23.12.2010 | Presseinformationen:

Haie gegen die Lust am Schwimmen – Logbuch Teil 2

Sebastian Ehmann verbringt die Weihnachtstage und die nächsten zwei Monate an Bord des Forschungsschiffs JOIDES Resolution. Wir veröffentlichen hier sein „Logbuch“ – heute den zweiten Teil.

IMGP5566„Inzwischen bin ich seit einer knappen Woche auf hoher See und gestern sind wir an der Stelle der ersten geplanten Bohrung angekommen. In den ersten Tagen auf See hatten wir viele einführende Veranstaltungen, hauptsächlich über den Ablauf der Messungen, aber auch Sicherheitsübungen und Besichtigungstouren durch die verschiedenen Teile des Schiffes. Mittlerweile arbeiten alle in einem 12 stündigen Schichtdienst, die Wissenschaftler jeweils von 12 bis 24 Uhr, bzw. von 24 bis 12 Uhr.

Die Expeditionsleitung und das technische Personal, zu dem ich offiziell gehöre, arbeitet meist von 6 bis 18 Uhr (18 Uhr bis 6 Uhr), damit Informationen über die Schichtgrenzen vernünftig kommuniziert werden können. Diesen Rhythmus werden wir ab jetzt auch bis zum Ende der Expedition beibehalten. Das klingt erstmal ziemlich anstrengend (was es auch ist), der Grund dafür ist aber ganz einfach: das Schiff ist ziemlich teuer im Unterhalt, und jede Stunde Leerlauf würde unnötig Geld kosten.

Der Schichtdienst hat aber auch Vorteile. Wir sind in Zweierkabinen untergebracht und es wurde versucht, die Schichten so zu legen, dass der Zimmerpartner immer in einer anderen Schicht als man selbst arbeitet, damit man etwas Ruhe bekommt. Bei mir ist das allerdings nicht der Fall, mein Mitbewohner auf Zeit ist Kerry, ein Ingenieur, der für die Bohrlochinstrumente zuständig ist. Wir sind beide offiziell in der 6-18 Uhr Schicht, allerdings gilt das nur während der Bohrungen. Am Ende der Bohrungen, wenn die geophysikalischen Untersuchungen mit den diversen Sonden stattfinden, geht unsere Schicht so lange, wie es dauert, die Messungen durchzuführen: geplant sind 26 Stunden.

Es gibt auch einiges, was das Leben auf der JOIDES Resolution dann doch angenehm macht: es gibt vier Mahlzeiten am Tag (alle 6 Stunden) und man bekommt rund um die Uhr Getranke und kleine Snacks (das beste ist die Softeis-Maschine!). Auch gibt es einen kleinen Kinoraum und einen Fitnessraum, wir haben sogar Fernsehempfang (allerdings nur das amerikanische Armed Forces Network). Es gibt einen täglichen Wäsche- und Kabinenservice, was man gereinigt haben will, legt man in einem Beutel vor die Tür, und wenige Stunden später bekommt man dann alles sauber zusammengelegt wieder. Und wenn man sich dann noch ab und zu an die Reeling stellt und das schöne Wetter geniesst, lässt es sich auch im Nirgendwo gut aushalten. Nur im Pazifik schwimmen dürfen wir leider nicht, weil das Schiff durch mehrere Schiffsschrauben an allen Seiten auf Position gehalten wird und die Gefahr zu gross wäre, in die Schrauben zu geraten. Was ziemlich schade ist, weil das Wasser traumhaft blau ist und etwa 22 Grad hat. Ich habe aber schon einen Plan, wie ich die Lust am Schwimmen etwas unterdrücken kann: Da auf dem Schiff rund um die Uhr gearbeitet wird, ist vor allem der Bohrturm hell beleuchtet, was nachts Tintenfische anlockt. Und die locken dann wieder Haie an, nach denen ich heute Nacht Ausschau halten werde.

Anbei habe ich noch ein paar Bilder mitgeschickt, eines beim Verlassen des Hafens (unten), eines von den beginnenden Bohrungen und eine Schiffsansicht (oben).

Schoenen Gruss aus dem Pazifik und ebenfalls eine schoene Weihnachtszeit!“