07.06.2012 | Presseinformationen:

Antrittsvorlesung von Prof. Almut Grüntuch-Ernst und Prof. Dr.-Ing. Harald Kloft "gemein und eigen" und "tragwerke entwerfen"

Prof. Almut Grüntuch-Ernst, Institut für Entwerfen und Gebäudelehre, und  Prof. Dr.-Ing. Harald Kloft, Institut für Tragwerksentwurf der Technischen Universität Braunschweig, halten ihre Antrittsvorlesung am

Mittwoch, 13. Juni 2012, um 17.00 Uhr
in der Aula, Haus der Wissenschaft, Pockelsstraße 11, 38106 Braunschweig.

Antrittsvorlesung von Prof. Almut Grüntuch-Ernst
„gemein und eigen“

Die Balance zu finden zwischen dem Gemeinsamen und dem Eigenen ist eine zentrale Frage in der Architektur. Die Betrachtung der sprachlichen Wurzeln von »gemein und eigen« und ihrer vielschichtigen und ambivalenten Bedeutungen beschreiben die Herausforderungen für den architektonischen Entwurf. Das Gemeinsame, Konventionelle, Tradierte und Vertraute einerseits und das Individuelle, Experimentelle, Eigensinnige und Neugierige andererseits, müssen immer wieder ausgelotet, versöhnt und kombiniert werden. Grundlage der Entwurfsausbildung ist die Schärfung der individuellen Wahrnehmungserfahrung der natürlichen und gebauten Umwelt – des eigenen Raumerlebens, aber auch das Einfühlen in andere Wahrnehmungswelten. Über die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten hinaus zielt die Ausbildung auf die Ermutigung zum kreativen Umgang mit den Methoden und Regeln, um das schöpferische Denken und Handeln zu fördern, neue Möglichkeiten zu entdecken und die Vorstellungskraft über Standards und Erwartungen hinaus zu dehnen. Nur aus dem Verständnis für das Gemeine und aus dem Mut zum Eigenen können Strategien für die Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen entwickelt werden.

Zur Person

Almut Grüntuch-Ernst, geb. 1966, hat das Studium der Architektur und Stadtplanung an der Technischen Universität Stuttgart nach einem Studienjahr an der Architectural Association in London mit dem Diplom abgeschlossen. Neben der Lehrtätigkeit an der Hochschule der Künste Berlin 1993-97 gründete sie mit Armand Grüntuch das Büro Grüntuch Ernst Architekten. Seither konnte das Berliner Büro zahlreiche Wettbewerbserfolge realisieren, die vielfach veröffentlicht und ausgezeichnet wurden. Die Arbeit ihres Büros deckt das gesamte Spektrum der Planung vom städtebaulichen Masterplan bis zur Realisierung anspruchsvoller Bauprojekte ab, umfasst aber auch Sonderaufgaben im Spannungsbereich von Architektur und Kunst. Almut Grüntuch-Ernst wird regelmäßig zu Vorträgen und als Preisrichterin bei Architekturwettbewerben eingeladen. 2006 wurde sie als Generalkommissarin für den deutschen Beitrag auf der Architekturbiennale in Venedig ernannt. Seit 2010 ist sie Mitglied der Kommission für Stadtgestaltung in München und seit 2011 Professorin am Institut für Entwerfen und Gebäudelehre der TU Braunschweig.

 

Antrittsvorlesung von Prof. Dr.-Ing. Harald Kloft
„tragwerke entwerfen“

Als Ingenieur im Department Architektur das Lehr- und Forschungsgebiet die Professur für Tragwerksentwurf zu vertreten ist eine besondere Herausforderung. Das Entwerfen von Tragwerken kann als Zusammenführung  von architektonischem Entwurf und ingenieurmäßigen Fachwissen formuliert werden. Das Ergebnis, der sogenannte Tragwerksentwurf ist zwar ein eigenständiger Entwurf, aber keinesfalls eine unabhängige Entwurfsleistung. Ein Tragwerk zu entwerfen ist vielmehr eine integrale Planungsleistung, die nur im Kontext der jeweiligen architektonischen Aufgabe erbracht werden kann. Von einem entwerfenden Ingenieur wird – neben fundierten Kenntnissen der ingenieurtechnischen Grundlagen – vor allem die Fähigkeit verlangt, sich in die konzeptionellen Ideen der Architekten hineindenken zu können. Ein Missverständnis ist in diesem Zusammenhang, die Tätigkeit des entwerfenden Ingenieurs mit Kunstworten wie archineering zu beschreiben. Das Entwerfen von Tragwerken ist vielmehr die ureigene, kreative Leistung des tragwerksplanenden Bauingenieurs. Professor Kloft gibt einen Einblick in das Entwerfen von Tragwerken auf der Grundlage seiner eigenen baupraktischen Erfahrungen und bezieht Position zu aktuellen und zukünftigen Forschungsthemen am Institut für Tragwerksentwurf.

Zur Person

Harald Kloft studierte Bauingenieurwesen an der TH Darmstadt und schloss sein Studium 1990 mit dem Diplom ab. Nach einer zweijährigen baupraktischen Tätigkeit bei der Strabag Bau AG kehrte er 1993 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die TU Darmstadt zurück, wo er 1998 am Institut für Statik seine Promotion abschloss. Von 1998 bis 2002 war er als projektleitender Tragwerksplaner im Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann in Frankfurt tätig. Im Jahr 2000 erhielt Harald Kloft eine Gastprofessur an der Städelschule in Frankfurt am Main für Structural Design, wo er bis 2008 in der Architekturklasse bei Ben van Berkel und Johan Bettum unterrichtete. Mit der Annahme des Rufs auf die Professur für Tragwerksentwurf und Konstruktionen an der TU Kaiserslautern im Jahr 2002 gründete er gemeinsam mit seinem Partner Klaus Fäth das Ingenieurbüro osd – office for structural design mit den Schwerpunkten Tragwerksplanung und konstruktive Fassadenplanung. In 2007 erhielt er einen Ruf an die TU Graz auf die Professur für  Tragwerksentwurf, die er bis 2009 annahm. Seit 01.04.2011 ist er Universitätsprofessor für Tragwerksentwurf am gleichnamigen Institut für Tragwerksentwurf (ITE) im Department Architektur der TU Braunschweig.

Schwerpunkt der Forschung am Institut für Tragwerksentwurf ist die Entwicklung innovativer Tragstrukturen und Werkstoffverbunde unter Zuhilfenahme neuartiger 3D-Planungssoftware und CNC-gesteuerter Fertigung. Ziel ist der gesteuerte, effiziente Einsatz von Werkstoffen und Ressourcen im Bauwesen in einer ganzheitlichen Betrachtung (Life-Cycle-Design). Im DFG-Schwerpunktprogramm »Leicht Bauen mit Beton« hat Prof. Harald Kloft gemeinsam mit Prof. Harald Budelmann vom Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (iBMB) ein Forschungsvorhaben für die TU Braunschweig eingeholt. Das DFG-Forschungsprojekt „Entwicklung neuartiger Verbindungen für geometrisch komplexe Flächen- und Stabwerkselemente aus UHPC“ wurde zum 01.06.2011 für zunächst drei Jahre bewilligt und wird von den Instituten ITE und iBMB gemeinsam bearbeitet.