8. Dezember 2020 | Magazin:

Landschaft entwerfen Ein Diskursbuch des Instituts für Landschaftsarchitektur

Wie lassen sich sensible Landschaften erlebbar machen, ohne zu zerstören? Wie können Ausblicke inszeniert werden? Welche Gebäudenutzungen lassen sich auf das Dach verlagern? Wie können strategische Maßnahmen in der Landschaft das Stadtklima verbessern? Wie entsteht eine Synthese von Architektur und Natur? Das sind nur einige der 334 Fragen, die Professorin Gabriele G. Kiefer, Leiterin des Instituts für Landschaftsarchitektur (ILA), und Anika Neubauer in ihrem Grundlagenwerk „Landscape for Architects. Landschaft für Architekten. Paisaje para Arquitectos“ stellen. Fragen, die die Studierenden bei ihrem Entwurfsprozess unterstützen.

„Landschaft für Architekten“ ist eine Anleitung zum Diskutieren und Recherchieren.
Bildnachweis: Fons Hickmann

„‘Landschaft für Architekten‘ ist kein lineares Lehrbuch, das man von Anfang bis Ende durchschaut und dann hat man alles verstanden“, sagt Anika Neubauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ILA. „Das Buch ist eher eine Anleitung zum Diskutieren und Recherchieren. Ein Diskursbuch und keine Enzyklopädie.“ In fünf Bänden – Haus, Landschaft, Park, Qualitäten, Nutzung – wird das gesamte Feld des landschaftsarchitektonischen Entwerfens behandelt, das Thema der Vorlesung im dritten Semester ist. Das Werk schlägt quasi auch eine Brücke zwischen digitalem und analogem Studium.

Forschen bis zur besten Lösung

Dabei geht es in den Bänden nicht um das Vermitteln von Regelwerken, sondern um Erkenntnisprozesse. „Architektur ist immer auch Forschung. Ich forsche bis ich für eine Aufgabe die perfekte Lösung habe“, erklärt Professorin Gabriele G. Kiefer die Idee des Werks. „Durch die Fragen im Buch komme ich der Erkenntnis näher, was die richtige Lösung ist. Die ist individuell, sie ist je nach Ort, je nach Aufgabe und Person unterschiedlich. Wir zeigen Möglichkeiten auf. Die Studierenden müssen für sich das Richtige finden und vorher auch entscheiden, ob die Frage für ihr Projekt relevant ist.“

Video: Nora Heinisch

Neben dem umfassenden Fragenkatalog bilden abstrahierte Zeichnungen den Schwerpunkt der Bände. Diese zeigen einerseits auf, wie Studierende Entwurfskonzepte veranschaulichen können, machen aber auch die Fragen nonverbal verständlich. Der Fokus liegt auf einer Zeichensprache, die international funktioniert.

Lern-Raum und Case Studies

Für Piktogramm-Liebhaber*innen. Bildnachweis: Kiefer/Neubauer

„Wir wollten auf die Sprache der Studierenden reagieren“, so Professorin Gabriele G. Kiefer. „Und die Internationals in unseren Vorlesungen sind immer sehr dankbar, wenn wir Projekte möglichst mit Piktogrammen erklären. Wir haben den Anspruch, so inklusiv wie möglich zu sein.“ Deshalb ist das Buch auch dreisprachig – Deutsch, Englisch, Spanisch – und ermöglicht durch das direkte Nebeneinander der Sprachen die Erweiterung des eigenen internationalen Wortschatzes.

Mit ihrem Lehrbuch wollen Professorin Gabriele G. Kiefer und Anika Neubauer auch Lust auf weiteres Erforschen machen. Zu den Fragen haben sie Verweise zu verschiedenen Projekten angefügt, die im Internet recherchiert werden können. Beispielsweise das Messner Mountain Museum von Zaha Hadid in Südtirol, Pfahlbauten in St. Peter Ording oder der Skulpturengarten von Carlo Scarpa im Zentralpavillon der Architekturbiennale in Venedig 1952.

Der „Lern-Raum“ wird in einigen Bänden um einen zweiten Teil erweitert, der mit Case Studies aus dem 20. und 21. Jahrhundert mögliche „Antworten“ aufzeigt: 24 Gebäude vom kleinen Sichtbetonhaus in Japan bis hin zu großen Sozialwohnungskomplexen. Darunter Frank Lloyd Wrights „Fallingwater“ in Pennsylvania, die Wohnmaschine „Unité d’Habitation“ von Le Corbusier in Marseille oder der „Fuji Kindergarten“ von Tezuka Architects in Tokio.