit 13,5 Millionen Euro gefördert wird.
Im THANATOS-Projekt wird ein Wirkstoff auf Basis eines Antikörpers entwickelt, der die Pocken- und Mpox- Viren (Affenpocken) unschädlich machen soll. Zunächst wird er in präklinischen Studien, anschließend in klinischen Studien am Menschen untersucht. Ausgangspunkt ist ein aus Makaken isolierter Antikörper des Institut de Recherche Biomédicale des Armées (IRBA) in Frankreich, an dessen Entwicklung die Abteilung Medizinische Biotechnologie der TU Braunschweig beteiligt war.
Die Aufgabe der TU Braunschweig in dem aktuellen Projekt ist die Humanisierung und biochemische Analyse dieses Antikörpers sowie die Produktion der Antikörper für in vitro- und in vivo-Versuche. In Braunschweig ist auch Dr. Maren Schubert vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) an dem Projekt beteiligt und wird die Oberflächenproteine der Pockenviren sowie nicht-infektiöse virus-ähnliche Partikel (virus-like particles), für die Analyse der Antikörper und die Qualitätskontrolle des Therapeutikums produzieren.
Nach der Humanisierung und biochemischen Analyse des Antikörpers wird die Wirksamkeit gegen Kuhpocken und Mpox in Versuchen validiert und anschließend erfolgt die präklinische Entwicklung, die unter anderem das Verhalten des Antikörpers im Körper, die mögliche toxische Wirkung, mögliche Kreuzreaktionen, die Entwicklung einer Zelllinie für die Produktion und die GMP (Good manufacturing practice) Produktion für die klinische Phase-1-Studie umfasst. Die klinische Phase 1, in der die Sicherheit des Therapeutikums beim Menschen untersucht wird, stellt den Endpunkt dieses Projektes dar. Parallel dazu finden Vorbereitungen für eine mögliche klinische Phase-2-Studie (Wirksamkeit) zur Untersuchung der Wirksamkeit bei der Behandlung von Mpox statt.
„Ein Therapeutikum bis zur Anwendung im Menschen zu entwickeln ist eine anspruchsvolle und sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Wir freuen uns, dieses Projekt anzugehen, und danken der EU, dass nicht nur Forschungs-, sondern auch Entwicklungsprojekte gefördert werden“ sagt Dianne Gnann, Wissenschaftlerin in der Abteilung Medizinische Biotechnologie.
Professor Michael Hust ergänzt: „Wir haben eine langjährige Erfahrung bei der Entwicklung von Antikörpern gegen virale Erreger, einschließlich der Translation in die Klinik. Dieses Projekt ist ein Meilenstein für die Entwicklung eines Therapeutikums gegen verschiedene Pockenviren.“
Beteiligte Partner
Partner im Projekt THANATOS (Therapeutic antibodies neutralizing all the orthopoxvirus infectious for humans, including smallpox) sind: Commissariat a l’energie atomique et aux energies alternatives (CEA, Frankreich), Technischen Universität Braunschweig (Deutschland), Institut de Recherche Biomédicale des Armées (IRBA, Frankreich), MabSilico (Frankreich), Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI, Deutschland), InnovationActa (Italien), NorthX Biologicals (Schweden), Eurofins Optimed (Frankreich), Centre Pasteur Cameroon (Kamerun), BSL Bioservice (Deutschland).