20. Juli 2020 | Magazin:

Poetikdozentur digital Videos mit Sasha Marianna Salzmann

Mit einer Video-Gesprächsreihe präsentiert sich die Ricarda Huch Poetikdozentur in diesem Jahr erstmals digital. Sasha Marianna Salzmann, Roman- und Theaterautorin, Essayistin, Theatermacherin und Kuratorin am Maxim Gorki Theater, war im Herbst vergangenen Jahres für ihr bisheriges Werk mit dem Preis der Ricarda Huch Poetikdozentur für Gender in der literarischen Welt 2020 ausgezeichnet worden. Die traditionsgemäß flankierende Gesprächs- und Vortragsreihe war ursprünglich für Juni und Juli 2020 geplant. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie findet sie diesmal im Online-Format statt.

Sasha Marianna Salzmann. Bildnachweis: Stefan Loeber

Dazu laden die Preisinitiatoren – die Stadt Braunschweig, die Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften der Technischen Universität Braunschweig, das Braunschweiger Netzwerk für Gender und Diversity Studies und das Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte und Geschichtsvermittlung – alle Interessierten auf ihre Webseiten ein: www.braunschweig.de, www.tu-braunschweig.de und http://gender.rz.tu-bs.de. Die thematisch hochaktuellen Gespräche von Sasha M. Salzmann mit ihren Gästen werden in zwei Videoformat-Sequenzen gebracht.

Das Gespräch mit Sabine Hark, Professorin für Soziologie mit einem Schwerpunkt auf Geschlechterforschung an der TU Berlin, thematisiert, welche Lektüren für die Gesprächspartnerinnen und –partner einschneidende Erlebnisse waren und was sie in der Literatur besonders berührt. Dabei werden in der Diskussion Fragen wie „Was ist queer oder queere Literatur?“ verhandelt. Der Titel „Brüderhorde“ greift einen Begriff aus der Kulturtheorie von Sigmund Freud auf: Welche Bedeutung hat dieses Konzept aus feministischer Perspektive heute – und was hat es mit Corona zu tun?

Im zweiten Video interviewt der Dramatiker Necati Öziri, seit 2017 Dramaturg und Leiter des Internationalen Forums bei den Berliner Festspielen, die Preisträgerin. In diesem Interview geht es unter anderem um die Bedeutung von Erinnerung für die Identitätsbildung und das Erzählen, um den Umgang mit Gewalt in Texten des 18. Jahrhunderts, um den Aktualitätsbezug der Literatur und ihre Rolle für die Zukunftsbildung. Eng damit verknüpft diskutieren die beiden die titelgebende Frage: „Für wen schreiben wir?“.

Die aktuell aufgezeichneten Gespräche werden auf den Internetseiten der Preisinitiatorinnen und -initiatoren sowie auf dem Youtube-Kanal der TU Braunschweig eingestellt.

Presseinformation der Stadt Braunschweig

 

Grußworte der Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse sowie der Präsidentin der TU Braunschweig Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla

 

Laudatio von Dr. Carolin Bohn

 

I: Im Gespräch: Sasha M. Salzmann – Prof. Dr. Sabine Hark

„Brüderhorde“

In Sigmund Freuds Kulturtheorie ermordet die Brüderhorde den Vater, Clanchef und Alleinherrscher. Dadurch entsteht – temporär und auf ein Geschlecht beschränkt – geteilte männliche Herrschaft, was zunächst nach der Urszene der Demokratie klingt. Im Gespräch gehen Sasha Salzmann und die Soziologin Sabine Hark dem Begriff aus feministischer Perspektive nach: Ist das heute anscheinend zunehmende (Wieder-)Erstarken von „Brüderhorden“ eine teils gewaltvolle, teils hilflose Reaktion auf die Möglichkeit einer nicht-binären (geschlechtlichen) Logiken folgenden Gesellschaft oder birgt es auch Potentiale für eine geschlechtergerechte Gesellschaft?

II: Im Gespräch: Sasha M. Salzmann – Necati Öziri

„Für wen schreiben wir?“

Im Gespräch zwischen den Autor:innen Sasha Salzmann und Necati Öziri, die nacheinander das STUDIO Я am Gorki Theater in Berlin geleitet haben, entspinnen sich Gedanken darüber, für wen sie schreiben – und für welches Heute, für welche Zukunft, aufgrund welcher Vergangenheit und Geschichte. Wie kann erzählt werden, was heute wirklich erzählt werden muss, weil es gesellschaftlich brennt – Desintegration, kanonische versus queere Blicke, Rassismus, Migration. In das Gespräch sind auch eine Reihe von Fragen an Sasha Salzmann eingeflossen, die Studierende der Germanistik (TU) und des Darstellenden Spiels (HBK) entwickelt haben.