18.01.2018 | Magazin:

Dreißig Jahre fliegender Hörsaal Das Forschungsflugzeug „D-IBUF“ feiert ein rundes Jubiläum

Es fliegt und fliegt und fliegt: das Forschungsflugzeug am Institut für Flugführung der Technischen Universität Braunschweig feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Im Einsatz für Forschung und Lehre absolvierte der „fliegende Hörsaal“ bereits mehrere tausende Flugstunden mit zahlreichen Studierenden der Luft- und Raumfahrttechnik sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Carolo-Wilhelmina.

Die zweimotorige Propellermaschine vom Typ Dornier Do 128-6 ist wohl der heimliche Star unter den Forschungsfahrzeugen an der TU Braunschweig. Das Erfahrenste ist die Maschine mit der Kennung „D-IBUF“ auf jeden Fall: schon dreißig Jahre steht sie in den Diensten des Instituts für Flugführung (IFF) der TU Braunschweig. Die „IBUF“, wie sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IFF liebevoll genannt wird, ist heute die weltweit einzige flugfähige Maschine ihrer Art. Einzigartig ist auch, dass eine Universität über so ein Forschungsflugzeug verfügt und es neben Forschungsprojekten auch in der Ausbildung einsetzt.

Das Forschungsflugzeug „D-IBUF“ vom Institut für Flugführung der Technischen Universität Braunschweig. (IFF/TU Braunschweig)

Im Studium hoch hinaus kommen

Studierenden bieten sich damit einmalige Gelegenheiten: Ihre umfangreiche Ausrüstung für verschiedenste Messungen erhielt die Maschine erst am IFF. Markant ist besonders der Nasenmast, der die Messung aller wesentlichen meteorologischen Parameter wie Temperatur, Feuchtigkeit, Druck und Anströmvektor ermöglicht. Ihr Spezialgebiet sind vor allem meteorologische Messkampagnen und Untersuchungen zu Navigation und Instrumentierung. Seit 2017 werden deshalb auch Studierende anderer Universitäten für Versuche und Flüge im Rahmen einer Summer School nach Braunschweig eingeladen.

19.000 Flugstunden bis zur „Rente“

Die Maschine hat eine „Lebenserwartung“ von 24.000 Flugstunden. Genug Zeit, um noch einigen Jahrgängen von Studierenden im Bachelorstudium mit der Vertiefung Luft- und Raumfahrttechnik im Rahmen des Kompetenzfeldlabors einen Mitflug zu ermöglichen. Rund eine halbe Stunde nehmen sie dann Daten wie Flughöhe, Position, Geschwindigkeit, Ruderausschläge, Lagewinkel des Flugzeugs auf. Masterstudierende absolvieren ein eineinhalbstündiges Fachlabor. „Oder sie fliegen auch schon mal selbst ein wenig“, erklärt der „IBUF“-Pilot Rudolf Hankers.

Für die Forschung bis nach Spitzbergen

Rund 3.800 der insgesamt 5.000 Flugstunden der Maschine absolvierte Hankers. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFF und Pilot der „IBUF“. Während die Maschine als „fliegender Hörsaal“ vor allem zwischen Elm und Harz unterwegs sei, berichtet der erfahrene Pilot, führten Forschungsflüge zu Zielen in Deutschland und ganz Europa. Den ersten längeren Flug absolvierte die Maschine gleich zu Beginn ihrer Forschungskarriere, 1987 nach Brest an die französische Atlantikküste. Geflogen werde vor allem in der Zeit von März bis Oktober, aber zum Teil auch in den Wintermonaten. Dass die „IBUF“ auch Kälte nicht scheut, bewies sie bei einer Messkampagne in Spitzbergen. „Bei minus 40 Grad und eingeschneiter Maschine. Wir hatten zum Glück Schaufeln“, erinnert sich der Forschungspilot und Kunstflieger.